Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Die Enkel der Raketenforscher
Lokales Teltow-Fläming Die Enkel der Raketenforscher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:09 02.04.2014
Karen Thiel und Hans Schumacher erforschen ihre Vorfahren. Foto: pede Quelle: Peter Degener
Kummersdorf-Gut

Hans Schumacher und Karen Thiel kennen sich erst seit kurzem. Ihre Familiengeschichte hat die beiden auf dem Gelände der früheren Heeresversuchsstelle in Kummersdorf-Gut zusammengeführt. Beide sind Nachkommen von deutschen Raketenforschern, die dort Mitte der 1930er Jahre die Grundlagen der deutschen Raketenforschung maßgeblich prägten. Ihr Familienerbe ist mit der Entwicklung der nationalsozialistischen „Wunderwaffe“ V2 belastet. Jetzt reisten sie für eine gemeinsame Spurensuche ins Historisch-Technische Museum von Kummersdorf-Gut.

Der Chemiker und Triebwerks-Ingenieur Walter Thiel (1910–1943).

Die Vorfahren der beiden sind Heinz-Otto Glimm und Walter Thiel. Im Gegensatz zu Wernher von Braun, dem Mann, der später die Mondraketen für die Amerikaner entwickelte, sind sie nur Experten ein Begriff. Hans Schumacher ist Enkel von Glimm. Der Berliner Grafikdesigner forscht seit Jahren zur Geschichte seiner Familie, die bis weit in die Nachkriegszeit am Mellensee gewohnt hat. Sein 1911 geborener Großvater hat 1935 eine geheime Dissertation zu ballistischen Untersuchungen und die „Rückstoßkraft von Gasstrahlen“ an der Berliner Universität verfasst. Bis Kriegsende war er in Kummersdorf-Gut der Leiter der Abteilung für Düsen- und Weitreichengeschosse.

Der Physiker und Ballistiker Heinz-Otto Glimm (1911–1945).

Karen Thiel lebt in Düsseldorf und arbeitet als Wirtschaftsbiologin und Marketingberaterin. Sie ist die Großnichte von Walter Thiel, der als Chemiker die Treibstoffe und Triebwerke für Raketen entwickelte. In der Ruhmeshalle des Weltraum-Museums von New Mexiko wird er seit 1976 als „maßgeblicher Entwickler des V2-Triebwerks“ geehrt.

Kummersdorf-Gut

Der Kummersdorfer Forst wurde seit 1873 als Schießplatz für das preußische Heer ausgebaut.

Eine Heeresversuchsanstalt wurde in den kommenden Jahrzehnten für alle Bereiche des Militärs eingerichtet, darunter für Eisenbahnpioniere, große Artillerie-Geschütze und Panzerfahrzeuge. Auf der längsten Schießbahn wurde bis zu zwölf Kilometer weit geschossen.

Wernher von Braun diente das mehr als 2000 Hektar große Areal ab 1932 für die Entwicklung von Raketen. Die Entwicklung einer deutschen Atombombe wurde hier ab 1939 vorangetrieben.

1945 wurde das Versuchsgelände von sowjetischen Truppen eingenommen und bis zu ihrem Abzug im Jahre 1994 als Kaserne und Logistikzentrum genutzt. Seitdem steht das Areal leer.

Der Verein „Historisch-Technisches Museum – Versuchsstelle Kummersdorf“ erforscht die Geschichte des Geländes seit 1990. Seit 2007 steht Kummersdorf-Gut unter Denkmalschutz.

Die Geschichte ihres Vorfahren war in der Familie lange verdrängt, sagt Karen Thiel bei der Betrachtung der Relikte im Museum. Erst 2006 sagten ihre Eltern „Lass uns nach Peenemünde fahren“, wo ihr die Bedeutung ihres Großonkels bewusst wurde, der ab 1937 auf dem streng geheimen Stützpunkt an der Ostsee arbeitete. Sie begann zu recherchieren, verfasste einen Aufsatz über ihren Großonkel und besuchte Stätten der Raketenforscher in aller Welt.

Nach der Führung durch Kummersdorf ist sie erstaunt. „Ich habe das hier unterschätzt!“, sagt sie. Ihre nebenberuflichen Recherchen will sie nun auf die frühe Arbeit Walter Thiels und seine Forschung in den heute verfallenen Raketenprüfständen konzentrieren. Auch Schumacher, der an diesem Tag den Ort gezeigt bekommt, an dem sein Großvater am Ende des Krieges fiel, zeigt sich von den denkmalgeschützten, aber verfallenen Stätten beeindruckt: „Das hier war das Silicon Valley der 30er Jahre. Man hat Menschen mit Geld und Status hierher gelockt. Es ging bei Glimm um die Karriere – ganz klar!“ Statt Verdrängung oder gar Verherrlichung wollen beide Nachfahren offen mit dem düsteren Familienerbe umgehen.

Die uneingeschränkte Förderung durch das deutsche Militär haben Glimm und Thiel am Ende teuer bezahlt. Beide Forscher sind im Krieg umgekommen. Thiel und seine Familie wurden am 18.August 1943 Opfer eines britischen Luftangriffs auf Peenemünde. Glimm war bis zum Kriegsende in Kummersdorf geblieben und wurde im April 1945 zur Verteidigung der Versuchsstellen herangezogen. „Wenn da nichts los ist, bin ich in zwei Tagen zurück“, sagte er seiner Frau zum Abschied. Am 21. April 1945 wurde „Doktor Glimm bei dem Versuch, vor Verlassen der Stellung noch ein Geschütz der Batterie zu sprengen, von feindlichem Feuer tödlich getroffen“, schrieb ein Kamerad Glimms im Jahre 2001 an die Familie Schumacher.

Von Peter Degener

Folgen Sie uns auf Facebook!

factbox

Teltow-Fläming Hildegard Führling (104) feiert Geburtstag mit Urenkelin Mia (5) - 104. und Spaß dabei

Das ist mal eine generationenübergreifende Geburtstagsparty. Hildegard Führling feiert am heutigen Mittwoch ihren 104. Geburtstag und feiert gemeinsam mit ihrer Urenkelin, die auch Geburtstag hat. Mia wird fünf. Auch wenn 99 Jahre zwischen den Geburtstagskindern liegen, gibt es doch Gemeinsamkeiten.

02.04.2014
Teltow-Fläming In Kloster Zinna fehlen öffentliche Toiletten - Ort ohne Örtchen

Kloster Zinna im Landkreis Teltow-Fläming ist ein ziemlich schöner Ort, nur leider hat es keine öffentliche Toilette. Das Pinkel-Problem ärgert besonders die Ortsvorsteherin. Sie denkt dabei an die Touristen, die den Ort besuchen und öfter mal ein stilles Örtchen brauchen. Doch das ist teuer und kostet Geld.

01.04.2014
Teltow-Fläming Flughafenkoordinator Bretschneider stellt sich in Blankenfelde dem Frust der Anwohner - Der Blitzableiter

Der Kampf der Blankenfelder macht die Anwohner sarkastisch. Dort wirbt man, die am stärksten vom Fluglärm betroffene Gemeinde Deutschlands zu sein. Am Montag ist Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider nach Blankenfelde gekommen. Er musste sich Beleidungen anhören und machte nur vage Aussagen.

01.04.2014