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Katar an Wildauer Flugzeug interessiert

High-Tech aus der Region Katar an Wildauer Flugzeug interessiert

Es kann eine Tonne Nutzlast tragen, bis zu 50 Stunden am Himmel sein – und ein Pilot muss nicht unbedingt an Bord sein. Die Firma Reiner Stemme Utility Air Systems aus Wildau entwickelt ein neues Flugzeug, das dank verschiedenster Optik- und Radarsysteme vielfältig einsetzbar ist – im zivilen, militärischen oder im Bereich der Forschung.

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Auf dem Flugplatz Schönhagen wurde die Flugplattform Q01 der Öffentlichkeit präsentiert.

Quelle: Uta Schmidt

Schönhagen. Flugerprobungsleiter Tim-Peter Voss ist zufrieden: „Das Flugzeug hat jetzt schon vierzehn Flüge absolviert. Alles läuft rund. Wir erwarten in einem Jahr die Zertifizierung durch die Europäische Luftfahrtbehörde.“ Gemeint ist die neue Flugplattform Q01, die seit 2014 von den Designern, Entwicklern und Ingenieuren der Reiner Stemme Utility Air-Systems GmbH (RS-UAS) in Wildau zunächst auf dem Papier und später in der Produktionshalle im Wildauer Zentrum für Luft und Raumfahrt entstanden ist. Vor wenigen Tagen wurde das Forschungsflugzeug erstmals der Öffentlichkeit im RS-UAS-Hangar auf dem Flugplatz Schönhagen präsentiert.

Das Flugzeug „made in Wildau“ kann sich sowohl bemannt als auch unbemannt in bis zu zehn Kilometern Höhe bewegen, es kann ausgerüstet mit den unterschiedlichsten Optik- und Radarsystemen Tag und Nacht am Himmel operieren und dabei wichtige Fakten über die Gegebenheiten am Boden sammeln. „Unser Prototyp der Plattform Q01 entstand in nur 18 Monaten Entwicklungszeit in Kooperation von Deutschland und Katar. Wir wissen, wie man so ein Flugzeug baut, unsere Kunden in Katar haben ihre Anforderungen für die Luftaufklärung eingebracht“, fasst Firmenchef Reiner Stemme die Zusammenarbeit zusammen.

Firmenchef Reiner Stemme (l) und General Khalid Al Kuwariaus Katar

Firmenchef Reiner Stemme (l.) und General Khalid Al Kuwariaus Katar.

Quelle: Uta Schmidt

Entwickelt und gebaut wurde ein Flugzeug, das etwa 1000 Kilogramm Nutzlast tragen, bis zu 50 Stunden am Himmel sein sowie mit oder ohne Pilot operieren kann. Erstmals stieg der „Vogel“ mit einer Flügelspanne von 20 Metern im vergangenen November bei Magdeburg in den Himmel, in diesen Wochen wird er auf dem Flugplatz Schönhagen erprobt.

Die Testergebnisse fließen später in einen B-Prototypen ein, der von der europäischen Luftfahrtbehörde EASA zertifiziert werden soll. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Verfahrens wird die Serienproduktion in Wildau und Schönhagen beginnen.

Erster Auftraggeber ist Katar

Erster Auftraggeber der Q01 ist der Staat Katar, vertreten durch General Khalid al Kuwari. Er hat bereits den Erwerb mehrerer Flugzeuge in Aussicht gestellt. Listenpreis pro Stück ohne sensorische Systeme: fünf Millionen Euro. „Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist groß. Sie reicht von der Seeaufklärung zum Gewässerschutz über die Kontrolle von unseren Wasserpipelines sowie der Öl- und Gasplattformen bis zur Grenzüberwachung“, sagte der General.

Reiner Stemme verwies auf die „angenehme Zusammenarbeit trotz der unterschiedlichen Denkart“ mit dem Kunden aus dem arabischen Raum. Die war so erfolgreich, dass Katar beim Wildauer Partner Flugzeuge im Auftrag von 365,4 Millionen Euro geordert hat. Auch Bundeswehr, Interessenten aus den USA und Australien haben Interesse bekundet.

Reiner Stemme

Seit 1986 entwickelt Firmengründer Reiner Stemme Leichtflugzeuge. Sein erstes Produkt war ein Hochleistungsmotorsegler, der seither 230-mal gebaut wurde.


Stemme gründete 2013 sein neues Unternehmen, die RS-UAS GmbH in Wildau. Es spezialisierte sich auf den Bau von innovativen Aufklärungssystemen für die Fernerkundung aus der Luft, die der Sicherheit, kommerziellen Aufgaben sowie der Forschung dienen; www.rs-uas.com

„Wir sehen ein breites Einsatzspektrum für unsere Entwicklung. Es reicht von der zivilen Nutzung über die militärische Aufklärung bis zur Forschung“, sagte der Firmenchef. Bei der Entwicklung und Integration der Systemkomponenten in die Flugplattform arbeitet das Wildauer Unternehmen eng mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung zusammen. Dazu gehören das Institut für Luftfahrtsysteme der Universität Stuttgart, die TU Berlin und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin.

Professor Reinhard Reichel aus Stuttgart informierte über die Entwicklung eines speziellen Autopiloten für das neue Flugzeug. Gerade bei unbemannten Systemen stelle dieser eine große Herausforderung dar. „Jede Landung ist da ein kontrollierter Absturz“, sagte der Wissenschaftler. Frank Lehmann, zuständig im DLR für Sensorkonzepte, erläuterte die Funktionsweise von hochgenau messenden Kamerasystemen. Entstanden im Zuge der Planetenforschung, ermöglichten diese die Entwicklung von hoch auflösenden dreidimensionalen Bildern und Modellen.

Während der Präsentation des Modells Q01 auf dem Flugplatz in Schönhagen

Während der Präsentation des Modells Q01 auf dem Flugplatz in Schönhagen.

Quelle: Uta Schmidt

„Wir haben die Kameras für diese Flugplattform weiter entwickelt und sie deutlich leichter als die bisherigen gemacht“, so Lehmann. Nur vier Sekunden nach einer Aufnahme stehen die Fotos aus der Luft zur Auswertung am Boden zur Verfügung. Ein großer Vorteil besonders bei der Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben, aber auch im Krisenfall wie bei Erdbeben oder Überschwemmungen.

Unter dem UAS-Firmendach entstehen Flugzeuge und Plattformen aus superleichtem Kohlenfaser-Material sowie Fernerkundungssysteme. Auf der ILA will das Wildauer Unternehmen seinen Prototypen Q01 mit dem in Sachsen entwickelten 6-Zylinder Dieselmotor weiteren interessierten Kunden vorstellen.

Von Uta Schmidt

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