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Teltow-Fläming „Kein Album, zu dem man Polonaise tanzt“
Lokales Teltow-Fläming „Kein Album, zu dem man Polonaise tanzt“
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06:41 19.10.2017
Freddy Hau, Andreas Giersch, Stefan Krähe, Jürgen Schötz und Norman Gatzke (v. l.) bilden die neue Band „Krähe“. Quelle: Foto: Band/Lutz Mueller-Bohlen
Jüterbog

Nach 25 Jahren löst sich die deutschlandweit erfolgreiche Coverband „Six“ auf. Neue Musik gibt es trotzdem aus Jüterbog. Frontmann Stefan Krähe kommt künftig mit Deutschrock unter dem neuen Bandnamen „Krähe“ um die Ecke.

Nichtssagende Floskeln sind tabu

Seit einer Woche gibt es das gleichnamige Debütalbum der fünfköpfigen Formation zu kaufen. Ein Soloprojekt sei „Krähe“ allerdings nicht, betont der Rock-Sänger. Die anderen vier Bandmitglieder sind keineswegs nur Statisten für den Frontmann.

Darunter sind auch wieder zwei bekannte Gesichter von „Six“: Keyboarder Andreas Giersch und Schlagzeuger Jürgen Schötz. Die zwei neuen Musiker an Krähes Seite sind Norman Gatzke und Freddy Hau an Bass und Gitarre.

Trotzdem: Die deutschsprachigen Songs auf dem Album drehen sich in erster Linie rund um das Leben von Stefan Krähe. „Es ist ein autobiografisches Album. Da ist alles drin, was mich bewegt“, erklärt der Musiker. Dabei nimmt er in seinen Texten kein Blatt vor den Mund. Nichtsagende Floskeln sind in seinen Songs tabu.

Keinen Bock auf Fahrstuhlmusik

Drei Jahre lang feilte Krähe deshalb an den aussagekräftigen Texten. „Ich will keine Fahrstuhlmusik machen, die nicht wehtut und nur gute Laune verbreitet“, erklärt er im MAZ-Gespräch. Der Musiker hatte noch nie ein Problem damit, bei anderen anzuecken.

Bewusst polarisiert er mit Sätzen wie „Ich kotz bei dem Gedanken an all die Geisteskranken, die nur durch ihr Leben wanken“ in dem Song „Keinen Bock“.

Dabei bezieht sich der 51-jährige auf die Menschen, die sich den Problemen in Politik und Gesellschaft mit einem Achselzucken entziehen, bloß meckern und sich am Ende doch mit allem abfinden. „Damals hatten wir die Wende. Und warum? Weil die Leute auf die Straße gegangen sind“, sagt der 51 Jahre alte Musiker mit der starken Heimatverbundenheit in den Fläming und ergänzt: „Heute sind es letztendlich nur noch die Lobbyisten, die Macht haben und Macht macht kaputt.“

Auch von Religionen hält der überzeugte Atheist nicht viel. Im Song „Ich brauche keinen Gott“ schildert er seine persönliche Einstellung dazu.

Harte Schale, weicher Kern

Doch Stefan Krähe haut im ersten Album nicht nur drauf. Der Rocker zeigt hier auch seine sentimentale Seite. Wie etwa in einem Lied über seinen achtjährigen Sohn, der im Musikvideo gemeinsam mit ihm zu sehen ist und der vieles in im Leben des Musikers verändert hat. „Mit meinem Sohn fing bei mir die Selbstreflexion an. Du siehst dich selber, beginnst gewisse Sachen zu hinterfragen und überlegst, was im Leben eigentlich wichtig ist“, sagt Krähe.

Er wuchs als Scheidungskind auf und bekam den Vater kaum zu Gesicht. Obwohl der Künstler auch alleinerziehend ist und nicht mehr mit der Mutter seines Sohnes zusammenlebt, möchte er für sein Kind da sein. Denn gerade er wisse, sagt er, wie dringend ein Sohn seinen Vater brauche.

Unbequeme Themen offen ansprechen

Menschen mit seinen Songs eine Stimme zu geben, sie wach zu rütteln oder ganz persönliche Erinnerungen bei ihnen hervorrufen – das ist das Ziel von „Krähe“. Die Band beschäftigt sich deshalb auch mit unangenehmen Themen und mit Tabus.

Im Song „Offene Wunden“ geht es zum Beispiel um Kindesmissbrauch. Stefan Krähe fing an ihn zu schreiben, als Silvio S. 2015 als Mörder zweier Kinder aus Berlin und Potsdam überführt wurde. Der Mann wohnte nur wenige Kilometer entfernt von Stefan Krähes Heimatstadt Jüterbog in der Gemeinde Niedergörsdorf.

Die bewegenden Zeilen aus dem Krähe-Song blieben auch der Öffentlichkeit nicht lang verborgen. Mitglieder des Charity-Projekts „Schrei der Bäume“ wurden auf ihn aufmerksam.

Auch sie kämpfen gegen das Wegsehen bei Gewalt an Kindern und fanden die Song-Thematik passend für eine ihrer kommenden Veranstaltungen. Am 3. November steht die Band „Krähe“ deshalb mit weiteren Künstlern in Köln auf der Bühne. Das Konzert soll für den Film „Schrei der Bäume“ werben, in dem es um Kindesmissbrauch geht.

Lieber Independent statt Mainstream

Für die Band ist das ein erstes Zeichen dafür, dass sie mit ihrer Musik richtig liegt. Das zeigen auch die Reaktionen auf ihrer Facebookseite.

„Konnte gestern zum ersten Mal die neuen Songs von Krähe hören. Und ich muss sagen Hammer“, schreibt etwa Sandra Weichert, „die Lieder sprechen die heutige Zeit an und es ist gut so, dass man darüber spricht, bzw. singt.“ Auch Musikerkollegen, wie der Schlagzeuger der Berliner Band „Karat“, reagierten begeistert auf die ehrlichen Töne.

Stefan Krähe berichtet, es würden sich viele für die authentische Musik bedanken, da im heutigen Mainstream nur noch „Wischi-Waschi-Aussagen“ hinter den Songs stecken, so Krähe. Doch weiß er auch, dass seine Musik nicht jedem passt. „Ich mach jetzt das, was mir gefällt“, sagt er „ich wollte kein Album machen, zu dem man Polonaise tanzen kann.“

Das Album und einzelne Tracks können auf www.shop.kraehativ-event.de erworben werden.

Von Isabelle Richter

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