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Teltow-Fläming Kein Verständnis für Arne Raue
Lokales Teltow-Fläming Kein Verständnis für Arne Raue
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20:23 01.11.2016
Jüterbog mit seiner St. Nikolaikirche ist ein wichtiger Ort der Reformation. Quelle: Nadine Pensold
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Jüterbog

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue will mit dem ZDF nur über die Reformation, nicht aber über Asylpolitik reden – und bricht das Interview ab. Raues Verhalten hat in der Region Unverständnis ausgelöst. Die Jüterboger Pfarrerin Mechthild Falk macht das „sprachlos“. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Niederer Fläming meint, man könne als Politiker das Thema Asyl „nicht ignorieren“. Landrätin Kornelia Wehlan sieht einen Zusammenhang von Reformation und Flüchtlingsfragen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn glaubt, Raue wolle die Menschen bewusst gegeneinander aufwiegeln und äußere sich darum nahezu täglich kritisch zum Thema Asyl.

Pfarrerin Falk ist „sprachlos“

„Ich freue mich zwar über die positiven Äußerungen im Hinblick auf das Miteinander von Stadt und Kirche, seine komplette Verweigerung über die Situation der Flüchtlinge in seiner Stadt zu sprechen, macht mich aber sprachlos“, sagt die Jüterboger Pfarrerin Mechthild Falk. Raue spreche zwar stets von „den Menschen“, blende die Flüchtlinge als Bewohner Jüterbogs aber völlig aus, so Falk. „Ein boomender Tourismus im Reformationsjahr wird auch davon abhängen, welcher Ruf aus Jüterbog erschallt“, sagt die Pfarrerin. Pfarrerin Falk hofft, dass das ZDF das Angebot Raues für ein weiteres Gespräch allein zu diesem Thema auch wahrnehmen werde.

Bürgermeister Kaluza: „Es liegt in unserer Verantwortung“

Auch David Kaluza (parteilos), der Bürgermeister von Jüterbogs Nachbarkommune Niederer Fläming meldete als ein Amtskollege von Arne Raue zu Wort. „Wir haben zwar keine Flüchtlinge in unserer Gemeinde, aber man kann das Thema deshalb nicht ignorieren. Es liegt in unserer Verantwortung sich damit auseinanderzusetzen, egal wie man zur Flüchtlingspolitik steht, denn spätestens wenn diese Menschen ankommen, betreffen sie das Verwaltungshandeln in vielen Bereichen wie Kitas und Schulen, Sport oder Unterbringung.“

Wehlan sieht Bezug zwischen Reformation und Flüchtlingsfrage

Für Teltow-Flämings Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) ist der Bezug von Reformation und Flüchtlingsfragen eindeutig. „Martin Luther wäre – da bin ich mir ganz sicher – sehr stolz auf die Kirchen im Landkreis Teltow-Fläming. Denn sie waren es, die gleich zu Beginn der großen Zuwanderungswelle Nächstenliebe ohne Wenn und Aber praktiziert und sich für Geflüchtete eingesetzt haben. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als andere noch gar nicht begriffen hatten, was mit der Zuwanderung so vieler Menschen auf uns zukommt“, sagte sie der MAZ. Die Kirchen hätten dazu angeregt, auch in der Flüchtlingsproblematik Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und es immer wieder aufs Neue zu hinterfragen – genau dazu habe die Reformation ermutigt. „Insofern geht die Reformation jeden von uns etwas an, auch in der Bewältigung der Flüchtlingsfrage. Herrn Raues Äußerung spricht also für sich“, sagt Wehlan.

Erik Stohn: Raue schadet der Stadt Jüterbog

„Ich verstehe den Interviewabbruch nicht. Bei seinem Sendungsbewusstsein in Sachen Flüchtlinge musste Bürgermeister Arne Raue damit rechnen, vom ZDF gefragt zu werden“, so der SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn. Raue begründete den Interview-Abbruch damit, dass er sich vom Asylthema „beschallt“ fühlt. Doch „nahezu täglich äußert er sich zu dem Thema im Internet, manchmal im geschätzten 2-Stunden-Takt. Er veröffentlicht bewusst kritische Artikel aus Zeitungen, AFD-Inhalte, aber auch aus fragwürdigeren Quellen“. Stohns Vermutung: Raue versuche, die Menschen „gegeneinander aufzuwiegeln“. Der Bürgermeister schade damit nicht nur dem Ansehen der Stadt und der Region, sondern auch dem friedlichen Zusammenleben in Jüterbog. „Arne Raue verabschiedet sich Tag für Tag von der demokratischen Zusammenarbeit“, so der Eindruck von Erik Stohn.

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Von Peter Degener, MAZonline

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