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Kein Wundermittel, aber Abschreckung

Großer Andrang bei Info-veranstaltung zu „künstlicher DNA“ Kein Wundermittel, aber Abschreckung

Das Thema Einbrüche bewegt die Zossener - das zeigt eine Veranstaltung der Polizei. Die hatte am Dienstag in den Alten Krug geladen um dort über künstliche DNA zu sprechen. Die DNA soll mögliche Einbrecher abschrecken. Der Alte Krug war am Dienstag bis auf den letzten Platz mit Besuchern belegt. Ein Anwohner hatte die Veranstaltung organisiert.

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Polizeihauptkommissar Olaf Lehnhardt schaut überrascht, als Axel Matz (l.) einen Bürger mit der UV-Lampe bestrahlt. Dieser hatte sich unwissentlich an der Türklinke selbst markiert - die künstliche DNA kennzeichnet bei dieser Methode den Täter selbst, etwa bei Raubüberfällen.

Quelle: Peter Degener

Zossen. Bis auf den letzten Platz mit besorgten Bürgern gefüllt waren die Räume der Zossener Heimatstube „Alter Krug“ am Dienstagabend. Der wegen zunehmender Einbruchsaktivitäten beunruhigte Einwohner Gerhard Wusterack hatte eine Informationsveranstaltung zur Prävention mit „künstlicher DNA“ (KDNA) organisiert und warb für Anwohnerinitiativen gegen Einbrüche.

Dazu war Axel Matz von der Firma „SelectaDNA“ eingeladen worden. „Schützen Sie Ihr Eigentum selbst, um es den Tätern schwerer zu machen“, begann er die Vorstellung eines von dem Unternehmen entwickelten Produkts, das bislang erfolgreich in Modellprojekten in Bremen, sowie den Brandenburger Gemeinden Kleinmachnow und Neuenhagen eingesetzt wurde. KDNA sei ein spezieller Lack, den der Besitzer auf Wertgegenständen anbringe könne. Die Markierung wird nur unter UV–Licht sichtbar und enthält organische DNA-Spuren, die über eine Datenbank auch noch nach Jahren dem wahren Besitzer zugeordnet werden. Dies mache den Verkauf gestohlener Ware ungleich schwerer. Die eigentliche Wirkung sei aber die Verdrängung der Täter durch Abschreckung, da Diebe die mitgelieferten Warnaufkleber an Fenstern und Türen sehr ernst nehmen würden und zu „unmarkierten“ Häusern auswichen.

Sicherheit

Fühlen Sie sich zu Hause noch sicher?

Matz nannte folgende Zahlen: In nur neun von 6000 seit 2009 markierten Haushalten in Bremen wurde eingebrochen – dies sei eine Quote von 0,3 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt von vier Prozent. In Brandenburg wurden durch SelectaDNA schwerpunktmäßig grenznahe Landwirtschaftsbetriebe „markiert“, der Diebstahl ging im ganzen Bundesland um 60 Prozent zurück und stieg stattdessen in Mecklenburg-Vorpommern an, so Matz.

Die Polizei prüft Wohnungen

Die Polizei überprüft kostenlos Wohneigentum nach Schwachstellen. Termine unter Tel. 03371/60028-40 oder -41.

Weitere Informationen zur Sicherung des Zuhauses unter www.k-einbruch.de. Mehr Informationen zur künstlichen DNA unter www.selectadna.de.

In Zusammenarbeit mit öffentlichen Verwaltungen wurde ein Warnschild für den Straßenraum entwickelt, das Diebe auf die Anwendung von KDNA in einem Straßenzug hinweist und welches Einwohnerinitiativen bei Sammelbestellungen erhalten würden. Ein Paket zur Markierung von 40 bis 50 Gegenständen koste für Brandenburger Käufer 75 Euro statt 89 Euro. Wer trotzdem Einbruchsopfer wird, erhalte sein Geld zurück, so Matz. Polizeihauptkommissar Olaf Lehnhardt, Leiter der Präventionsabteilung im Landkreis Teltow-Fläming, nannte KDNA „einen wirksamen Baustein, aber am besten funktionierten wachsame Nachbarschaften.“ Außerdem informierte er, dass die Polizei auf Anfrage kostenlos Haus und Hof jedes Bürgers prüfe und Schwachstellen zeige. Von der Polizei zeigten sich viele Anwesende allerdings frustriert: Wer verdächtige Aktivitäten bemerke und sich bei der Polizei melde, werde in der Regel vertröstet, hieß es mehrfach aus dem Publikum. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Zossen und den dazugehörigen Ortsteilen von 13 im Jahr 2011 auf 33 im Jahr 2012 angestiegen. Im gesamten Landkreis Teltow-Fläming stieg die Zahl der Einbrüche im selben Zeitraum von 149 auf 262 Delikte. Im Jahr 2010 wurden 247 Einbrüche angezeigt. Gerhard Wusterack war mit der Veranstaltung sehr zufrieden und will seinen Kontakt mit den Nachbarn intensivieren. „Das Thema wird sich jetzt herumsprechen und diskutiert werden“, sagte er und schloss eine Folgeveranstaltung nicht aus.

So fühlen sich die Zossener in ihren vier Wänden

„Bis zu dieser Veranstaltung fühlte ich mich sicher. Jetzt gerade habe ich das Gefühl, dass hier überall eingebrochen wird. Ich bin Mieterin und vertraue eigentlich der Hausverwaltung, dass sie Vorkehrungen trifft.“
Sonja Brentjes (62), Zossen

„Ich bin nicht verunsichert, aber muss sagen, dass ich seit meinem Umzug die Gemeinschaft der Nachbarn vermisse. Bei der künstlichen DNA, muss man sich fragen, was die Täter als Gegenmittel entwickeln.“
Sven Hansche (34), Zossen

„Bei uns wurde bereits eingebrochen und dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Wir wollen deshalb vorbeugen, aber keine Festung bauen. Deshalb ist der Kontakt zu den Nachbarn so wichtig.“
Yvonne Penkuhn-Wusterack (54), Zossen

„Ich fühle mich in meinem Zuhause sicher. Wir haben Fenster und Türen mit Sicherheitstechnik installiert, einen Bewegungsmelder und Kameras. Man kommt nicht so einfach unbemerkt auf mein Grundstück.“
Thomas Teske (42), Zossen

Von Peter Degener

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Zossener beobachtet immer öfter seltsame Gestalten

Eigentlich ist Gerhard Wusterack aus Berlin nach Zossen gezogen, um etwas mehr Ruhe zu haben. Nun macht der 66-Jährige in seiner Nachbarschaft aber immer wieder komische Beobachtungen. Kürzlich standen Fremde vor seiner Tür, wärhend dessen versuchten andere Personen in sein Haus einzubrechen.

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