Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Keine Angst vor Kolja

Sibirischer Uhu die Attraktion im Wildpark Johannismühle Keine Angst vor Kolja

Eigentlich hatte sich Julian Dorsch nur im Wildpark Johannismühle beworben, um dort vielleicht irgendwann einmal eine freie Stelle zu bekommen. Völlig überraschend offerierte Geschäftsführer Frithjof Banisch dem 31-jährigen Trebbiner einer Assistentenstelle. Verbunden mit der Aussicht, vielleicht eines Tages in seine Fußstapfen zu treten.

Voriger Artikel
Exotische Pilze und alte Tiere
Nächster Artikel
Gaudi auf dem Wasser

Tierpfleger und Sibirische Uhus: Janina Sperlich mit Kascha, Julian Dorsch mit Kolja und Nathalie Brandt mit Maruscha (v.l.).

Quelle: Frank Pechhold

Johannismühle . Als Kolja seine Krallen noch fester in den ledernen Schutzhandschuh schlägt und die Flügel ausbreitet, weicht Julian Dorsch dem Sibirischen Uhu ins-tinktiv mit dem Kopf aus. „Angst habe ich vor Kolja nicht, aber Respekt“, sagt der 31-Jährige, der dem Vogel in diesem Moment erstmals so nahe kommt. Er stellt sich einer neuen Herausforderung im Wildpark Johannismühle. Dort arbeitet der Trebbiner seit Anfang Juni als Assistent des Geschäftsführers Frithjof Banisch, um eines Tages vielleicht sogar dessen Nachfolge anzutreten.

Ein Angebot, was er nicht ablehnen konnte

„Dieses Angebot kam für mich völlig überraschend“, sagt Julian Dorsch. Er habe seine Bewerbungsunterlagen ungefragt, also eher auf gut Glück, an den Wildpark-Chef geschickt. „Falls mal irgendwann Bedarf an einem neuen Mitarbeiter ist. Damit Herr Banisch weiß, was ich drauf habe.“ Dazu zählen beispielsweise zwei Berufsabschlüsse als Bürokaufmann und veterinärmedizinischer Fachangestellter. „Das ist so eine Art Krankenpfleger für Tiere“, sagt er. In diesem Job arbeitete er zuletzt in der Mückendorfer Tierarztpraxis. „Und da hat er nicht nur Pferde während der Behandlung am Fuß festgehalten“, sagt Frithjof Banisch scherzend und anerkennend zugleich. Der Alte weiß, was der Neue kann: Tiere betäuben und im Krankheitsfall grundbehandeln. „Und er weiß, was er will. Er guckt einem gerade ins Gesicht und bespricht jede anstehende berufliche Entscheidung mit seiner Partnerin“, sagt Banisch. Nach so einem potenziellen Nachfolger habe er gesucht. „Die Chemie zwischen uns stimmt.“

Bei so vielen Vorschusslorbeeren möchte Julian Dorsch unbedingt das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen. „Erst einmal habe ich mir einen groben Überblick verschafft und mich mit allen Mitarbeitern bekannt gemacht.“ Nun wolle er lernen, was im Hintergrund abläuft, damit Besucher ihren Aufenthalt im Wildpark unbeschwert genießen können. Das Wissen darum, wie das geht, hat Frithjof Banisch in rund 20 Jahren harter Arbeit angehäuft. „So einen riesigen Wissensvorsprung holt man nicht innerhalb weniger Monate auf“, sagt Julian Dorsch.

Große Unterschiede zu Berliner Tierpark

Eines hat er aber schnell gelernt. Artgerechte Haltung kostet richtig viel Geld. Beispielsweise wird der privat im Baruther Ortsteil Klasdorf betriebene Wildpark im Gegensatz zum Berliner Tierpark nicht jedes Jahr mit Millionen Euro aus der Hauptstadtkasse unterstützt. „Wir müssen mit dem Geld wirtschaften, das eingenommen wird. Auch dieser Herausforderung stelle ich mich.“

Aktuell hat der Wildpark mit der anhaltenden Trockenheit und der großen Waldbrandgefahr auf dem kieferreichen Areal zu kämpfen. Weil die eigenen, teilweise verbrannten Wiesen nicht mehr genug Futter für die Tiere abwerfen, kümmert sich Julian Dorsch um frisches Grünfutter von fremden Anbietern. Als Vorsorge gegen Waldbrände wurden Regeln für Wildpark-Besucher ausgewiesen. Beispielsweise ist Rauchen strikt verboten. „Wenn ein Besucher trotzdem uneinsichtig ist und bei dieser extremen Trockenheit raucht, dann muss man ihn nach Hause schicken“, sagt Frithjof Banisch: „Das musste ich erst am vorigen Montag wieder tun, um die Besucher und unsere Tiere zu schützen.“

Kolja, Kascha und Maruscha

Banischs ganzer Stolz sind die Sibirischen Uhus Kolja, Kascha und Maruscha, die von den Wildpark-Tierpflegern selbst aufgezogen wurden. „Das sind unsere absoluten Lieblinge.“ Aktuell fühlen sich rund 50 Tierarten in dem Wildpark heimisch. Darunter sind Auerochsen, Wildpferde, Bären, Wölfe, Luchse, Wildschweine, Eulen, Mäusebussard, Wüstenbussard und Turmfalke. „Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben wir es geschafft, dass die Bedingungen für die Tiere so gut wie möglich sind“, sagt Frithjof Banisch.

Nutznießer dieser artgerechten Fürsorge ist auch ein Nilgans-Pärchen, das seit drei Jahren im Wildpark nistet. „Zurzeit ziehen die Eltern sechs Junge auf“, freut sich der Park-Chef über den freiwillig eingeflogenen, sonst eigentlich in viel südlicher gelegenen Gefilden beheimateten Wildvogel-Zuwachs. „Der Ganter ist ein echter Kämpfer und hält unseren Inselteich von Kolkraben frei.“ Lange raubten die großen, schwarz gefiederten Singvögel die Gelege der auf der Teichinsel brütenden Graugänse aus. Bis sich der Nil-Ganter mit ihnen anlegte. „Nun haben die Graugänse wieder das Glück, Junge aufzuziehen“, sagt Banisch: „Dieses Jahr hat jede Gans mindestens ein Küken durchgebracht“, sagt Banisch.

Gemeinsam mit Julian Dorsch möchte er sich wenigstens noch einen Wunschtraum für den Wildpark erfüllen. „Es wäre schön, wenn es uns gelingt, zwei Tierarten in einer Anlage zu halten.“ Was Banisch vorschwebt, ist ein Teich mit einer Insel, wo sich Waschbären und Otter gemeinsam tummeln. Otter sind ganz verspielte, possierliche Tiere und deshalb sehr publikumswirksam. „Wenn die Otter mit Waschbären in Berührung kommen, dann ist immer was los. Das wäre eine tierisch unterhaltsame Begegnung, die Jung und Alt fasziniert.“

Wie so eine Anlage für Otter und Waschbären aussehen könnte, das weiß Banisch aus einer Studie, die mehr als 2000 Euro gekostet hat. „Und nun hoffe ich, dass wir diese Idee auch irgendwann in die Tat umsetzen können.“ Platz genug ist auf jeden Fall da. Das nötige Geld leider noch nicht.

Info: Mehr über den Wildpark auf www.wildpark-johannismuehle.de

Von Frank Pechhold

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg