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Teltow-Fläming Kemnitzerin beherbergt syrische Familie
Lokales Teltow-Fläming Kemnitzerin beherbergt syrische Familie
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11:25 03.06.2016
Cornelia Wimmer (2.v.r.) mit Nisreen Masoud, Samer Mobarek und den Kindern Yaman (l.) Abud (M.) , Kinan (r.) und Baby Naya. Quelle: Margrit Hahn
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Kemnitz

Die syrische Familie Mobarek kann ihr Glück kaum fassen. Sie muss nicht in Hennickendorf im Übergangswohnheim leben, sondern hat in Kemnitz in einem Bauernhaus Quartier bezogen. Zu verdanken haben das die Mobareks Cornelia Wimmer. Die Betriebswirtin hat das über 300 Jahre alte Bauernhaus vor zwei Jahren gekauft.

Als sie vor einigen Monaten eine Einladung ins Dorfgemeinschaftshaus nach Hennickendorf erhielt, freute sie sich, denn die Asylpolitik interessierte sie. Sie traf dort auf die schwangere Nisreen Masoud. Da beide gut englisch sprechen, kamen sie schnell ins Gespräch. „Mich hat es nicht mehr losgelassen. Ich habe an meine Schwangerschaft gedacht und mich gefragt, wie die Hochschwangere dort im Camp in Ruhe ihr Kind aufziehen will“, sagt Cornelia Wimmer. Sie wollte helfen und die Syrer in ihrem Bauernhaus wohnen lassen. Sie lud Nisreen Masoud, ihren Mann Samer Mobarek (48) und die drei Söhne Yaman (13), Abud (10) und Kinan (7). zum Kaffee ein. Danach stand fest: Sie muss helfen und kann nicht warten, bis Nisreen Masoud ihr Baby entbunden hat. Allerdings wollte sie auch keine falschen Hoffnungen wecken und besprach ihre Idee mit einer Freundin. Die fand den Vorschlag toll. „Ich habe überlegt, wie die Reaktionen im Dorf sein könnten, ob jemand ein Problem damit hat. Doch dann war mir das egal. Ich musste etwas unternehmen“, sagt die 55-Jährige.

Baby Naya ist das vierte Kind der Familie

Mitte März zog Familie Mobarek in das Bauernhaus in Kemnitz ein. Das Baby ist inzwischen auf der Welt. Naya ist anderthalb Monate alt und scheint die Strapazen der Geburt gut überstanden zu haben. Als die Familie aus Syrien flüchtete, wusste Nisreen Masoud noch nichts von der Schwangerschaft. Wenn sie erzählt, was ihnen seit ihrer Flucht aus Syrien alles widerfahren ist, hört es sich an, wie Szenen aus einem Kriegsfilm. „Der Krieg kam immer näher. Wir hatten wochenlang kein Wasser und keine Lebensmittel. Wir konnten die Kinder nicht mehr in die Schule schicken. Als der IS Blockaden errichtete und man meinen Mann nicht mehr nach Hause lassen wollte, entschieden wir uns in einer Nacht- und Nebelaktion unsere Heimat zu verlassen“, erzählt Nisree Masoud.

Im Garten haben die Jungs eigene Kräuterbeete angelehgt. Quelle: Margrit Hahn

Von Syrien aus ließen sie sich von Schleppern in Richtung Griechenland bringen. Doch ihr Boot wurde unterwegs von Schwarzmaskierten überfallen, die Männer wurden mit Messern attackiert und das Boot versenkt. Acht Stunden trieben sie im Wasser bevor sie aufgegriffen und zurück in die Türkei gebracht wurden. Eine Woche später versuchten sie es erneut und liefen über die Balkonroute. „Wir hatten große Angst“, sagt der dreizehnjährige Yaman. Das einzige, was ihnen aus der Heimat geblieben ist, sind wenige Fotos auf dem Handy, die zeigen, wie die Familie in der syrischen Hauptstadt Damaskus gelebt hat.

Warten sehnsüchtig auf ihre Ausweise

Momentan haben sie eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre, davon ist ein Jahr um. Sie warten auf ihre Ausweise (elektronische Aufenthaltstitel, Karte mit Chip), doch die syrischen Pässe werden noch auf Echtheit geprüft. Erst wenn die Prüfung abgeschlossen ist, wird die Bundesdruckerei beauftragt, die Ausweise zu drucken. In der Fiktionsbeschreibung, die sie haben, ist eine Wohnsitzauflage eingetragen. Das heißt, sie dürfen sich ohne den elektrischen Aufenthaltstitel nur innerhalb des Landkreises Teltow-Fläming bewegen. Nur wenn keine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bezogen werden, entfällt die Wohnsitzauflage. Das heißt, die Familie muss im Landkreis bleiben und kann nicht wie gewünscht nach Essen umziehen, wo Angehörigen wohnen. Der Umzug würde nur dann genehmigt, wenn ein Familienmitglied einen Arbeitsplatz in Essen nachweisen kann. „Ich verstehe nicht, warum dass mit den Papieren so lange dauert. Viele, die nach uns ins Camp nach Hennickendorf gekommen sind, haben ihre Ausweise längst bekommen“, sagt Nisree Masoud.

Das über 300 Jahre alte Haus in Kemnitz. Quelle: Margrit Hahn

Eigentlich sollten die Syrer nur solange im Haus in Kemnitz bleiben, bis das Baby da ist. Doch die Asylbewerber baten Cornelia Wimmer darum, länger in Kemnitz bleiben zu dürfen und so teilen sie sich das Wohnhaus noch immer. In der Woche bleibt Cornelia Wimmer meist in Berlin. Das Wochenende verbringen alle gemeinsam im Bauernhaus in Kemnitz.

„Wir würden bis zu den Sommerferien bleiben, damit die Kinder hier das Schuljahr beenden können und in den Ferien nach Essen fahren, um nach Arbeit und Wohnung zu schauen. Wir hoffen, dass wir bis dahin die Papiere haben“, hofft die 39-jährige Syrerin. Einerseits ist sie froh, dass es ihr und der Familie gut geht und sie in Kemnitz so gut aufgenommen wurden. Anderseits macht sie die Warterei auf die Papiere mit der Zeit etwas mürbe, weil sie nichts planen können. „Wenn man uns wenigstens sagen würde, wann wir mit den Papieren rechnen können. Die Ungewissheit ist nicht gut“, fügt die vierfache Mutter hinzu.

Von Margrit Hahn

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