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Kerzendorf im Wachstumsstreit

Baupolitik Kerzendorf im Wachstumsstreit

Ein Investor will eine auf einem Feld im Ludwigsfelder Ortsteil Kerzensdorf ein neues Wohngebiet errichten. Der Ortsbeirat ist allerdings skeptisch: Er will maximal 13 Häuser auf möglichst großen Grundstücken. Nur dann könnten sich die neuen Einwohner in das Dorfleben integrieren. Entscheidend ist jetzt das Votum der Ludwigsfelder Stadtverordneten

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Die Kerzendorfer Ortsvorsteherin Christiane Dunkel vor dem Stück Land, auf dem Zuzügler Häuser bauen könnten

Quelle: Foto: Ott

Kerzendorf. Selbst der Sackgassenort Kerzendorf könnte noch wachsen, so groß ist der Siedlungsdruck auf das Berliner Umland mittlerweile. Doch im Dorf will man das nicht um jeden Preis.

Gerade versucht die Stadtverwaltung Ludwigsfelde den Weg für ein Dutzend Häuslebauer auf mehreren 700 Quadratmeter großen Grundstücken zu ebnen. Dazu will sie in dem 200-Seelen-Ortsteil Baurecht prüfen lassen. Doch im Dorf gibt es Gegenwind. Ortsvorsteherin Christiane Dunkel erklärt den Bauausschussmitgliedern der Stadt unumwunden: „Wir wollen im Dorf wirklich nur Lücken schließen. Der Ortsbeirat ist dagegen, wenn dort mehr als 13 Grundstücke entstehen sollen.“

Bebauungsplan soll aufgestellt werden

Dort – das ist zurzeit ein Acker. Das rund einen Hektar große Gebiet zwischen Alter Straße und Wietstocker Weg gehört einem potenziellen Investor. Doch ob und wie es bebaut werden kann, die Entscheidungen dazu sollen jetzt mit einem Bebauungsplan-Aufstellungsbeschluss erst angeschoben werden. Das Feld zwischen Ortsrand, Wald, Kleingärten und einer Siloanlage mit Grube ist Eigentum eines regional anerkannten Unternehmers, der bisher noch kein Wohngebiet entwickelte und der seinen Namen noch nicht in der Öffentlichkeit wissen will. Es könne sich ja auch noch alles zerschlagen, sagt er im MAZ-Gespräch. Und erklärt: „Das ist jetzt ein allererster Verfahrensschritt. Schlimmstenfalls verkaufe ich das Gelände wieder.“ Er jedenfalls wolle dort „eine sinnvolle Entwicklung mit dem Ort und mit Frieden im Dorf“, so der Geschäftsmann.

Bürgermeister befürwortet große Grundstücke

Um den Frieden im Dorf ging es auch im Bauausschuss. Bürgermeister Andreas Igel (SPD) sagte, wegen der Kontroverse habe er sich die sehr emotional geführte Diskussion zur Ortsbeiratssitzung angehört. Und er will vermitteln: „So was wie in Gröben mit der Siedlung am See mitten im Naturschutzgebiet würde ich nie befürworten.“ Die Abrundung von Kerzendorf, die jetzt zur Diskussion steht, sei für den Ortsteil eine Grundsatzentscheidung, bei der die Stadtverordneten mit ihrem politischen Willen gefragt seien, so Igel. Für ihn sei wichtig, welches Bebauungsmaß zugelassen werde. „Auf 300 Quadratmeter große Grundstücke wird niemand ziehen, der sich ins dörfliche Leben integriert“, so Igel. „Bei ortsüblichen 1000 Quadratmetern ist das anders.“

Gelände wurde von BVVG ausgeschrieben

In Kerzendorf wird gemunkelt, die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) sei beim Verkauf der Grundstücke nicht korrekt vorgegangen. Die MAZ hat deswegen in der BVVG-Zentrale Berlin nachgefragt. „Der Verkauf dieser Grundstücke erfolgte 2010 nach einer öffentlichen Ausschreibung“, so Stabsstellenleiterin Constanze Fiedler. Sieben Bieter habe es für diese Fläche gegeben. „Sie ist an den Bieter mit dem besten Gebot verkauft worden“, sagte Constanze Fiedler.

Die BVVG schreibe frei werdende Landwirtschaftsflächen grundsätzlich nach den zwischen Bund und Ländern abgestimmten Privatisierungsgrundsätzen aus, erklärt sie. Für Interessenten gebe es festgesetzte Zeiträume, in denen sie ihr Gebot abgeben könnten; wie viel ihm die gebotene Fläche Wert sei, entscheide jeder selbst. „Der Höchstbieter erhält den Zuschlag“, so die Stabsstellenleiterin. Mit dem Verkauf zum Marktwert handle die BVVG nach geltendem Recht. „Damit wird sichergestellt, dass die BVVG die Verkaufspreise nicht subventioniert“, erläutert Constanze Fiedler.

Einwände werden gelassen gesehen

Sowohl der potenzielle Investor als auch Bürgermeister Igel sehen die Einwände der Kerzendorfer im Moment gelassen. Ihre Sicht auf den Streit ist klar: Erst mal muss mit dem geplanten Verfahren klar sein, was dort genehmigungsfähig ist und was nicht. Und Igel sagt: „Uns als Stadt ist es viel lieber, was Vernünftiges mit Leuten von vor Ort zu entwickeln als mit jemandem, der nur auf Gewinnmaximierung aus ist.“

Von Jutta Abromeit

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