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"Kinder lernen heute plantschen statt schwimmen"

DLRG-Chef von Ludwigsfelde im MAZ-Gespräch "Kinder lernen heute plantschen statt schwimmen"

Heute vor 100 Jahren wurde die DLRG gegründet. Patrick Müller, Geschäftsführer des Stadtverbandes Ludwigsfelde-Zossen, erzählt im Gespräch mit der MAZ von der Bedeutung des Vereins,wie sich die Arbeit verändert hat und wie er schwimmen gelernt hat.

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Ludwigsfelde. MAZ: Herr Müller, wie haben Sie sc hwimmen gelernt?
Patrick Müller: Ich bin in der DDR aufgewachsen, deshalb beim Sportunterricht in der Schule. Das gehörte zum Pflichtprogramm.

Das hat sich mittlerweile geändert, oder?
Müller: In Ludwigsfelde zum Glück nicht. In vielen anderen Orten wird der Schwimmunterricht aber nicht mehr angeboten. Wir bieten deshalb zweimal im Jahr Schwimmkurse für Kinder an. Die sind immer sofort ausgebucht. Die Anmeldungen kommen zum Teil aus Potsdam oder aus dem Süden Berlins. Auf jeweils 15 Plätze melden sich über 30 Bewerber. Die Eltern sind häufig verzweifelt, weil sie meist schon alles versucht haben und nicht mehr wissen, wo ihre Kinder überhaupt noch schwimmen lernen sollen.

Wie kommt das?
Müller: Es gibt einfach nicht mehr ausreichend Schwimmhallen. Sportbäder werden durch Spaßbäder ersetzt. Die Kinder lernen dort zu planschen, aber nicht zu schwimmen. Das macht uns natürlich die Arbeit schwerer, unsere Rettungsschwimmer müssen dann noch mehr aufpassen.

Wer nicht schwimmen kann, geht doch nicht ins Wasser, oder?
Müller: Das ist leider nicht so. Die Leute überschätzen sich häufig und gehen doch mal einen Schritt zu weit. Am schlimmsten ist es, wenn sie nicht richtig auf ihre Kinder aufpassen. Manche Eltern ziehen ihren Kindern einfach Schwimmflügel auf und verlassen dann den Nichtschwimmerbereich. So ein Schwimmflügel kann im Nu vom Arm rutschen. Das ist alles schon passiert. Und ein Kleinkind hat keine Ahnung, wie es sich im Wasser bewegen muss.

Heute vor genau 100 Jahren wurde die DLRG gegründet, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Seither hat sich viel geändert.
Müller: Das Aufgabengebiet und die Verantwortung haben sich erweitert. Unser Stadtverband ist neben der Wasserrettung beim Katastrophenschutz dabei, beim Sanitätsdienst und wir sichern Stadtfeste und Großveranstaltungen ab.

Sie waren 22 Jahre alt, als Sie 2004 in die DLRG eintraten. Nun sind Sie sogar Vorsitzender. Warum sind Sie damals den Schritt gegangen?
Müller: Ich war begeisterter Schwimmer und bin mit dem Verein beim Training in Berührung gekommen. Das waren viele nette Leute, man kommt schnell in Kontakt. Ich wollte Verantwortung übernehmen und hatte dort die Gelegenheit dazu.

Gab es ein Ereignis, das ihnen mal richtig an die Nieren ging?
Müller: Ein Unfall auf der Autobahn. Ein LKW hat einen Kleinwagen gerammt. Das Auto ging sofort in Flammen auf, die beiden Insassen sind verbrannt. Auf der Straße lagen ihre Stullenpakete verstreut. Einfach nur Stullen – die haben mich daran erinnert, dass da Menschen sind.

Was hat Ihnen besonders zu schaffen gemacht?
Müller: Man steht vor dem brennenden Auto und kann nichts machen. Man kann das Gelernte nicht anwenden und diese Menschen retten. Wir stürzen uns nicht einfach so in Flammen. Selbstschutz geht vor. Wir bilden schließlich keine Rettungs-Rambos aus.

Warum geben Sie sich das?
Müller: Weil ich etwas tun möchte. Wir kriegen kein Geld für unsere Arbeit, unsere gesamte Motivation nährt sich aus der Dankbarkeit der Bevölkerung. Als wir beim Hochwassereinsatz in Meißen waren, haben uns die Leute Essen gekocht und uns gefragt, ob sie unsere Kleidung waschen sollen. Das war alles sehr lieb.

Worauf freuen Sie sich heute bei der 100-Jahr-Feier besonders?
Müller: Auf ein Foto, man wird schließlich nicht jeden Tag Hundert. Wir helfen beim Aufbau im Schloss Charlottenburg. Vielleicht kriege ich ja einen Schnappschuss mit dem Bundespräsidenten.

Interview: Marion Schulz

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