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Kinder pflegen den Trachtentanz

Jüterbog Kinder pflegen den Trachtentanz

Das Fläming-Platt und der Trachtentanz sind zwei wichtige Markenzeichen des Flämings. Damit der Tanz in den rot-grünen Röcken nicht ganz in Vergessenheit gerät, gibt es seit zehn Jahren die Trachtentanz-AG im Hort der Scholl-Grundschule Jüterbog.

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Das Drehen der rot-grünen Trachtenröcke sieht leichter aus, als es ist. In der Trachtentanz-AG lernen die Kinder die alten Tänze des Flämings.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. Ihre Urgroßmütter würden sicher stolz sein: Mariella und Jette, Lucie, Melissa, Emily, Johanna, Celine, Alicia und Mona Lena lassen ihre Trachtenröcke fliegen wie zu fast vergessenen Zeiten, als die Tracht auf dem Tanzboden und bei Festen so üblich war wie das Amen in der Kirche. Zumindest dieses kleine Stückchen regionaler Geschichte der Vergessenheit zu entreißen, ist das Ziel der Arbeitsgemeinschaft Trachtentanz, die vor zehn Jahren auf Anregung des Heimatvereins Jüterboger Land im Hort der Geschwister-Scholl-Grundschule gegründet wurde.

Die Trachtenmädels beim Training

Die Trachtenmädels beim Training.

Quelle: Uwe Klemens

Anders als ihre Vorfahrinnen, deren Trachten aus mehrlagig gebundenem, dickem Stoff bestanden, der das Tragen und Tanzen zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machte, dürfen die Urenkelinnen heute in leichterer Robe über das Parkett schweben. Trotzdem dauert das korrekte Anlegen von Bluse, Rock, Schürze, Schultertuch und Haube noch immer eine gefühlte Ewigkeit. Daher dürfen die wöchentlichen Proben zumeist in Jeans oder Leggins absolviert werden – auch, damit die vor zehn Jahren mit EU-Fördergelder angeschafften und von Schülergeneration zu Schülergeneration weitergereichten Trachten geschont werden.

Aufwendiges Anlegen der Tracht vor Auftritten

„Das Anlegen vor unseren Auftritten dauert gut und gerne ein Stunde, bis alles sitzt, wie es sein muss, einschließlich von Haaren und Zopf“, erzählt Horterzieherin Manuela Thiel, die die Arbeitsgemeinschaft seit Anbeginn leitet. Ihre eigene Tracht stammt noch aus alten Tagen, ist aber nur geborgt.

Stolz ist Thiel auf den Eifer ihrer Trachtenmädels, die mit Hingabe die Schrittfolge der verschiedenen Tänze lernen, die zum Teil historisch, zum Teil modern gehalten sind. Ganz oben auf der Hitliste der historischen Tänze steht die Annemarie-Polka, die bei keiner Probe fehlen darf, auch wenn die Mädels deren Schritte schon lange nicht mehr üben müssen. Den Text kennen die Acht- bis Zehnjährigen längst auswendig.

Das Binden der Haube und Flechten der Zöpfe vor Auftritten kostet viel Zeit

Das Binden der Haube und Flechten der Zöpfe vor Auftritten kostet viel Zeit.

Quelle: Uwe Klemens

„Insgesamt könnten wir mehr Unterstützung gebrauchen“, sagt Manuela Thiel. Müssen die Trachten der Kinder gereinigt werden, bezahlt sie das ebenso wie die Fahrkosten zu Auftritten meist aus dem eigenen Portemonnaie. Ab und an gibt die Schule etwas dazu, was aber nicht die Kosten deckt. Elternbeiträge zu erheben für eine Hort-AG geht aber auch nicht.

Applaus ist der schönste Lohn

Der schönste Lohn aber, auch wenn er nicht die Ausgaben deckt, bleibt der Applaus des Publikums am Ende eines Auftrittes. „Gelegenheiten dazu gibt es reichlich, vor allem wenn das Wetter wieder besser wird und Feste im Freien gefeiert werden“, berichtet Manuala Thiel, „die Senioren sind dann das dankbarste Publikum. Ein Auftritt bei ihnen funktioniert eigentlich immer.“

„Wenn die Zuschauer mitklatschen, macht es am meisten Spaß“, weiß inzwischen auch die achtjährige Mona Lena, die, wie die meisten in der Gruppe, über Mund-Propaganda von der Trachten-AG erfuhr. Die gleichaltrige Melissa hat es sogar geschafft, dass ihre Oma die eigene Tracht aus der Truhe geholt hat und mir ihr ab und an tanzt.

Von Uwe Klemens

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