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Kinder sind immer von Gewalt betroffen

Teltow-Fläming Kinder sind immer von Gewalt betroffen

In jedem Klassenzimmer sitzen statistisch gesehen zwei Kinder, die zu Hause Gewalt erfahren haben. Auch wenn sie nicht unmittelbar körperlich betroffen sind, tragen sie doch seelische Verletzungen davon. Über die Folgen häuslicher Gewalt für Minderjährige berieten Fachleute bei der Fachtagung Kinderschutz in Luckenwalde.

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Bei Gewalt unter Erwachsenen tragen auch die Kinder Verletzungen davon.

Quelle: dpa

Luckenwalde. Bei der inzwischen siebten Kinderschutztagung des Kreis-Jugendamtes und des Netzwerks Kinderschutz ging es am Freitag mehr um die Frage der Gewalt unter Erwachsenen, also zwischen den Eltern oder zwischen den Elternteilen und ihren Lebenspartnern. Aber selbst wenn die Kinder nicht die unmittelbar Betroffenen seien, so verursache es bei ihnen zumindest schwere seelische Verletzungen, sagte die Kinderschutzbeauftragte des Kreises, Heike Becker-Heinrich. Sie hatte gemeinsam mit Jeannette Müller vom Jugendamt und anderen wieder die Tagung organisiert. Beide sind zudem aktiv im Netzwerk Kinderschutz, das vor zehn Jahren gegründet wurde. Dafür bedankte sich die stellvertretene Landrätin und Sozialdezernentin Kirsten Gurske (Linke) bei ihnen mit einem Blumenstrauß.

Etwa 120 Teilnehmer kamen zur siebten Fachtagung Kinderschutz ins Kreishaus nach Luckenwalde

Etwa 120 Teilnehmer kamen zur siebten Fachtagung Kinderschutz ins Kreishaus nach Luckenwalde.

Quelle: Hartmut F. Reck

Zu der Tagung waren 112 Teilnehmer von Ämtern, Trägern freier Jugendhilfe, Schulen, Kitas, Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen angemeldet. Es kamen aber einige mehr, denn das Thema beschäftigt alle, die irgendwie mit Kindern zu tun haben.

In zehn Jahren hervorragende Arbeit geleistet

„In Deutschland sind im Jahr eine Million Kinder von Gewalt betroffen“, sagte Kirsten Gurske, „das heißt, in jeden Klassenzimmer sind zwei Jungen oder Mädchen mit Gewalterfahrung.“ Im Landkreis gebe es mehr als 26 000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Es sei Aufgabe der Eltern, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Das gelinge zwar den meisten Familien, aber nicht allen, so die Sozialdezernentin. Dafür gebe es Hilfsangebote, so auch vom Netzwerk Kinderschutz, dem Gurske eine „hervorragende Arbeit in den vergangenen zehn Jahren“ attestierte.

Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, sprach bei der Kinderschutz-Fachtagung in Luckenwalde

Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, sprach bei der Kinderschutz-Fachtagung in Luckenwalde.

Quelle: Hartmut F. Reck

„Die Gewalt ist alltäglich, sie findet mitten in der Gesellschaft statt und das viel zu oft“, sagte Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes. Zeitgleich zu dieser Kinderschutzkonferenz beantrage das Land Brandenburg im Bundesrat, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen, berichtete sie unter dem Applaus der Anwesenden.

„Die Narben bleiben, auch wenn die Wunden verheilt sind“

Gewalt unter Erwachsenen, die die Kinder miterlebten, seien seelisch und körperlich für sie spürbar. Dies könne auch Ursache für aggressive und depressive Verhaltensweisen der Heranwachsenden sein. „Gewalt ist nicht gleich äußerlich zu erkennen, aber die Narben bleiben, auch wenn die Wunden verheilt sind“, so von der Lippe. Gewalt, so warnte sie, könne sich auch vererben und habe damit gleich eine doppelte Dimension.

Häusliche Gewalt: Die Zahlen steigen

4291 Fälle häuslicher Gewalt hat die Polizei 2016 im Land Brandenburg erfasst. 2015 waren es 4069. Steigerung: 5,5 Prozent.

246 Fälle waren es 2016 im Landkreis Teltow-Fläming gegenüber 204 Fällen im Jahr 2015. Steigerung: 20,6 Prozent.

2518 Einsätze musste die Polizei 2016 im Land fahren, um bei Straftaten häuslicher Gewalt zu intervenieren. 2015 waren es mit 1892 Einsätzen 626 weniger.

203 Einsätze waren es 2016 im Landkreis Teltow-Fläming, 2015 waren es mit 134 Einsätzen 69 weniger.

Drei von vier Opfern häuslicher Gewalt seien Frauen, berichtete sie. Aber auch 670 Kinder und Jugendliche seien im vergangenen Jahr in Brandenburg zu den Opfern zu zählen. Die Dunkelziffer liege aber höher. 542 Frauen und 591 Kinder hätten 2016 Zuflucht in den landesweit 23 Frauenhäusern gefunden, so Monika von der Lippe weiter. Rund jeweils 50 von ihnen in den beiden Frauenhäusern in Ludwigsfelde und Luckenwalde.

Von Hartmut F. Reck

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