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Jugendfeier Kindheit adé

Das Frühjahr ist traditionell die Zeit der Jugendfeiern – und das wird sich auch so bald nicht ändern. Die Teilnahmezahlen bei Konfirmationen und Jugendfeiern sind stabil. Eine Baustelle sieht Axel Krause, Geschäftsführer der Humanisten in Brandenburg/Belzig, allerdings im ländlichen Raum. Dort fehle vermehrt das Interesse an Jugendfeiern, sagt er.

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Bei Jugendfeiern erhalten die Teilnehmer traditionell Bücher und Blumen.

Quelle: Jugendweihe Berlin/Brandenburg e.V.

Dahmeland-Fläming. Krawatte umbinden, Blume bekommen, Hände schütteln – und dann Kindheit adé? Wenn es mal so einfach wäre. Wie genau man als Pubertierender am elegantesten ins Erwachsenenalter gleitet, kann auch Janina Hähnel nicht sagen, weil es darauf keine einfache Antwort gibt. Aber sie versucht in diesem Jahr einfach mal etwas Neues – sie will den Heranwachsenden in Luckenwalde, Jüterbog, Trebbin und Dahme mit einem psychologischen Kniff den Schritt heraus aus der Kindheit erleichtern. Bei den Awo-Jugendfeiern Anfang Mai werden Körbe aufgestellt, in die die 14-Jährigen altes Spielzeug werfen können, das sie in den Diskotheken, Facebook-Gruppen und Knutsch-Ecken dieser Welt künftig nicht mehr brauchen. „Mindestens die Hälfte der Jugendlichen haben schon gesagt, dass sie das auch in Anspruch nehmen werden“, sagt Janina Hähnel. Kindheit wegwerfen – womöglich ist es das, was man in diesem Alter am liebsten will.

Das Frühjahr ist die Zeit der Jugendfeiern und Konfirmationen, das war schon immer so und daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Auch die Teilnehmerzahlen bleiben seit Jahren relativ stabil – soweit man das überhaupt feststellen kann. Die Konfirmanden-Daten werden nicht zentral gesammelt, und die Jugendfeiern werden von mehreren Anbietern organisiert oder ganz privat abgehalten. Die größten Anbieter sind derzeit die Awo, die den Süden von Teltow-Fläming abdeckt, und die Humanisten, die im Altkreis Zossen und im Altkreis Königs Wusterhausen Feierstunden abhalten. An diesen nicht-konfessionellen Festveranstaltungen werden in diesem Jahr insgesamt zwischen 800 und 1000 Jugendliche teilnehmen. Konfirmanden werden es deutlich weniger sein.

Die evangelische Kirche geht davon aus, dass sich brandenburgweit jährlich etwa 2500 Jugendliche konfirmieren lassen. Die hochgerechnete Zahl ist in den vergangenen Jahren sogar leicht angestiegen – im Gegensatz zum Bundestrend – was allerdings weniger an der Überzeugungsarbeit der Landeskirche liegen dürfte, als daran, dass das religiös eher ausgemergelte Brandenburg Zuzugsgebiet für christlich sozialisierte Mitbürger aus dem Westen ist.

Das bestätigt auch der Zossener Pfarrer Sandro Vogler, der sich seit drei Jahren um die Konfirmanden in den Kirchengemeinden Zossen und Wünsdorf kümmert. Es gebe in seinem Unterricht starke Jahrgänge und weniger starke, sagt er. Das habe viele Gründe: Die Geburtenzahlen gehören dazu, das Drängen der Eltern, die Überzeugungskraft der Pfarrer. Aber dass ein junger Mensch aus einem konfessionslosen Haushalt unvermittelt im Konfirmanden-Unterricht vorbeischaut, das habe er noch nicht erlebt. „Wir wären offen dafür, aber es passiert praktisch nicht“, sagt Vogler. Denn eine wichtige Rolle für die Entscheidung der Jugendlichen spiele das Elternhaus. „Manche gehen nur zum Konfirmandenunterricht, weil Eltern das wünschen. Sie entdecken dann erst später ihren eigenen Zugang zum Thema.“ Entsprechend sei es bei Konfessionslosen mitunter ein Hindernis, wenn die Eltern das an Religion interessierte Kind entgeistert anschauen und fragen: Willst du das wirklich machen?

Die Jugendfeier ist den Brandenburgern da deutlich näher. Sie wird in der Region ab 1993 vor allem von den Humanisten und der Awo ausgerichtet, quasi als Nachfolger der DDR-Jugendweihe, was man in beiden Verbänden allerdings nicht so gerne hört. Es gibt schließlich gravierende Unterschiede. Während die DDR ihre Jugend tatsächlich geweiht und damit politisch auf Linie gebracht hat, sind die heutigen Feiern ganz auf die Lebensumstände der Jugendlichen ausgerichtet. In Rangsdorf haben die Humanisten schon mal die Kanu-Olympiasiegerin Birgit Fischer zu den Heranwachsenden sprechen lassen, der Kreisverband der Humanisten in Königs Wusterhausen setzt auf ein bewährtes Programm aus Kunst, Tanz und Theater. Bei der Awo durchlaufen die Jugendlichen eine halbjährige Vorbereitung auf den Ernst des Lebens, sie gehen in Betriebe, sprechen über den Umgang mit Facebook, Alkohol und Verhütungsmitteln, man fährt gemeinsam in die Gedenkstätte nach Sachsenhausen, ein Selbstverteidigungskurs für Mädchen wird auch angeboten. Das Gesamtpaket Jugendfeier ist bunt und attraktiv, die Organisatoren mühen sich, der Lebenswirklichkeit von Heranwachsenden zu begegnen.

Gewürdigt wird aber auch das nicht mehr von allen. „In den Gymnasien im Speckgürtel nehmen zwischen 80 und 90 Prozent der Schüler an der Jugendfeier teil. Im ländlichen Raum sind die Quoten viel geringer“, sagt Axel Krause, Geschäftsführer des Humanistischen Regionalverbandes Brandenburg/Belzig. Das liege zum einen am Geldmangel, zum anderen aber auch an fehlendem Interesse. Krause nennt es „erschreckend, dass es im ländlichen Raum ein Klientel gibt, das sich politisch immer mehr entfernt. Wir versuchen gegenzusteuern, etwa mit außerschulischer Bildung, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“ Ganz so dramatisch sieht es Janina Hähnel, die die Awo-Jugendfeiern im ländlichen Raum organisiert, nicht. „Wir registrieren ein großes Interesse, sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern.“ Bei denen, die sich gegen Jugendfeiern entscheiden, sei häufig das Geld der Grund. Denn ganz billig ist eine solche Feier schließlich nicht. Teilnahmegebühr und Eintrittskarten können zusammen schon weit über 100 Euro kosten, und dann kommen noch die Geschenke dazu.

Von Oliver Fischer

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