Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 10 ° Gewitter

Navigation:
Kite-Surfer stören Gänse im Schutzgebiet

Umweltschützer kritisieren Sportler Kite-Surfer stören Gänse im Schutzgebiet

Für Kite-Surfer ist der Herbst die beste Jahreszeit. Der Wind bläst und treibt die Sportler bei ihren Sprüngen in ungeahnte Höhen. Doch Naturschützer sehen die Begeisterung kritisch. Die Surfer stören die Vögel in den Schutzgebieten.

Voriger Artikel
Viervierteltakt verbindet
Nächster Artikel
SPD und CDU küren Kandidaten

Die Köpfe nach oben: Besucher der Wanderung am Rangsdorfer See beobachteten den Anflug der Graugänse und folgten aufmerksam den Erklärungen von Bernd Ludwig (2.v.l.).

Quelle: Andreas von Fournier

Rangsdorf. Des einen Freud ist des anderen Leid. Während Kite-Surfer auf dem Rangsdorfer See bei strahlender Sonne und kräftigem Wind begeistert tollkühne Sprünge und blitzschnelle Wendungen vollführen, zeigen sich Bernd Ludwig und Sabine Zimmermann besorgt über diese sportlichen Aktivitäten. Beide boten kürzlich für den Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg eine der zwei jährlichen Gänsewanderungen am See an und mussten erleben, wie Kiter ihrem Hobby frönten. Und das trotz eines Verbots, das seit diesem Jahr gilt. Schilder künden davon. „Aber kaum jemand hält sich daran und es wird von Amts wegen nicht ausreichend kontrolliert“, moniert Ludwig, der von vielen auch als Rangsdorfer Storchenvater bezeichnet wird. Seine Erfahrung: Die Surfer stören die Vögel im Schutzgebiet erheblich.

Mit einer Gruppe Naturfreunde machte sich Ludwig kürzlich auf den Weg zur Plattform vor der Seeschule, wo man den Einflug der Gänse am besten beobachten kann. Um die Mittagszeit, so der Vogelexperte, kommen sie täglich vom Fressen auf den Feldern von Berlin bis Rotberg, baden und saufen dann. Unterwegs gab es für die Gruppe viele Stopps und Bernd Ludwig, einst Biologielehrer und seit 1969 Kenner und aktiver Beschützer der Fauna und Flora des Rangsdorfer Sees, erklärte Allgemeines und Wissenswertes und brachte so manche spezielle Geschichte zu Gehör.

Die Wandergruppe lauschte gespannt. „Es ist faszinierend, dass jemand so genau über die Tiere und ihr Zusammenleben hier Bescheid weiß“, so das Lob einer Besucherin. Ludwig sprach zudem von den Anfängen des Naturschutzes am See, von Verfehlungen der sowjetischen Soldaten, deren Kaserne an das Biotop grenzte. Schon zu DDR-Zeiten habe es aber erste Schutzmaßnahmen gegeben.

Ludwig ging aber auch auf eine falsche Fischereipolitik, das große Fischsterben 2010 mit seiner klärenden Wirkung ein. Die Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichts werde derzeit durch das erneute Einsetzen von Karpfen wieder gestört, heißt es. Bernd Ludwig musste viele Fragen von Besuchern beantworten. Viele interessierte, wie viele Gänse der Naturfreund rund um den Rangsdorfer See vermutet. Er erklärte, dass er meist eine kleine Gruppe zähle und deren Gruppengröße dann auf die anderen übertrage. Wie aufs Stichwort erschienen die ersten 14 Graugänse am Himmel. Alle Köpfe, viele Ferngläser und Fotoapparate hoben sich und Ludwig konnte sogleich seine Zählweise erläutern.

Am Wochenende hat Rangsdorfs engagierter Naturschützer noch 2000 Exemplare Graugänse gezählt. Die Tiere, die aus Ostdeutschland, aus Polen und Tschechien kommen, ziehen zurzeit weiter an die Ost- und Nordsee und zum Niederrhein, wo es wärmer ist. 5000 Tundra-Saatgänse und Blessgänse, die aus Sibirien zu uns kommen, zählte Ludwig am Tag zuvor. Auch sie ziehen demnächst weiter an den Niederrhein und in die Niederlande.

Die Rangsdorfer Wandergruppe war jedenfalls froh, noch so viele Gänse in sehen zu können.

Von Andrea von Fournier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg