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Klärschlamm muss ins Kraftwerk

Kostensteigerung für Abwasserverband Klärschlamm muss ins Kraftwerk

Jedes Jahr muss das Becken vom Klärschlamm befreit werden. Doch diesmal wird er nicht als Dünger auf den Acker gebracht.Wegen der Überschreitung des Quecksilber-Grenzwertes muss der Wasser- und Abwasserverband Hohenseefeld das Verbrennen bezahlen.

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Frank Reuschel, David Kaluza und Carmen Straach (v.l) am Klärschlammbecken. Das soll nächste Woche völlig leer sein.

Quelle: Gertraud Behrendt

Hohenseefeld. Eine Premiere läuft gerade im Klärwerk Hohenseefeld. Für den Laien ist sie nicht gleich offensichtlich. Er sieht nur ein großes Fahrzeug neben dem Klärschlamm-Becken, dahinter Container, in einen rieselt eine schwarze Masse, und die vielen Rohre, an deren Enden sich nichts bewegt. Nur ein Schlauch saugt den Klärschlamm auf und befördert ihn in einen Lkw. Der gehört der Mobilen Schlammentwässerung und Entsorgungsgesellschaft (MSE). Das Unternehmen war das preisgünstigste von drei Anbietern derartiger Leistungen. Deren Maschinenführer Uwe Grünert schätzt, dass er noch bis nächste Woche zu tun hat.

Klärschlammreste kommen auf einen Lkw

Klärschlammreste kommen auf einen Lkw.

Quelle: Gertraud Behrendt

Dann soll das Klärschlammbecken leer sein. „Einmal im Jahr wird es entleert. Die Kläranlage ist so bemessen, dass die Aufnahmekapazität für ein Jahr reicht“, sagt Carmen Straach. Die Verbandsvorsteherin im Wasser- und Abwasserzweckverband Hohenseefeld (WAZV) erläutert das Neue: „Seit Januar gelten auch für Klärschlamm die Grenzwerte der Düngemittel-Verordnung. Das bedeutet, dass der Klärschlamm nicht mehr als Dünger ausgebracht werden darf, weil der Grenzwert für Quecksilber nicht eingehalten wird.“ Ein Milligramm pro Kilogramm Trockensubstanz dürfe maximal enthalten sein. „Wir sind bei 2,27 Milligramm“, sagt sie.

Deshalb ist der Schlamm nicht mehr als Dünger verwendbar und muss verbrannt werden. Das geht aber nur, wenn er vorher entwässert wird. Bei der Verbrennung dürfen bis zu zehn Milligramm Quecksilber je Kilo enthalten sein. „Wir zahlen die Menge, die entwässert und als getrockneter Schlamm im Kohlekraftwerk verbrannt wird“, sagt Carmen Straach.

Kapazität erhöht

Das Klärwerk Hohenseefeld ist 1991 erbaut worden.

2005 ist die Kapazität von 4000 Einleitern auf 4200 erhöht worden.

76 Prozent der Einwohner im Verbandsgebiet sind an das zentrale Abwassernetz angeschlossen.

Basis der Klärschlamm-Verordnung ist der Koalitionsvertrag der Landesregierung, in dem steht: „Wir werden die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken beenden und Phosphor und andere Nährstoffe zurückgewinnen.“

Das Problem dabei ist, dass noch keine Erfahrungswerte vorliegen. Auch über die genaue Größe des Beckens gibt es keine Unterlagen mehr. Es entstand 1991 mit dem Bau der Kläranlage. Geschätzt wird die Beckengröße auf ein Fassungsvermögen von 2200 Kubikmetern. Veranschlagt wurden zunächst 45 000 Euro für das Leeren des Beckens und das Verbrennen des Schlamms. „Das sind natürlich höhere Kosten als bei der Abnahme des Schlamms für die Landwirtschaft“, sagt die Verbandsvorsteherin.

Bis zum 21. Oktober wird die neue Gebührenkalkulation vorliegen. Am Abend soll sie beschlossen werden. Ob die Gebühren steigen, weiß noch niemand. „Wir sind froh, dass wir sie seit 2009 konstant halten. Gelungen ist das durch sinnvolle Investitionen“, sagt David Kaluza. Der parteilose Bürgermeister der Gemeinde Niederer Fläming ist Vorsitzender der Verbandsversammlung im WAZV und quasi Chef von Carmen Straach. Sinnvoll sei beispielsweise die Erneuerung der Belüfter im Belebungsbecken gewesen. Jetzt müssen nur noch halb so viele Kilowattstunden bezahlt werden. Damit dies möglichst so bleibt, sind 2017 wieder neue Belüfter anzuschaffen.

Am Dienstag war Kaluza im Klärwerk. „Ich wollte mal im Praktischen sehen, was wir vorher beschlossen haben“, sagte er und ließ sich von Frank Reuschel alles erklären. Er ist die gute Seele vor Ort, ist aber beim Wasserverband Lausitz Betriebsführungs GmbH (WAL) Senftenberg angestellt. Seine Gesellschaft arbeitet seit einigen Jahren für den WAZV.

Von Gertraud Behrendt

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