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Klausdorf ist alarmiert

Schweinemast am Mellensee geplant Klausdorf ist alarmiert

"Keine Schweinemast in Klausdorf" - so lautet die Überschrift eines offenen Briefes mit mehr als 250 Unterschriften, den eine Bürgerinitiative am Mittwochabend dem Bürgermeister der Gemeinde Am Mellensee übergab. Während der Gemeindevertretersitzung waren alle Besucherstühle besetzt.

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Ehemalige Rinderställe im Wald bei Klausdorf sollen zu einer Mastanlage für 5000 Schweine umgebaut werden.

Quelle: MAZ

Klausdorf. Obwohl der Investor noch keinen Antrag auf Genehmigung gestellt hat, sind die Leute alarmiert. Auf der Internetseite des Zosseners Carsten Preuß vom Umweltverband BUND steht, was auf die Klausdorfer zukommen könnte.

Demnach plant die Saalower Mast GmbH, die ehemaligen Rinderställe in Klausdorf in eine Mastanlage für 5000 Schweine umzubauen. Vorgesehen seien die Umnutzung zweier Ställe und der Neubau eines Stalls und eines großen Güllebehälters. Der Standort in Verlängerung der Baruther Straße in Klausdorf liegt 900 Meter vom Mellensee und 610 Meter von den nächsten Wohnhäusern entfernt.

Der Klausdorfer Ortsvorsteher Bernd Kosensky beantragte eine Diskussion der Gemeindevertreter zu diesem Thema, das eigentlich nicht auf der Tagesordnung stand. Laut Bürgermeister Frank Broshog (parteilos) gab es am 10.Juli einen Behördentermin, wobei dem Vorhabenträger vermittelt wurde, welche Unterlagen und zusätzlichen Gutachten für die Antragstellung notwendig sind. "Da bisher kein Antrag vorliegt, gibt es auch noch keine Unterlagen für das Beteiligungsverfahren der Gemeinde. Bei dem Scopingtermin haben wir darauf hingewiesen, dass die Baruther Straße nicht als Zufahrt für eine eventuelle Schweinemastanlage nutzbar ist", so Broshog.

Professor Jochen Oehler aus Mellensee verlas den offenen Brief der Bürgerinitiative. Darin werden die Gemeindevertreter aufgefordert, eine weitere industrielle Massentierhaltung in der Gemeinde Am Mellensee zu verhindern. Die Saalower Mast GmbH betreibt bereits eine Schweinemastanlage im Ortsteil Saalow. Das Vorhaben des Investors stehe den Entwicklungszielen der Gemeinde, vor allem der Förderung des sanften Tourismus, entgegen. "Schützen Sie unser Grundwasser, insbesondere die oberirdischen und die unterirdischen Quellgebiete und Zuflüsse des Mellensees in unmittelbarer Nähe der geplanten Mastanlage. Tragen Sie dafür Sorge, dass die Lebensqualität und unsere Grundrechte auf Unversehrtheit bewahrt werden", appellierte Oehler an die Abgeordneten.

Marianne Frey aus Saalow schlug vor, dass ein paar Leute aus der BI gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung eine Stellungnahme ans Landesumweltamt mit Untersuchungsanforderungen und -bedingungen formulieren. Bürgermeister Broshog will dies prüfen.

Der promovierte Klausdorfer Allgemeinmediziner Gerd Buchsteiner riet, auf ein Keimverbreitungsgutachten zu drängen, denn: "Die Universität Utrecht hat bei einer Studie im Umfeld einer Massentierhaltung eine signifikant höhere Zahl von Lungenerkrankungen festgestellt."

Die Bürger befürchten außerdem Lärm durch an- und abfahrende Lkw, den Verlust von Arbeitsplätzen im Hotel- und Gaststättengewerbe infolge Geruchsbelästigung, die Gefahren fürs Grundwasser und für Naturschutzgebiete.

Nicht alle Gemeindevertreter sahen sich in der Lage, eine Willensäußerung abzugeben. "Man muss auch das Unternehmen anhören, um sich eine Meinung zu bilden", meinte Hans-Jürgen Thiemes (SPD). Thomas Schulz (parteilos) befand dagegen: "Auch wenn ich die Unterlagen nicht kenne, kann ich schon sagen, dass ich gegen industrielle Mast bin." Lutz Lehmann (CDU): "Man muss die Fakten auf dem Tisch haben. Aber ich unterstütze den Gedanken von Frau Frey, dass wir uns als Gemeinde schriftlich ans Landesumweltamt wenden und dort unsere Forderungen aufmachen."

Nach MAZ-Recherchen beim Landesumweltamt bedeutet der Scopingtermin vom Juli noch nicht den Start des Genehmigungsverfahrens. Das beginne erst mit dem Antrag des Investors. Thomas Frey vom Landesumweltamt: "Die unbedingte Pflicht zur Beteiligung der Öffentlichkeit im Genehmigungsverfahren besteht für Anlagen ab 2000 Mastschweinen. Die zwingende Pflicht einer Umweltverträglichkeitsprüfung beginnt bei Anlagen ab 3000 Mastschweinen."

Von Gudrun Schneck

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