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Klenk-Beschäftigte streiken für Tarifabschluss

Arbeitskampf Klenk-Beschäftigte streiken für Tarifabschluss

Seit Mittwochmorgen um 5 Uhr streiken die Beschäftigten des Sägewerks Klenk in Baruth. Die Beschäftigten fordern die Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen bei Klenk, die Einführung eines Entgelttarifvertrags und den Abschluss des Manteltarifvertrags. Der Klenk-Vorstand in Oberrat hat kein Verständnis für den Streik.

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Die Versorgung der streikenden Klenk-Sägewerker klappt.

Quelle: Andreas Staindl

Baruth. Das Klenk-Sägewerk in Baruth wird bestreikt. Seit Mittwochmorgen um 5 Uhr läuft die Produktion nur noch eingeschränkt. Holztransporter stauen sich vor dem Werksgelände. Die IG Metall hat zum 48-Stunden-Streik aufgerufen. Damit sollen die Forderungen der Mitglieder durchgesetzt werden: Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen, Einführung eines Entgelttarifvertrags und Abschluss des Manteltarifvertrags.

„Die Beschäftigten sind sauer“, sagt Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, „das hat die Urabstimmung gezeigt.“ 91,33 Prozent der Mitglieder bei Klenk hatten sich laut dem Betriebsratsvorsitzenden Oliver Wenske in der vergangenen Woche daran beteiligt: „88,66 Prozent haben für den Streik gestimmt.“ Wie viele sich schließlich beteiligen, kann er nicht genau sagen. Er darf schlichtweg nicht in den Betrieb, um die dort arbeitenden Leute zu zählen. „Wir sind zur Kontrolle verpflichtet, können es aber nicht“, sagt Ralf Grundmann. „Unsere Chips wurden blockiert, das Zugangsrecht wurde uns vom Arbeitgeber verwehrt. Wir haben quasi Hausverbot. Alle Streikenden müssen draußen bleiben.“

Hintergrund

Die Klenk Holz AG ist ein im Jahr 1904 gegründetes Unternehmen der Holzindustrie. Sitz der Klenk Holz AG ist Oberrot im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg.

Die Klenk-Gruppe zählt zu den führenden Säge-und Holzbearbeitungsunternehmen in Europa.

Der Jahreseinschnitt beträgt etwa zwei Millionen Festmeter. 30 Prozent der erzeugten Produkte gehen in den Export.


In der Konzernzentrale in Oberrot arbeiten etwa 580 Mitarbeiter, am Standort Baruth sind es etwa 320.


Klenk hatte 1996 die Arbor Holz in Baruth übernommen. Die Klenk Holz AG wiederum wurde 2013 von einem privaten Finanzinvestor aus den USA übernommen.

Das Betriebsratsmitglied weiß zudem von Streikbrechern, von Leiharbeitern und von Sägewerkern aus der Konzernzentrale in Oberrot in Baden-Württemberg, die die Produktion am Laufen halten sollen. Oliver Wenske geht davon aus, dass das ebenso wenig erfolgreich sein wird wie während früherer Streiks: „Da wurde viel für die Tonne produziert.“ Seiner Einschätzung nach stehen mehrere Bereiche im Sägewerk komplett still Andere laufen auf Sparflamme. Die Fahrer der Holztransporter wissen davon. „Wir haben sie informiert“, sagt Anton Gorisek von der IG Metall. „Die meisten von ihnen haben Verständnis für die Situation und haben positiv reagiert.“

Rückstau wegen Streik

Während der Gespräche kam es gleich zu Beginn des Streiks zu einem Rückstau bis in den Kreisverkehr am Rande des Gewerbegebiets, wie Oliver Wenske erzählt: „Deshalb war die Polizei vor Ort.“ Wenig später war Anton Gorisek zufolge das Industriegebiet zum zweiten Mal dicht. Die Verhandlungen zwischen der IG Metall und dem Sägewerk ziehen sich schon eineinhalb Jahre hin. „Die Geschäftsführung von Klenk verzögert den Tarifabschluss“, sagt Olivier Höbel. „Und das trotz zweier Warnstreiks und mehrfacher Verhandlungen.“

Der Arbeitskampf zerrt offenbar an den Nerven. „Beschäftigte werden von der Betriebsführung massiv unter Druck gesetzt und psychisch kaputt gemacht“, erzählt Ralf Grundmann. „Die Mitarbeiter werden regelrecht erpresst. Wir haben die Lügen satt, wollen nicht mehr hören, dass für uns in Baruth kein Geld da ist. Die Umstrukturierung in Oberrot haben wir finanziert. Wir wollen nicht mehr, dass unser Geld dorthin fließt. Ohne das Werk in Baruth wäre Klenk längst tot“, so Gundermann weiter. Und doch verdienen die Sägewerker im Urstromtal drei bis vier Euro pro Stunde weniger als ihre Kollegen im Westen, wie Olivier Höbel sagt. Zudem würden sie weder Weihnachtsgeld noch Urlaubsgeld erhalten, müssten außerdem länger arbeiten.

Die Konzernzentrale „zieht richtig Geld aus Baruth ab“, sagt Oliver Wenske. „Deshalb bleiben wir bei unseren Forderungen“, erklärt Anton Gorisek. „Der Arbeitskampf soll helfen, dass sich der Arbeitgeber bewegt.“

Vorstand hat kein Verständnis

Der Vorstand der Klenk Holz AG in Oberrot hat kein Verständnis für den erneuten Streik der IG Metall, nachdem die jüngsten Lohnerhöhungen bei Klenk deutlich über den Erhöhungen der IG Metall für den Tarifbezirk Brandenburg liegen. „Die Situation ist absurd. Dass der Vorstand Lohnerhöhungen nun bereits zum zweiten Mal gegen die Gewerkschaften und den Betriebsrat durchsetzt, ist eigentlich nicht vorgesehen“, teilt der Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Adams mit. „Auch in Zukunft werden wir die Löhne und Gehälter im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten anpassen. Die Zusagen für 2016 und 2017 sprechen für sich.“

Für den heutigen Donnerstagnachmittag um 14.30 Uhr werden Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben zu einer Kundgebung bei den streikenden Sägewerkern bei Klenk in Baruth erwartet.

Von Andreas Staindl

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