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Teltow-Fläming „Kommen die Wölfe noch mal, höre ich auf“
Lokales Teltow-Fläming „Kommen die Wölfe noch mal, höre ich auf“
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00:21 26.01.2018
Schäfer Dirk Hoffmann auf einer Weide zwischen Saalow und Gadsdorf. Hier hatte der Wolf im Frühsommer ein Mutterschaf und vier Lämmer gerissen. Quelle: Frank Pechhold
Trebbin

Wolfsrisse führen Brandenburger Bauern immer häufiger an den Rand ihrer Existenz. In Potsdam-Mittelmark gibt ein Rinderzüchter nach 25 Jahren die Weidetierhaltung auf, nachdem Wölfe zum wiederholten Mal eine Mutterkuhherde angegriffen hatten.

Auch Schäfer Dirk Hoffmann aus Märkisch Wilmersdorf bei Trebbin hat bereits resigniert. Mehr als 90 seiner Tiere hat er in den vergangenen Monaten durch Wolfsrisse verloren. Das ist ein Sechstel seiner Herde. In drei Monaten im Sommer griffen Wölfe seine Herde an und rissen bis zu 30 Tiere in einer Nacht. „Kommen sie in diesem Jahr noch mal, höre ich auf“, sagt Hoffmann. Er ist 63 Jahre alt, wird in diesem Jahr 64 und hat damit ein Alter erreicht, in dem man sich zu Ruhe setzen kann. Für jüngere Kollegen allerdings sieht er schwarz. „Wer darauf angewiesen ist, weiterzumachen, der hat ein großes Problem“, sagt Hoffmann.

Nicht alle Fälle werden gemeldet

Ein Problem, das viele Landwirte in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald kennen. Insgesamt 125 gemeldete Fälle von Wolfsrissen weist die Statistik des Landesamtes für Umwelt für das vergangene Jahr in Brandenburg auf. In 17 Fällen waren Tiere in Teltow-Fläming, in zehn Fällen in Dahme-Spreewald die Opfer. Zwischen einem und 33 Tieren wurden dabei jeweils in den beiden Landkreisen von Wölfen gerissen – oder das Landesamt für Umwelt konnte einen Wolfsriss nicht ausschließen. Allerdings reicht die Statistik nur bis zum 15. November des Jahres. Die Dunkelziffer könnte weitaus höher liegen, da längst nicht alle Fälle gemeldet werden.

Wölfe hatten im Sommer bei Gadsdorf innerhalb einer Nacht 30 Schafe und Lämmer gerissen. Quelle: Frank Pechhold

Allerdings unterscheidet sich die Zahl der Problemfälle auch innerhalb der Landkreise deutlich. So ist der nördliche Teil von LDS bei weitem nicht so stark von den Wolfsangriffen betroffen wie der südliche Teil im Spreewald, bestätigt eine Kreissprecherin des Bauernverbandes Südbrandenburg. Auch in Teltow-Fläming habe sich die Situation in den letzten Monaten etwas beruhigt, sagte eine Kreissprecherin des Verbandes in Teltow-Fläming.

Wölfe sprangen über Elektrozäune einfach drüber

Schäfer Dirk Hoffmann wird das egal sein. Er hat vergeblich versucht seine Schafe vor den Wölfen zu schützen – mit mobilen Elektrozäunen. Genützt hat es nichts, vermutlich sprangen die Wölfe einfach darüber. Besser wären höhere Festzäune gewesen. Die allerdings sind für den Schäfer kaum praktikabel. Zum einen ist er auf Fremdflächen angewiesen, auf denen er seine Schafe weiden lässt und auf denen er keine festen Zäune installieren könnte. Zum anderen könnte er sich einen festen Zaun, der alle seine Tiere schützt, kaum leisten.

Der Schutz der Weidetiere ist aber eine der Grundvoraussetzungen, damit die bald in Kraft tretende Wolfsverordnung des Landwirtschaftsministeriums greifen kann. Das Regelwerk ist der Versuch, die immer größer werdenden Probleme mit den unter Artenschutz stehenden Wölfen im Land einzudämmen. Die Verordnung regelt, dass problematische Wölfe vergrämt oder gar getötet werden dürfen, und unter welchen Umständen das zu geschehen hat.

Ausreichender Schutz für viele Landwirte zu teuer

Gerade der Punkt der in den Anlagen aufgeführten „zumutbaren Schutzmaßnahmen“ für Weidetiere ärgert jedoch viele Landwirte. Denn die Zuschüsse, die das Land für jede Kuh oder jedes Schaf zur Verfügung stellen, reichen bei weitem nicht aus um die Zäune zu finanzieren. Ein Kilometer eines hochwertigen Elektrozaunes kostet rund 5000 Euro, rechnet Simon Harnisch, Referent für Tierhaltung beim Landesbauernverband Brandenburg vor. Bei oftmals vielen Hektar Weideland ist das kaum zu stemmen. Dazu kommen die Betriebskosten. Die elektrischen Zäune müssen von unten vom häufig nassen Gras freigeschnitten werden. Um einen Zaun instand zu halten, muss dieser ausgemäht werden. Bei häufig vielen Kilometern Zaun ist das ein enormer zeitlicher und finanzieller Aufwand.

Simon Harnisch fordert deswegen einen „vollen Rechtsanspruch der Landwirte. Alle Schäden, die Bauern in Zukunft durch Wölfe entstehen, müssten voll ersetzt werden.“ Schäfer Dirk Hoffmann wird das dann wohl nicht mehr helfen. Beim nächsten Angriff der Wölfe hört er sicher auf. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal wegen der Wölfe aufhören werde“, sagt Hoffmann. „Da kommt noch ein riesiges Problem auf uns zu.“

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Von Ansgar Nehls

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