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Kommunen hängen mit Kitaplanung hinterher

Dahmeland-Fläming Kommunen hängen mit Kitaplanung hinterher

Die Einwohnerprognosen des Landes hatten den meisten Kommunen in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming ein gebremstes Wachstum vorhergesagt. Die Realität sieht aber anders aus: die Einwohnerzahl explodiert. Die Folge: Überall fehlen Kitaplätze. In einigen Gemeinden herrscht schon Alarmstimmung.

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Nicht nur an der Matschanlage der Luckenwalder Kita „Sunshine“ herrscht im Sommer Gedränge. In fast allen Kitas der Region ist der Platz knapp.

Quelle: Hahn

Dahmeland-Fläming. Das Berliner Umland galt vielen Hauptstädtern jahrelang als das bessere Berlin: gut angebunden, dicht am Puls der Metropole, aber frei von den Problemen, die man aus der Hauptstadt kannte. Es gab Wohnungen, es gab Grundstücke, es gab Kitaplätze.

Diese Zeiten sind vorbei. Der Markt für Wohnungen und Grundstücke ist schon lange hart umkämpft. Am dramatischsten aber scheint derzeit die Lage bei den Kitas zu sein. Fast im Wochentakt schlagen Kommunen Alarm, weil Eltern ihre überforderten Ämter mit Betreuungsanfragen überhäufen.

Geplante Investitionen im zweistelligen Millionenbereich

Die für die nächsten Jahre geplanten Investitionen in Kitas liegen inzwischen im zweistelligen Millionenbereich, aber was auch immer die Kommunen unternehmen, es scheint nicht zu reichen, weil immer mehr Kinder geboren werden und Familien in einer Zahl zuziehen, die niemand vorhergesehen hat. Einige Meldungen aus den vergangenen Monaten verdeutlichen den Ernst der Lage:

In Zeuthen ist die Betreuung am Anschlag, alle Einrichtungen seien überfüllt, heißt es, eine neue Kita in Miersdorf soll Entlastung bringen.

In Schulzendorf wartet man auf eine neue Kita mit 70 Plätzen, deren Eröffnung sich aber um sechs Monate verzögern wird.

In Rangsdorf braucht man eigentlich eine neue Kita. Alle Vorhandenen sind voll und die Gemeinde wächst, man hat aber nicht genügend Geld, um eine zu bauen.

In Ludwigsfelde herrscht Krisenstimmung, weil hunderte Kitaplätze fehlen. Zwar sollen bis Ende des nächsten Jahres drei neue Einrichtungen im Stadtgebiet entstehen, aber selbst das wird den Bedarf nicht decken.

Schönefeld plant einen Kita-Hort-Neubau mit 250 Plätzen, der Kinder eines Wohngebietes in Schönefeld-Nord aufnehmen soll, das derzeit in hohem Tempo wächst.

In Königs Wusterhausen plant man eine Einrichtung mit 120 Plätzen, die aber zu spät öffnen wird für jene Eltern, die ihre Jobs verloren haben, weil sie zum Teil mehr als ein Jahr auf einen Platz in einer städtischen Kita warten mussten.

Selbst der ländliche Raum ist nicht gefeit

Und selbst der ländliche Raum ist vor dramatischen Engpässen nicht mehr gefeit. In Heidesee müssen dringend 90 Betreuungsplätze her. Bestensee will drei Millionen Euro in eine neue Kita investieren. Im Amt Schenkenländchen spricht man seit Anfang März von „Notplanungen“, die angestrengt werden müssen, obwohl in Löpten gerade erst eine Kita eröffnet wurde. Die ist aber schon wieder voll. Außerdem fehlt so viel Betreuungspersonal, dass man sich schon verzweifelt an die Eltern gewandt hat.

In der Gemeinde Am Mellensee wurde gerade ein Aufnahmestopp in den Kitas erlassen. Dort ist zwar theoretisch noch Platz, die Gemeinde findet aber keine Erzieher mehr.

Und in Luckenwalde bangen derzeit ebenfalls viele Eltern, ob sie im Sommer einen Platz für ihre Kinder bekommen. Die städtischen Einrichtungen sind übervoll, und der Neubau einer privaten Kita verzögert sich um ein halbes Jahr.

Rechtsanspruch, Rückstellungen, Zuzüge

Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) versuchte Anfang März ihren Stadtverordneten zu erklären, was die Planung so schwierig macht: Da sei zum einen die Frage, wie viele Eltern von Kindern unter drei Jahren überhaupt einen Kitaplatz beantragen. Der Rechtsanspruch bestehe seit 2013 für alle, aber es gibt viele Familien, in denen ein Elternteil zu Hause bleibt. Die Quote schwankt, zuletzt wurden mehr Kleinkinder in die Kitas gegeben.

Dann muss sich die Verwaltung jedes Jahr aufs Neue überraschen lassen, wie viele Kinder von der Schule zurückgestellt werden und ein weiteres Jahr die Kita besuchen.

Die größte Unbekannte sei aber die Einwohnerentwicklung, in die die Geburten und die Zu- und Wegzüge einschließlich der Flüchtlinge einfließen. In diesem Punkt hat Luckenwalde, wie fast alle Kommunen und auch die Landkreise, in den vergangenen Jahren viel zu konservativ gerechnet. Die Folge: Während die Prognose des Kitabedarfs für 2014 noch halbwegs stimmte, werden die Vorhersagen für 2017 heute schon um etwa 140 Kinder überschritten. Auf die Schnelle dann Standorte zu finden, Gebäude zu planen, zu bauen und zu finanzieren, ist schwierig. Ein einziger Betreuungsplatz kostet derzeit immerhin etwa 37 000 Euro.

Statistiker haben ihren Anteil am Dilemma

Wer wann hätte erkennen müssen, dass es zu einem Engpass kommt, darüber gehen in den betroffenen Kommunen die Meinungen auseinander. Unbestritten ist aber der Anteil der Landesstatistiker an dem Dilemma. Deren Einwohnerprognosen bilden die Grundlage für alle Bedarfsplanungen, sie hinken aber der tatsächlichen Entwicklung deutlich hinterher.

Der Landkreis Teltow-Fläming etwa legt jährlich zwischen 1500 und 3000 Einwohner zu. Aktuell leben dort etwa 167 000 Menschen. Die jüngste und noch gültige Landesprognose, mit der auch die Kreisreform begründet wird, hatte den Kreis bei 165 000 Einwohnern gesehen. Aber erst im Jahr 2020.

Man hat auf Landesebene die Geburtenrate unterschätzt, die Dynamik des Zuzugs und das Wachstum Berlins. Angesichts dieser Diskrepanz sei es logisch, dass die Kommunen jetzt ein böses Erwachen ereilt, sagt Carsten Saß (CDU), Sozialdezernent von Dahme-Spreewald. „Wenn die Landesprognose 15 Jahre lang nur demografischen Wandel vorhersagt, muss man sich nicht wundern, wenn sich diese Einschätzung in die Gedankenwelt der Handelnden überträgt.“ Zum Einwohnerwachstum kommen noch politische Entscheidungen wie die Ausdehnung des Rechtsanspruchs auf Betreuung. „Das stapelt sich zu einem Problemberg“, so Saß.

Er habe Verständnis dafür, dass die Kommunen erst ihren Takt finden müssen. Die aktuelle Situation sei außergewöhnlich.

Von Oliver Fischer

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