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Konversionssommer eröffnet

Das Erbe der Militärs Konversionssommer eröffnet

Von den rund 100 000 Hektar Militärflächen, die die Sowjets nach ihrem Abzug den Behörden im Land Brandenburg überließen, sind inzwischen rund 90 Prozent vermarktet und einer zivilen Nutzung zugeführt. Die verbleibenden zehn Prozent bereiten den Verantwortlichen aber Kopfschmerzen. Das wurde bei der Eröffnung des Konversionssommers in Wünsdorf deutlich.

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Mitarbeiter des Kampfmittelbergungsdienstes zeigten, was alles bei der Munitionsberäumung im märkischen Boden gefunden wird.

Quelle: Oliver Fischer

Wünsdorf. Sanierte Wohnhäuser zwischen marodem Offiziersprunk, zugewucherte Kasernen neben frisch verputzten Bürogebäuden, graue Bunkeranlagen, bunte Einfamilienhäuser, dazu eine mächtige Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge: Es gibt kaum einen Ort in Brandenburg, der so deutlich die Herausforderungen, die Möglichkeiten und die Chancen alter Militärflächen aufzeigt, wie Wünsdorf-Waldstadt. Das Netzwerk Fokus hätte sich deshalb keine bessere Kulisse für den Startschuss des diesjährigen Konversionssommers aussuchen können.

 Wünsdorf Waldstadt

Wünsdorf Waldstadt: Marode Gebäude.

Quelle: Oliver Fischer

Die landesweite Veranstaltungsreihe, die in diesem Jahr zum 19. Mal stattfindet, läuft diesmal unter dem Motto „Konversion hilft weiter“. Bis November sollen in zahlreichen Veranstaltungen alle möglichen Aspekte der Konversion, also der Nachnutzung von Militärimmobilien, beleuchtet werden. Am Auftakt stand am Mittwoch naturgemäß viel Information, viel Bilanz, eine Rückschau auf Geleistetes, ein Ausblick auf Kommendes. Das lieferten vor allem der Brandenburgische Finanzminister Christian Görke (Linke) und die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Boden (BBG) Andrea Magdeburg.

Nur noch 10 000 Hektar übrig

Christian Görke nannte die Konversion in Brandenburg eine Erfolgsgeschichte. Von rund 100 000 Hektar Militärliegenschaften, die das Land in den Neunzigerjahren vom Bund übernommen hat, befinden sich heute nur noch 10 000 Hektar im Eigentum des Landes, der Rest ist vermarktet. „Diese Bilanz kann sich sehen lassen, aber von Jahr zu Jahr wird es schwieriger“, sagte Görke. Denn die Restflächen seien eben keine Filet-Stücke mehr, zudem gebe es Planungshemmnisse, Probleme mit der Munitionsbelastung, mit Schadstoffen, mit maroder Bausubstanz und Denkmalauflagen.

 Munitionsfunde in Wünsdorf

Munitionsfunde in Wünsdorf.

Quelle: Oliver Fischer

Was der BBG als Flächenvermarkter aber in die Hände spielt, ist der anhaltende Immobilienboom in der Hauptstadtregion. Der habe es ermöglicht, dass im vorigen Jahr noch einmal 23 Grundstücke mit einer Gesamtfläche von fast 100 Hektar an Investoren verkauft werden konnten. Der Erlös: 4,2 Millionen Euro.

Naturlandschaften Brandenburg übernahm Flächen in Jüterbog

Zu diesen Flächen gehörten auch einige Areale in der Dahmeland-Fläming-Region, wie BBG-Geschäftsführerin Andrea Magdeburg ausführte. So übernahm etwa die Stiftung Naturlandschaft Brandenburg fünf Hektar auf dem früheren Truppenübungsplatz Jüterbog West und 19 Hektar des ehemaligen Tanklagers Neuheim zu Naturschutzzwecken. In Rangsdorf wurden vier von sechs Baugrundstücken auf dem ehemaligen Flugplatz verkauft. Dort sei die Nachfrage inzwischen enorm groß, so Andrea Magdeburg. Derzeit laufen die Endverhandlungen für die letzten zwei Grundstücke, die sich auf 108 Hektar summieren und denkmalgeschützte Flugzeughallen beherbergen.

Der Konversionssommer

Träger des Konversionssommers ist seit 2002 das Netzwerk Fokus, zu dem 17 stark betroffene brandenburgische Gemeinden gehören. Diese Gemeinden, darunter Jüterbog, Niedergörsdorf und Rangsdorf, haben sich zur Zusammenarbeit entschlossen, um Erfahrungen auszutauschen und das Ziel der Konversion gemeinsam in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik vertreten zu können.

Die Veranstaltungsreihe selbst umfasst in diesem Jahr sieben Fachveranstaltungen und neun Publikumsveranstaltungen in ganz Brandenburg.

Termine von Publikumsveranstaltungen sind:

18. Juni, Luckenwalde, vierstündige Dämmerungswanderung zur Düne bei Luckenwalde auf dem früheren Truppenübungsplatz. Treff um 19 Uhr am Bahnhof Luckenwalde. Anmeldung unter Tel.  0 33 72/4 40 73 50.

24. Juni, Pechüle, dreistündige Wanderung mit einem Förster durch ein Naturschutzgebiet auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz. Treff ist um 14 Uhr vor dem ehemaligen Gasthaus „Friedenseiche“ in der Dorfstraße 74.

24. Juni bis 30. September , Jüterbog, Ausstellung zur 100-jährigen Geschichte des Flugplatzes Jüterbog-Damm. Eröffnung der Ausstellung um 10 Uhr im Kulturquartier Mönchenkloster.

25./26. Juni , Falkenberg/Elster und Mühlberg/Elbe, Tag der Offenen Tür auf dem Flugplatz Falkenberg und eine Sonderausstellung zur 80-jährigen Geschichte. Dazu Rundflüge über die Konversionsfläche. Beginn um 10 Uhr.

11. September , Altes Lager, Führungen durch das ehemalige Offizierscasino, Beginn: 10 Uhr, Adresse: Kastanienallee 21.

Die Zukunft des Konversionssommers ist derzeit zumindest fraglich. Zwar hat Finanzminister Christian Görke (Linke) angekündigt, dass im kommenden Jahr erstmals Landesmittel für die Reihe bereitgestellt werden, mehreren Mitgliedsgemeinden des Netzwerks, darunter Falkenberg/Elster und Prenzlau, droht aber eine Rückforderung der EU in Höhe von rund 100 000 Euro wegen angeblicher Verstöße bei der Vergabe von Aufträgen an Freiberufler. Der Fokus-Sprecher Herold Quick hat für den Fall des Bestehens auf den Forderungen das Ende des Netzwerks angekündigt.

Die kaputten Hallen hatten bisher den Verkauf der Flächen erschwert. Inzwischen habe man aufgrund der deutlich gestiegenen Nachfrage aber eine andere Verhandlungsposition. Andrea Magdeburg: „Wir werden die Flächen noch in diesem Jahr an den Markt bringen und gehen davon aus, dass wir sie im nächsten Jahr verkaufen können. Wenn die Nachfrage überall so wäre wie in Rangsdorf, dann hätten wir keine Konversionsflächen mehr.“

Bauboom sorgt für besseren Verkauf

Der Bauboom macht sich auch anderswo bemerkbar, etwa in Wünsdorf, wo man laut Birgit Flügge, Geschäftsführerin der Entwicklungsgesellschaft Wünsdorf Zehrensdorf, wieder vor einigen größeren Verkäufen steht.

Bei der BBG hofft man schon darauf, dass sich die Boomregion noch weiter in den Süden ausweitet, möglichst bis Jüterbog und Niedergörsdorf, wo noch immer riesige, schwer vermarktbare Flächen brachliegen, in die derzeit Millionen Euro an Landesmittel für Abriss-, Sicherungs- oder Umweltschutzmaßnahmen fließen. Dazu gehört die Kaserne Neues Lager, wo die BBG im vergangenen Jahr Gebäude weggenommen hat, ebenso wie die Damm-Kaserne, und das Militärgelände in Forst Zinna. In Altes Lager musste ein Kasernengebäude abgerissen werden, weil akute Einsturzgefahr bestand. Dieses Schicksal droht inzwischen vielen der seit zwei Jahrzehnten ungenutzten Gebäuden. Der Raum Jüterbog und Forst Zinna werden deshalb wohl noch lange ein Schwerpunkt für die Millionen Euro teuren Abrissaktivitäten der BBG sein, sagt Andrea Magdeburg.

Von Oliver Fischer

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