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Teltow-Fläming Konzentrierte Ruhe für eine Literatin
Lokales Teltow-Fläming Konzentrierte Ruhe für eine Literatin
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14:01 01.03.2017
Seit 2014 lebt die Wiepersdorf-Stipendiatin Paula Schneider bereits in Niedergörsdorf. Quelle: Thorsten Wulff
Niedergörsdorf

Paula Schneider könnte sich ihr Gepäck einfach in Satteltaschen stopfen und gemütlich losradeln, um von ihrem festen Wohnort Niedergörsdorf zu ihrem zeitweiligen quasi um die Ecke in Wiepersdorf zu gelangen. Dieser Tage wird die Autorin in das Künstlerhaus des Schlosses einziehen, zunächst bis Ende April und dann im Herbst noch einmal. Denn für insgesamt vier Monate hat sie kürzlich ein vom brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur gefördertes Aufenthaltsstipendium in Wiepersdorf erhalten.

Zeitgleich mit ihr reisen Künstler wie der mit einem Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz ausgestattete Fabian Knöbl und Sibylle Reichel aus Thüringen sowie die in Berlin lebende japanische Komponistin Eiko Tsukamoto an, eröffnen also gemeinsam die neue Saison im Künstlerhaus, das wieder bis in den Herbst hinein von diesmal 27 Literaten, Künstlern und Musikschaffenden belebt werden wird.

Wellness für die Künstler-Seele

„Das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf ist schon ein besonderer Ort“, findet Paula Schneider, die bereits 2004 einmal dort weilen konnte. „Nicht die Umgebung, die sich Normal- oder erst recht Geringverdiener – zu denen Schriftsteller oder Künstler meiner Erfahrung nach doch meist zählen – üblicherweise leisten können.“ Ein bisschen, kommentiert sie, sei der Aufenthalt auch „eine aufpäppelnde Kur, nicht unter Wellness-Wellen, aber unter hohen Bäumen“. Doch statt Reha und Schonkost erwartet sie im Künstlerhaus vor allem konzentrierte Ruhe zum Arbeiten zwischen den rhythmusgebenden Mahlzeiten, bei denen dann die Bewohner stets aufeinander treffen.

Paula Schneider hat ihr Stipendium für die Arbeit an einem besonderen Buch bekommen: „Es wird über die erstaunliche Vielfalt an Energie und Liebe in einem Altenheim erzählen“, berichtet sie. Ein Thema, das in ihrem vor wenigen Monaten erschienenen Debüt bereits anklingt: In „Bleib bei mir, denn es will Abend werden“ schildert sie so liebevoll wie direkt die Geschichte eines in tief berührend zärtlicher Zuneigung verbundenen Paares jenseits der 70, das mit der beginnenden Demenz der Frau konfrontiert wird. Teils mit wie flüchtig und doch gedankenreich formulierten Tagebucheinträgen der Protagonistin, später bei Fortschreiten ihrer Krankheit des Mannes, lässt Paula Schneider den Leser faszinierend genau und in fesselnder Sprache an der Verfasstheit ihrer Figuren teilhaben.

Erfahrungen für das Buch-Thema gesammelt

„Ich habe vor rund acht Jahren begonnen, mich mit dem Themenkreis ,Liebe unter den Bedingungen von Alter und Pflege’ auseinanderzusetzen, war in verschiedenen Einrichtungen und bei pflegenden Privatleuten. Schnell wurde klar, wie vielgestaltig der Themenbereich ist“, erzählt die Autorin. Sie hat vielfach dazu veröffentlicht, auch ein Radiofeature ist entstanden, das 2014 mit dem Basler Featurepreis ausgezeichnet und dann sogar als Hörspiel veröffentlicht worden ist und letztlich in das nun vorliegende bemerkenswerte Buch mündete.

Biografisches

Paula Schneider wurde 1976 in Leipzig geboren und wuchs in Berlin auf.

Sie studierte bis 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Seit 2004 arbeitet sie als freie Autorin. In jenem Jahr war sie auch als Stipendiatin in Wiepersdorf. 2005 residierte sie im Stuttgarter Schriftstellerhaus, 2007 erhielt sie das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste.

Seit zehn Jahren entwickelt und schreibt Paula Schneider erfolgreich und mehrfach preisgekrönt Hörspiele und Radiofeatures. Einige ihrer Radiofeatures können derzeit online auf der Deutschlandfunk-Webseite gehört werden.


Ihr Buch „Bleib bei mir, denn es will Abend werden“ ist im Rowohlt-Verlag erschienen und kostet 14,99 Euro.

Es ist außerdem ein persönliches, denn Paula Schneider ließ sich dafür auch inspirieren durch die Geschichte ihrer Großeltern, deren Bild auf dem Cover des Buches zu sehen ist. „Eng an ihrem Leben Anteil genommen habe ich schon immer. Sie hatten auch immer ein großes Sendungsbewusstsein“, erzählt sie. „Als meine Oma irgendwann wegen Schlaganfall und Demenz in ein Pflegeheim ziehen musste, bot es sich sehr an, die intensiven Einblicke in diese Situation auch mit in die Arbeit aufzunehmen.“ Es sei einfach wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Alte und Pflegebedürftige keine fremde Spezies seien. „Sie besitzen die gleiche Bandbreite an Gefühlen wie wir, und jeder von uns kann früher oder später in eine solche Lage kommen.“

Mischform zwischen Reportage und Hörspiel

2014 begann sie mit der Arbeit an dem Buch. Es erstaune sie heute selbst, dass sie die Buchpläne so lange immer wieder vertagt habe, sagt sie. „Zu Anfang meines Autorinnendaseins hatte ich nicht genug Puste für die lange Form. Ich habe auch mit dem Literaturbetrieb etwas gefremdelt, war vielleicht noch nicht reif dafür.“ Stattdessen hat sie sehr erfolgreich Radiofeatures entwickelt. „In dieser Mischform zwischen Reportage und Hörspiel konnte ich viel ausprobieren und ganz unterschiedliche Realitäten intensiv erfahren.“ Dafür recherchierte sie im Gefängnisumfeld oder traf auf Menschen, die Spuren des Kalten Krieges suchen.

Zunächst vor allem beruflich bedingt lernte die gebürtige Leipzigerin auch ihre jetzige Heimat näher kennen; durch das Theater 89 von Hans-Joachim Frank, aber auch durch die Fläming-Air in Zellendorf. Nach Niedergörsdorf zog sie 2014. „Eigentlich für den Arbeitszimmerfenster-Blick ins Weite“, sagt sie. Eine naturnahe Umgebung für ihre kleine Tochter wollte sie vor allem. „Katzen, Hühner, Pferde aus dem Alltag zu kennen, nicht nur aus dem Bilderbuch; Brombeeren zu pflücken, Spechte zu hören, das ist für ein Kind doch großartig. Und für die Eltern auch.“

Wiepersdorf als geschichtsträchtiger Ort

Neben der ländlichen Einsamkeit, die ihr auch das Wiepersdorfer Künstlerhaus am Waldesrand nun bieten wird, reizt sie an jenem herrschaftlichen Schlossambiente aber auch, dass dieser Ort so „geschichts- und geschichtenträchtig“ ist. „Aus vielen der Fenster sieht man den kleinen Friedhof mit den hohen Steingräbern der Arnims, die im Leben wohl nicht häufig so einträchtig nebeneinander lagen …“

Der Buchtitel. Quelle: promo

In diesem Jahr wird Paula Schneider übrigens außerdem als Stadtschreiberin im siebenbürgischen Kronstadt wirken und während ihres Stipendiums dort ein Internettagebuch führen. Immer wieder befasst sie sich mit Osteuropa, durchaus ein Schwerpunkt ihrer journalistisch-literarischen Arbeiten. „Parallelen wie auch bittere Unterschiede, in der Historie wie in der Gegenwart“ interessieren sie. Oft seien es Zufälle, die ihr die Themen zuführen, Begegnungen mit Menschen, die eine besondere Geschichte haben. Im September, kündigt sie an, sei wieder ein Radiofeature von ihr zu hören, in dem Themen wie die Volksbildung der DDR oder medizinische Abgründe anklingen. „Erzählt wird die ungewöhnliche Hassliebesgeschichte eines alten Mannes“, umschreibt sie es. „Ein fiebriges, halluzinogenes Hörstück wird das, eine Begegnung in und mit der Nacht.“

Von Karen Grunow

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