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Konzert mit einer Ahnung von Ewigkeit

Wiepersdorf Konzert mit einer Ahnung von Ewigkeit

Die Konzertsaison auf Schloss Wiepersdorf hat mit einem erhebenden Konzert von Julius Berger und Oliver Kern begonnnen. An Cello und Piano begeisterten sie ihr Publikum. Initiiert hatte den Auftritt der Freundeskreis des Küstlerhauses.

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Das romantische Künstlerhaus in Wiepersdorf beherbergt in diesem Jahr wieder viele Stipendiaten und bietet künstlerischen Hochgenuss.

Quelle: Angela Rändel

Wiepersdorf. Von Sommertemperaturen umarmt, wären die vergangenen Tage ein Genuss für Bettina von Arnim auf Schloss Wiepersdorf gewesen. Nicht zuletzt das Konzert zweier Ausnahmekünstler auf Einladung des Freundeskreises von Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf am Sonntagnachmittag hätte dazu beigetragen. Trotzdem wäre sie sicher rasch wieder nach Berlin gefahren, ihren Gatten zurücklassend.

Die ungewöhnliche Liebe von Bettina und Achim von Arnim steht bis heute für eine gesamte literarische Epoche. Achim, arm an Geld und reich an Ländereien, freundete sich mit Ackerbau und Viehzucht an, um die Familie ernähren zu können. Doch bei Bettina ging eine Sehnsucht ins Ungebundene. Sie erstickte in der Wiepersdorfer Abgeschiedenheit und atmete in Berlin wieder auf.

Konzert des Pianisten Oliver Kern und des Cellisten Julius Berger

Konzert des Pianisten Oliver Kern und des Cellisten Julius Berger.

Quelle: Angela Rändel

Seit Jahrzehnten verhält es sich umgekehrt. Es sind vor allem Berliner, die es zum romantischsten Ort der Romantik zieht. Weil sich dort Stille und Erholung mit Hochkultur verbinden wie bei diesem sensationellen Konzert. „Alles in der Welt geschieht der Poesie wegen“, schrieb einst Achim von Arnim, nicht ahnend, dass man Oliver Kern den „Lyriker am Klavier“ nennt. Damit unterschlägt man dessen epische Weite: Er spielt allein 30 Klavierkonzerte und Brahms wie Beethoven in Vollendung, ganz abgesehen von seinem dramatischen Können, wenn er zum Beispiel auf den Cellisten Julius Berger trifft. Er scheint etwas Göttliches darzubieten, sobald er sein Cello berührt. Berger schenkt dem Publikum eine Ahnung von Ewigkeit. Ja, so muss sie klingen. In einer Schönheit, die fast körperlich schmerzt.

Konzert mit Bezügen zu Bach

Das Konzert hatte einen doppelten Boden. Denn alles, was von Beethoven, Brahms und Bartholdy erklang, stand in Bezug zu einem anderen Komponisten mit „B“: Johann Sebastian Bach. Für fast jeden Musiker die unangefochtene Nummer Eins und der größte Quell an Inspiration für Genies, die nach ihm folgten: „Bach ist Anfang und Ende aller Musik“, brachte es Max Reger auf den Punkt. Zu Lebzeiten war der Thomaskantor ein Geheimtipp wie Wiepersdorf, keineswegs ein Superstar etwa wie Händel. Und er wäre später in der Versenkung gelandet, hätte ihn nicht Bartholdy wiederentdeckt und eine Bach-Renaissance ausgelöst. Beseelt und scheinbar über dem Erdboden schwebend, traten die Gäste nach dem Konzert auf die Terrasse, vor der sich der lichtdurchflutete Park in unverschämter Pracht darbot. „Hier ist das Paradies“, flüsterte eine Besucherin benommen.

Zwischen Abschirmen und Einladen

Lange Zeit dachte man, Wiepersdorf verstecke sich wie die Perle einer Auster vor der zudringlichen Öffentlichkeit und genüge sich selbst. Hochkultur für einen kleinen Kreis gab es zwar immer, doch in homöopathischer Dosis. Von rauschenden Festen, Schulklassen und dem Getrampel Normalsterblicher wurden die Stipendiaten weitgehend abgeschirmt. Als handele es sich nicht um junge Künstler, sondern um schwerkranke Patienten.

Norbert Baas, Vorsitzender des Freundeskreises für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf

Norbert Baas, Vorsitzender des Freundeskreises für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf.

Quelle: Angela Rändel

„Wir möchten weder als elitär wahrgenommen werden noch die Ideen der Romantik konservieren“, widerspricht Norbert Baas, Vorsitzender des Wiepersdorfer Freundeskreises. Im Gegenteil, er wünscht sich eine lebendige Stätte von internationalem Rang, die nicht nur Wissenschaftler und Künstler beflügelt, sondern auch die Reiseregion Brandenburg. Er geht sogar so weit, dort einen sanften Tourismus wie etablieren zu wollen. Dann hätte Wiepersdorf vielleicht einen Fahrradverleih, kleine Regionalläden, Pensionen und noch mehr junge Kreative, die sich hier ansiedeln wollen.

Solche Ideen wären Bettina willkommen gewesen. Vielleicht hätte sie den Ort dann selten verlassen.

Von Angela Rändel

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