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Kranke Lehrer: Schulleiter schlagen Alarm

Luckenwalde Kranke Lehrer: Schulleiter schlagen Alarm

An Luckenwalder Schulen fallen wieder Unterrichtsstunden aus. Zwar gibt es rechnerisch genügend Lehrer, aber die Vertretungsreserven sind ungenügend. Sobald Lehrer krankheitsbedingt ausfallen, kommt es zu Stundenausfällen – das ist aktuell der Regelfall. Das berichteten die Schulleiter dem Luckenwalder Bildungsausschuss.

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„Klassenfoto“ mit sechs der sieben Luckenwalder Schulleiter und Schulrat Christof Kürschner (2.v.l.) nach der Ausschusssitzung.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Lehrermangel und Stundenausfall an den Luckenwalder Schulen, das war das große Thema der Sitzung des städtischen Bildungsausschusses am Mittwochabend. Eingeladen waren alle sieben Rektoren der örtlichen Schulen sowie das staatliche Schulamt. Unzufrieden äußerten sich die Stadtverordneten über die Antwort von Bildungsminister Günter Baaske (SPD) auf ihren Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), in dem sie auf die schwierige Situation an den Luckenwalder Schulen aufmerksam gemacht hatten.

Stadtpolitiker fühlen sich nicht ernst genommen

„Wir werden überhaupt nicht ernst genommen“, ärgerte sich die Stadtverordnete und aktive Elternvertreterin Nadine Walbrach (CDU), die den Brief initiiert hatte. „Baaske beruft sich nur auf statistische Zahlen, die gar nicht die ganze Wahrheit widerspiegeln“, sagte sie. „Der Minister blendet die Probleme aus“, ergänzte die Stadtverordnetenvorsitzende und promovierte Pädagogin Heidemarie Migulla (Linke), „er schreibt, dass in diesem Jahr genügend Lehrer an allen Schulen sind. Ich bin gespannt, was die Schulleiter dazu sagen.“

Diese bestätigten das aber zur Überraschung aller Ausschussmitglieder. Die Zahlen im Brief des Ministers würden schon stimmen, sagte der für Teltow-Fläming zuständige Schulrat Christof Kürschner, nur: „Es fehlen Lehrer in bestimmten Fachrichtungen, wir behelfen uns mit Seiteneinsteigern, die fachlich gut qualifiziert sind, aber keine pädagogische Erfahrung haben. Das alles will ich gar nicht abstreiten.“

Personaldecke kann Ausfälle kaum kompensieren

Aus genügend Lehrern wird eine ungenügende Personaldecke, schon wenn der erste krank ist. Wie das bei gleich mehreren Krankheitsfällen aussehen kann, schilderte die stellvertretende Leiterin der Friedrich-Ebert-Grundschule, Birgit Muth: „Wir sind wieder an unserer Grenze angelangt. Das Schulamt unterstützt uns. Aber beim Ministerium muss es doch mal langsam ,Klick’ machen.“ Am Anfang des Schuljahres sei man personell „gut aufgestellt“ gewesen, aber zwei Quereinsteiger, von dem der eine fachlich und der andere gesundheitlich überlastet sei, eine Schwangere, die seit zwei Wochen Mutterschutz genieße, eine Sonderpädagogin langzeiterkrankt, ein Kollege seit Montag im Krankenhaus – Rückkehrzeitpunkt ungewiss – und obendrein: sieben Kollegen älter als 60. „Wenn jetzt noch einer krank wird, weiß ich nicht mehr weiter“, sagte Birgit Muth, „weil alle Reserven weg sind.“ Das heißt: Diejenigen Lehrer, die abgestellt sind, um Förderunterricht zu geben, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten oder Arbeitsgemeinschaften leiten, müssen stattdessen die erkrankten Kollegen vertreten.

Stadtverordnete wollen Brief an den Landtag schicken

Nicht viel besser sieht es in den anderen Schulen aus und dann auch nur, weil zum Beispiel Förderstunden nach Schulen und nicht nach der Anzahl der Schüler mit Förderbedarf vergeben werden. „Es ist nicht nur eine Frage der Quantität“, warf Ines Schwerdt von der Friedrich-Ludwig-Jahn-Oberschule ein, „sondern auch die der Absicherung der Qualität.“ Die Seiteneinsteiger könnten diese gar nicht absichern. Die Vertretungsreserve müsse besonders wegen der Altersstruktur wieder erhöht werden, ergänzte Bettina Mitius vom Oberstufenzentrum, „sonst gehen die Kollegen krachen.“

Nach dieser geballten Ladung an Informationen aus dem wahren Leben des Schulalltags überlegen die Ausschussmitglieder nun, eigene politische Kanäle zu nutzen und das nächste Schreiben an den Bildungsausschuss des Landtags zu richten.

Von Hartmut F. Reck

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