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Krankenhaus-Arzt hilft Flüchtlingen beim Übersetzen

Ludwigsfelde Krankenhaus-Arzt hilft Flüchtlingen beim Übersetzen

Der Chirurgie-Assistenzarzt Gillo El Mahrouk operiert im Krankenhaus Ludwigsfelde nicht nur. Mit seiner Sprachvielfalt hilft der Ägypter Personal und Flüchtligen auch beim Übersetzen. Neben Arabisch, Deutsch und Englisch spricht er Französisch, Spanisch und Schwedisch.

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Bei dieser Familie aus Afghanistan helfen auch die Sprachkenntnisse von Assistenzarzt Gillo El Mahrouk (l.) nicht. Hier muss die App an.

Quelle: Jutta Abromeit

Ludwigsfelde. Ein Familienvater aus Afghanistan kommt mit seiner fünfjährigen Tochter ins Krankenhaus von Ludwigsfelde. Das Mädchen hat Bauchschmerzen. Der Vater spricht Dari, einen persischen Dialekt, kein Englisch und erst wenig Deutsch. In diesem Fall kann selbst Assistenzart Gillo El Mahrouk nur mit Piktogrammen und Übersetzungs-App auf dem Smartphone helfen. Ansonsten übersetzt der Ägypter sehr oft in Sprechzimmern und an Patientenbetten. Er spricht neben Deutsch und Englisch Arabisch „mit ägyptischem Dialekt“, wie er sagt, Französisch, Spanisch, „und ein wenig Schwedisch, das ist meine schwächste Sprache“ – seine Frau ist Schwedin.

Hintergrund

Die Stadt Ludwigsfelde hat für den Bürgerservice und das Standesamt neue Technik angeschafft, darunter Tablets mit Übersetzungs-App, um die Verständigung mit Migranten zu erleichtern, etwa bei der Anmeldung im Bürgerservice oder Ausstellung von Geburtsurkunden im Standesamt.

Der Koordinator für Flüchtlingshilfe in Ludwigsfelde und die Integrationsbeauftragte haben eine Übersicht von Kontakten zu Personen, zum Teil Migranten mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen, die bei sprachlicher Verständigung helfen, auch per Telefon.

In diesem Jahre wurden im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde bereits sieben Kinder von Flüchtlingsfrauen geboren.

Ambulant werden in der Rettungsstelle pro Woche zwischen zehn und zwölf Personen aus Übergangswohnheimen behandelt.

Im ersten Halbjahr 2016 nahm das Krankenhaus nach eigener Angabe 130 Flüchtlingspatienten stationär auf. Sie blieben im Durchschnitt drei bis vier Tage zur Behandlung. Rund ein Drittel davon waren Minderjährige.

Ein Arzt-Kollege, der Persisch, Russisch und Polnisch sprach, ist nicht mehr da. El Mahrouk hilft gern und so oft es seine Dienste hergeben. Doch seine Arbeit als Chirurg darf unter dieser Zusatzbelastung nicht leiden. „Notfalls mach’ ich das auch in der Freizeit; ich habe ein Faible für Sprachen“, erzählt er. Meist sind seine Übersetzungen auf der Rettungsstation oder auf der Kinderstation gefragt.

Auf letzterer wird das afghanische Mädchen untersucht und versorgt. Ihr Vater bemüht sich, Ruhe zu bewahren. Seine Frau liegt ein paar Stationen weiter. Gerade hat sie als drittes Geschwisterkind einen Sohn bekommen. Das größte Problem dieser Familie: das Verständigen. Irgendwie klappt dann doch alles, teils mit Händen und Füßen. Doch bei Notfällen und Operationen ist rechtliche Sicherheit wichtig, dann reichen Hilfsmittel oder Sprachmittler nicht, dann muss ein Dolmetscher her.

Viele Sprachen

Kommen geflüchtete Pakistani oder Afghanen ins Krankenhaus, sprechen sie maximal Englisch, sehr oft jedoch Paschto, Persisch/Dari oder Urdu. Allein in Pakistan gibt es neben der Nationalsprache 50 regionale Sprachen wie Hindi, Panjabi oder Daraiki. Nach einem Jahr Übersetzungsdienst und Begegnungen mit traumatisierten Kindern, die sich teils Verletzungen zufügen, weil sie aus dem Krieg kommen und ansehen mussten, wie Angehörige umgebracht wurden, sagt der 39-jährige Arzt: „Die Leute, die hierher kommen, brauchen in ihrem Zustand einfach unsere Hilfe. Da geht es oft nicht nur ums Medizinische. Es sind auch ganz viele soziale Gespräche.“

Etliche der Menschen, erfuhr er, seien aus guten Verhältnissen gekommen, hatten Haus, Auto und Jobs. Jetzt sind sie auf viel Hilfe angewiesen. „Sie kommen nicht damit klar, wie sie aus ihrem Leben gezerrt wurden“, sagt El Mahrouk. Umso glücklicher seien sie, wenn hier jemand sie verstehe. „Das ist die Motivation für mich, diese Zusatzarbeit gern zu leisten“, sagt der Arzt. Chirurgie-Chef Thomas Kaschewsky ergänzt, das Übersetzen seines Kollegen sei nicht nur medizinisch, auch menschlich wertvoll: „Das schafft Nähe. Denn problematisch sind ja nicht die angemeldeten Behandlungen, sondern Notfälle, bei denen es wirklich um Zeit geht.“ Nach Unfällen oder Messerstechereien kommen verletzte Flüchtlinge mit Polizisten. „Dann ist es wirklich hilfreich, wenn Herr El Mahrouk im Haus ist“, erklärt er.

Übersetzungshilfe kommt auch von der Stadt Ludwigsfelde oder ehrenamtlichen Helfern. Und Guido Kohl vom Sozialamt des Kreises sagt: „Die mobile Flüchtlingshilfe vom Diakonischen Werk hat in unserem Auftrag Helfer eingestellt, die mehrere Sprachen sprechen.“

Von Jutta Abromeit

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