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Kreatives Werkeln im alten Bahnhof

Bildhauer-Workshop Kreatives Werkeln im alten Bahnhof

Im ehemaligen Bahnhof in Sperenberg haben die Niederländer Ine und Wouter Spruit ihre Bildhauer-Werkstatt eingerichtet, in der sie Kurse anbieten. Diese sind sehr gefragt. Ein Besuch bei den Künstlern und ihren Bildhauer-Laien.

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Seit 2011 leben und arbeiten Wouter und Ine Spruit (r.) im alten Sperenberger Bahnhof.

Quelle: ANDREA VON FOURNIER

Sperenberg. Kritisch betrachtet Ingo sein Werk von allen Seiten. Ehefrau Dagmar folgt ihm mit der Kamera, um den besonderen Moment festzuhalten. Aus einem 30 Kilogramm schweren gelben Steinquader, den ihr Mann am Morgen ausgesucht und auf seinen Arbeitstisch am alten Bahnhof in Sperenberg gewuchtet hat, ist ein knapp elf Kilo schweres Kunstwerk entstanden. Fast zwei Drittel des relativ weichen Materials hat Ingo einen ganzen Tag über mit verschiedenen Feilen, Meißeln und Raspeln abgetragen, um dem Mergel die Form eines Helms, ähnlich dem, den die Korinther einst trugen, zu entlocken. Einen Stein selbst zu bearbeiten, hat sich der Thüringer schon immer gewünscht. Zum vergangenen Weihnachtsfest fand er einen Gutschein für einen Bildhauer-Workshop in Sperenberg auf dem Gabentisch. Dagmar hatte im Internet die Bildhauer-Werkstatt von Ine und Wouter Spruit im alten Bahnhof der ehemaligen Königlich-Preußischen Militäreisenbahn gefunden.

Bildhauerei am Gleisbett

Die Kulisse an den intakten Gleisen, auf denen heute die Draisinen der „Erlebnisbahn“ vorbeirollen, das romantische Backsteingebäude des Bahnhofs und das „Rundum-Sorglos-Paket“ des Veranstalters hatten ihre Entscheidung zugunsten Sperenbergs ausfallen lassen. Das niederländische Bildhauer-Ehepaar Ine und Wouter Spruit, das sich hier niedergelassen hat, verspricht den Teilnehmern seiner regelmäßigen Workshops eine große Materialauswahl, die Nutzung aller Werkzeuge und Räumlichkeiten und fachliche Hilfestellung. Bei schönem Wetter können die hölzernen Arbeitstische draußen auf dem großen Grundstück aufgestellt werden. Wouter Spruit leitet die Bildhauer für einen Tag an, Ine kümmert sich um Organisatorisches, bringt Getränke, Mittagessen und kleine Snacks.

Eine Freizeitbeschäftigung zu einem Event zu gestalten, ist im Trend. Die Spruits hatten die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt, als sie vor fünf Jahren eine geeignete Location für ihre Bildhauerwerkstatt suchten, den Sperenberger Bahnhof im Internet als Verkaufsobjekt entdeckten und sich auf Anhieb in den Bau verliebten. Sie ließen sich auf das private Experiment eines neuen gemeinsamen Lebensabschnitts und die berufliche Selbstständigkeit im Ausland ein und fühlten sich in der kleinen Gemeinde gut aufgenommen. Dass sie nicht nur selbst in ihrem Metier als ausgebildete Bildhauer kreativ tätig werden wollten, sondern Kurse zum Bearbeiten verschiedener Materialien wie Holz und Stein, das Modellieren von Ton sowie Beton- und Bronzeguss für Laien und Fortgeschrittene anbieten wollten, gehört zu ihrem Konzept. Ebenso das Geschäft, in dem alles notwendige Material verkauft wird. Das funktioniert im Laden im Erdgeschoss und über den Webshop. Dort verkaufen die Spruits bis weit über die deutsche Grenze hinaus: „Meist sind es Deutsche, die im Ausland leben, beispielsweise in England, die bei uns online einkaufen“, so Wouter Spruit.

Viele Gespräche mit den Teilnehmern

Morgens, wenn das Paar die neuen Kursteilnehmer begrüßt und mit dem Tagesablauf vertraut gemacht hat, sucht sich jeder einen Stein aus und legt die Werkzeuge bereit. Wenn alle Laien-Bildhauer dann auch an den für sie günstig erscheinenden Plätzen zu feilen, raspeln oder meißeln beginnen, ist für Wouter Zeit, sich individuell mit den Besuchern zu unterhalten. Er erfährt die Motivation der einzelnen Teilnehmer und natürlich, was sie heute erreichen wollen. Schnell ist klar, wer mehr Hilfestellung vom Fachmann brauchen wird. Die gibt er gern, führt die Handhabung der Werkzeuge vor oder hat anatomische Tipps, wenn der Torso zu dick oder der „Entenschnabel“ am Helm zu lang ist.

Eine Teilnehmerin aus dem Fläming hat sich einen zu harten Stein ausgesucht und ist zur Mittagspause unzufrieden. „Ich werde jetzt einen weichen Stein probieren, sonst macht es einfach keinen Spaß“, erklärt sie. Regina aus Berlin ist zum vierten Mal hier und arbeitet an einem krabbelnden Kind aus grünem Speckstein. Die Rundungen bereiten ihr Kopfzerbrechen, und Wouter Spruit verordnet eine einfache, effektive Übung, die er schon aus der Uni kennt: Eine Schnecke aus weichem Stein herauszuarbeiten. Das gibt den „Aha!“-Effekt bei Regina. Am Mittagstisch tauschen sich die Teilnehmer bei holländischen Spezialitäten angeregt aus. Danach flanieren alle an den Arbeiten der anderen vorbei, loben hier eine Gesichtsmaske oder dort den Torso oder den Elefanten. Dann geht die Arbeit weiter.

Die Spruits sind zufrieden mit dem Verlauf des Tages, wenn es die Teilnehmer sind. Sie weisen auf die ausgestellten Objekte hin, die Schüler ihres Bildhauerkurses geschaffen haben. Dagmar fotografiert noch mal den steinernen Helm, bevor Ingo ihn sorgfältig verpackt ins Auto schafft. Könnte gut sein, dass sie wiederkommen: „Es war genauso toll, wie ich es mir vorgestellt habe“, meint Ingo stolz.

Von Andrea von Fournier

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