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Kreatives aus der Dose

Zossen Kreatives aus der Dose

Bei der zweiten Auflage des Graffiti-Battle in Zossen traten am Sonnabend zahlreiche Sprayer-Talente gegeneinander an. Mitmachen durften auch drei Jugendliche aus dem Tschad, die derzeit in der Wünsdorfer Erstaufnahme leben.

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Mitmachen durften diesmal auch drei Flüchtlinge aus dem Tschad, die derzeit in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf leben.

Quelle: Gudrun Ott

Zossen. Zum zweiten Mal fand ein Graffiti-Battle im DRK-Jugendzentrum Zossen statt. Und wie die Veranstalter erwartet hatten, waren auch am Sonnabend die jugendlichen Sprayer zahlreich erschienen. Talente aus Rangsdorf, Zossen, Ludwigsfelde, Dabendorf, Mahlow und Wünsdorf kamen, um im Wettkampf gegeneinander anzutreten.

Wie schon beim 1. Graffiti-Battle winkten den besten Sprayern auch diesmal Preise. Es gab unter anderem Szenemagazine, Sketchblöcke, Stifte und Marker in vielen Farben. Erstmals probierten sich kurdische Jugendliche aus Zossen sowie aus dem Tschad geflüchtete Jugendliche, die derzeit in der DRK-Erstaufnahmeeinrichtung Wünsdorf leben, in dieser Kunst aus. Mahamat, Baradine und Fssakh kennen das Sprayen in ihrer afrikanischen Heimat nicht. Als besonders exotisch und vielfältig gelte die Graffiti-Szene in südafrikanischen Großstädten, erzählten sie und bekannten, gespannt zu sein auf das, was sie in Zossen erwartet.

Sebastian Vehlow gehört zu den erfahrenen Sprayern. Der 25-jährige Zossener schätzt seit der Oberschulzeit den kreativen Umgang mit der Dose. Ungeübten gab er am Sonnabend Tipps. Vehlow bedauerte, dass Sprayer oft als Kriminelle abgestempelt werden und erklärte: „Straßenschmierereien würden zurückgehen, wenn Sprayer einen legalen Ort hätten.“

Aber die Gesellschaft ist da zwiegespalten, weiß der Leiter des Jugendzentrums Boris Knop. Er möchte die Jugendlichen fürs legale Sprayen gewinnen und wünscht sich die Unterstützung der Stadt. „Ich kenne Freiflächen, Betonteile im Stadtpark, die man hier bei uns aufstellen könnte“, sagte er. Der 43 Jahre alte studierte Theater- und Politikwissenschaftler hält auch die Außenflächen des Jugendzentrums für geeignet.

Dass die Stadt Zossen zu allen Vorstößen kategorisch Nein sagt, musste Sebastian Vehlow immer wieder erfahren. Jonas Kleuß, er kommt von der Seeschule Rangsdorf, hat da mehr Glück, denn er durfte das Gartenhaus seiner Eltern besprühen. Wildes Sprühen sorge zwar für einen gewissen Kick, aber legal zu sprayen sei auf jeden Fall besser, sagte der Schüler.

Dass keine Mädchen am Graffiti-Battle teilnahmen, erklärte der Sozialpädagoge und Mitarbeiter des Jugendzentrums Istvan Balogh: „Sprayen ist eine Männerdomäne.“ Die 17-jährige Mary gestand, lieber zu zeichnen, auf Papier und ganz althergebracht, während ihr drei Jahre jüngerer Bruder Tim Koberger leidenschaftlich sprayt und sich an den Farben berauscht. „Ich hatte in der Schule eine Eins in Graffiti-Art“, sagte er stolz.

Erstmals im Jugendzentrum waren die beiden Freunde Scorpio Finger und Dominik Holz. Sie wollten das Sprayen für sich testen. Eine Facharbeit für das Fach Kunst bereitete Michelle Richter vor. Die 15-jährige Schülerin vom Rangsdorfer Fontane-Gymnasium interviewte die Sprayer, um der Faszination dieser oft gescholtenen Kunstgattung auf die Spur zu kommen. Ihre persönliche Bilanz: „Ich finde, das Sprayen macht die Welt bunter.“

Von Gudrun Ott

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