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Kreis kündigt Vertrag mit Quellenhof-Betreiber

Campanet-Affäre Jüterbog Kreis kündigt Vertrag mit Quellenhof-Betreiber

Nach der Räumung des Flüchtlingsheim im Jüterboger Quellenhof hat der Kreis nun den Vertrag mit der Betreiberfirma aus Sachsen aufgekündigt. Doch die Missstände nehmen kein Ende – Campanet betreibt noch eine weitere Unterkunft in der Stadt.

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Ärger mit Campanet: Wegen nicht beseitigter Mängel mussten 55 Flüchtlinge vor einer Woche aus dem Quellenhof ausziehen.

Quelle: Josefine Sack

Jüterbog. Die Kritik am Betreiber des leergezogene Flüchtlingsheims im Jüterboger Quellenhof reißt nicht ab. Neue Vorwürfe kommen hinzu. Nun hat der Landkreis den Vertrag mit der Betreiberfirma Campanet „außerordentlich gekündigt“, wie Sozialdezernentin Kirsten Gurske am Montag auf MAZ-Anfrage schriftlich mitteilte. Vor einer Woche ließ der Kreis die Unterkunft wegen baulicher Mängel räumen.

„Grund dafür ist neben der Nichterfüllung wesentlicher Regelungen des Betreibervertrages auch der Widerruf der Anerkennung als Gemeinschaftsunterkunft durch das Landesamt für Soziales und Versorgung des Landes Brandenburg“, erläuterte Gurske.

Die Campanet GmbH mit Sitz in Freiberg (Sachsen) betreibt noch ein Wohnheim in Jüterbog. Im Waldauer Weg wohnen knapp 120 Flüchtlinge, ein Großteil davon Männer. Erst vergangene Woche hatte ein Asylbewerber dort randaliert, eine Woche zuvor hatte ein anderer die 64 Jahre alte Heimleiterin bedroht, so dass diese die Polizei verständigen musste. Ob angesichts der Probleme auch im Waldauer Weg eine Kündigung des Vertrags geplant ist, wollte beim Kreis am Montag niemand bestätigen. „Der Landkreis überwacht – wie in allen Übergangswohnheimen – auch am Standort Waldauer Weg regelmäßig die Einhaltung der vertraglichen und gesetzlichen Regelungen. Das betrifft auch die Gewährleistung der sozialen Betreuung der Flüchtlinge gemäß den gesetzlich geforderten Qualitätsstandards“, ließ Sozialdezernentin Gurske mitteilen.

Unterdessen hat Campanet überraschend die beiden Heimleiter des Wohnheims im Waldauer Weg entlassen. Der Rechtsanwalt Jonas Krainbring, über den Campanet ausschließlich mit der Presse kommuniziert, bestätigte die Kündigung: „Diese erfolgte aus verhaltensbedingten Gründen. Zwischen unserer Mandantschaft (Campanet, Anm. d. Red.) und der Heimleitung gab es nicht mehr zu überbrückende Differenzen. So weigerte sich die Heimleitung regelmäßig, dienstlichen Anweisungen nachzukommen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Darin werden mangelhafte Englischkenntnisse sowie die mangelnde Pflege der Unterkunft als Kündigungsgründe genannt.

Aus Angst vor Schikanen ihres Noch-Arbeitgebers wollten sich die entlassenen Mitarbeiter nicht offiziell zu Wort melden. Beide haben Hausverbot im Waldauer Weg. Aus Kreisen der Flüchtlingshilfe erfuhr die MAZ, dass sich das Ehepaar von Campanet im Stich gelassen fühlte. Immer wieder hatte es um personelle Unterstützung gebeten. Zuletzt gab es in der Unterkunft nicht einmal einen Sozialarbeiter. In ihrer Not informierten die Heimleiter das Landratsamt über die Missstände, was ihnen offensichtlich zum Verhängnis geworden ist.

Mit einer Räumaktion am Quellenhof sorgt Campanet weiter für Ärger: Dort entsorgten Mitarbeiter das verbliebene Hab und Gut der kürzlich nach Hennickendorf gezogenen Bewohner. Campanet ließ dazu mitteilen: „Bezüglich der Entsorgung ist es so, dass hier sämtliche Gegenstände eingelagert werden. Dazu zählen selbst nicht mehr funktionstüchtige Fahrräder. Insoweit alte Decken während des Umzugs so stark verschmutzt wurden, dass eine sinnvolle Reinigung nicht mehr möglich war, wurden diese entsorgt.“ Babybetten und ähnliche Einrichtungsgegenstände habe man nicht entsorgt. „Gerade aufgrund der aktuell schwierigen Beschaffungssituation wäre eine solche Entsorgung auch für meine Mandantschaft vollkommen unsinnig“, heißt es weiter. Vor Ort sieht die Lagerung anders aus: Gespendete Fahrräder, TV-Geräte, Kinderbetten, Decken und Küchenutensilien lagern zwischen Abfall in einem offenen Container.

Von Josefine Sack

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