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Teltow-Fläming Kriegerabend für Tschernobylkinder
Lokales Teltow-Fläming Kriegerabend für Tschernobylkinder
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03:10 05.07.2017
Vera Hämmerlein zeigt, wie man Pfeil und Bogen hält, dann dürfen auch die Kinder ran und feststellen, dass es einfacher aussieht, als es ist.
Dahme

Dass es in der Dahmer Schlossruine spukt, behaupten ältere Dahmenser schon seit langem. Am Montagabend hätten sie es leibhaftig sehen können. Von den jungen und aufgeweckten Besucher aus Weißrussland ließ sich das Gespenst sogar anfassen.

„Wir sind überglücklich, dass es so viele Menschen gibt, die uns unterstützen und den Kindern etwas Gutes tun wollen“, sagt Monika Petras, die zu den Gründungsmitgliedern des Dahmer Arbeitskreises „Die Kinder von Tschernobyl“ gehört, der seit 25 Jahren Kindern aus der verstrahlten Tschernobyl-Zone in Dahme erholsame Ferientage beschert. Auch wenn der Arbeitskreis anfangs größer war und die Arbeit heute auf den Schultern von vier Frauen liegt, ist die Zahl der Unterstützer nicht kleiner geworden. „Im Gegenteil, es werden immer mehr“, freut sich Petras über die große Solidarität, entweder in Form von Geld- und Sachspenden, oder auch als Organisator und Helfer während des Ferienaufenthaltes. Kaum ein Tag, an dem die diesmal aus 13 Mädchen und Jungen im Alter von neun bis zwölf Jahren bestehende Gruppe nicht irgendwo eingeladen wäre. Die Kosten für Museums-, Schwimmbad-, Erlebnisspielplatz-, Tierpark- und ähnliche Besuche werden ihnen oftmals von den Betreibern erlassen oder aus der Spendenkasse bezahlt. Dorfgemeinschaften laden die Kinder zu Speis und Spiel, Mühlenbesitzer zeigen, wie aus Getreide Mehl wird. Der Fantasie bei der Gestaltung des Ferienspaßes sind keine Grenzen gesetzt und neue Idee ebenso willkommen wie neue Mitstreiter.

Der Römer-, Ritter- und Wikinger-Abend in der Schlossruine war eine davon. Die Idee dazu hatte Petras Sohn Oliver, der Mitglied der Dresdener Gruppe „Living History Albica“ ist und dort regelmäßig in der Segment-Rüstung eines Römischen Legionärs vorchristliche Kampfeskunst demonstriert. Auch Oliver Petras Freundin Vera Hämmerlein in der Rolle eines syrischen Bogenschützen, sowie Saskia Römspies als Slawenkriegerin und Dennis Freiwald im Wikinger-Kettenhemd, die beide zum Paseriner Verein Ardanwen gehören, waren schnell überredet, für die jungen Weißrussen einen Kriegerabend zu gestalten.

Ausstaffiert wie für einen Historienfilm hatten sie bei ihren jungen Zuschauern schnell die Begeisterung geweckt, auch wenn Wikinger, Legionäre und Slawen in Wirklichkeit nie gegeneinander gekämpft haben, da sie in verschiedenen, bis zu 2000 Jahren auseinanderliegenden Epochen gelebt haben.

Dass Wikinger einen ganzen Büffel auf einmal verspeisen konnten, ist wohl ebenfalls falsch. Ein paar Pommes, eine Bratwurst und der von Monika Petras kreierte Römerbrei aus Reis und Gemüse reichten aus, um Krieger und Zuschauer satt zu bekommen.

Der Höhepunkt des Abends kam so überraschend, wie Gespenster eben so kommen. Als beim Versteckspielen im Keller das Licht erlosch, hatte Thomas Thiede seinen Auftritt als Gespenst. Dass die Kinder den Spuk so schnell durchschauen und ihm lachend Gewand und Totenmaske entreißen würden, damit hatte er nicht gerechnet. Auch die versteckte Schatztruhe mit Süßigkeiten war schnell gefunden.

Bis zur Abreise in zwei Wochen steht den Kindern noch manche Überraschung bevor. Vollgetankt mit gesundem Essen und Eindrücken geht’s dann in die noch immer verstrahlte Heimat.

Von Uwe Klemens

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