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Teltow-Fläming Krisensitzung im Sozialkaufhaus
Lokales Teltow-Fläming Krisensitzung im Sozialkaufhaus
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05:37 22.12.2017
Im maroden „Haus der kleinen Preise“, dem Sozialkaufhaus der Stadt Ludwigsfelde an der Thälmannstraße, wird der Schaden begutachtet: Landtagsabgeordneter Helmut Barthel (SPD), Henri Vogel, Vorsitzender des Trägervereins Solbra, und Dachdeckermeister Dirk Marien, Chef der Firma Dach Instand (v.l.). Quelle: Foto: Abromeit
Ludwigsfelde

Drei Männer beratschlagten am Donnerstag im Ludwigsfelder „Haus der kleinen Preise“, wie das marode Gebäude – Anlaufpunkt für zurzeit 280 bedürftige Familien – nicht nur provisorisch wie nach dem großen Regen dieses Sommers, sondern grundsätzlich gerettet werden kann. Für den Moment sind Henri Vogel als Vorsitzender des Trägervereins Sozialmanagement im Land Brandenburg (Solbra), SPD-Landtagsabgeordneter Helmut Barthel und Dachdeckermeister Dirk Marien froh, dass es aktuell nirgends mehr durchregnet. Wie berichtet war die Sozialkaufhaus-Baracke beim Dauerregen der Sommermonate zur „Tropfsteinhöhle“ geworden, wie Vogel es genannt hatte. Die Umkleidekabinen mussten gesperrt werden, überall standen Eimer und Schüsseln, die Elektroleitungen drohten nass zu werden.

Die jüngste Großhavarie ist Geschichte, auch dank der schnellen Hilfe des Unternehmers Dirk Marien. Der hatte trotz voller Auftragsbücher mit seinen Kollegen entschieden: Wir helfen. Hinzu kam ein mehr als glücklicher Umstand: Zwischen all den Regentagen erwischten die Dachdecker für das Sozialkaufhaus die einzigen drei zusammenhängenden Sonnentage. So konnten die löchrigen 350 Quadratmeter Dachfläche mit Bitumenbahnen beklebt werden. Marien hatte dafür mit etwas mehr als 5000 Euro einen Freundschaftspreis gemacht, der die Kosten nicht deckte: „Es musste was passieren, sonst hätte das Haus schließen müssen.“

Die Baracke des Sozialkaufhauses an der Ludwigsfelder Thälmannstraße machte der Dauerregen des Sommers zur „Tropfsteinhöhle“. Vor allem aber die Landwirte werden ihn so schnell nicht vergessen, denn er schwemmte ihnen die Ernte fort. Quelle: Jutta Abromeit

Das wäre für den Verein Solbra mit seinen 23 Beschäftigten eine Katastrophe. Das Gebäude ist vorn und hinten marode, das wüssten alle, sagt Henri Vogel. „Aber hier laufen die meisten unserer Projekte zusammen – Fahrradwerkstatt, Möbelbörse, Kleiderkammer, Lieferservice. Dieses Haus ist unser Dreh- und Angelpunkt, an ihm hängt die Existenz des Vereins Solbra“, erklärt der Chef. Auch er hat sein Büro in dieser Baracke, die der kommunalen Wohnungsgesellschaft Märkische Heimat gehört. 16 Mitarbeiter haben ihre Arbeitsplätze zwischen Kleiderständern, Hockern, Spielzeug und bröckelndem Putz. Sie alle wünschen sich bessere Verhältnisse, sie alle tun, was möglich ist, aber Geld fehlt vorn und hinten. Denn nicht nur das Dach ist ein Provisorium. „Auch Sanitäranlagen, Heizung, Elektrik und Mauerwerk sind marode“, sagt Vogel. Er hofft wie alle anderen, dass über die bevorstehenden Feiertage keine neuen Havarie-Meldungen kommen.

Ricco Köfalvi ist in Ludwigsfelde ehrenamtlich mit der Mobilen Fahrradwerkstatt unterwegs; die ist ein Projekt des Vereins Solbra Quelle: Jutta Abromeit

Er erzählt: „Als es 2013 vor allem auf der anderen Seite durchregnete, hatte Dirk Marien auch schon geholfen. Und gesagt, das Dach hält zwei Jahre. Jetzt sind es schon vier.“ Der Potsdamer weiß die Hilfe der Spender von Arbeitsleistungen, Möbeln und Textilien zu schätzen: „So können hier auch Leute wenigstens mal für ganz kleines Geld shoppen gehen, die sich große Kaufhäuser immer nur von weitem anschauen können.“ Er meint Familien, die für einstellige Euro-Beträge zwei Kaffeebecher oder eine gebrauchte Suppenschüssel suchen.

Angesichts dieser Situation sind die Solbra-Mitglieder dankbar für eine Hilfe, die relativ unbürokratisch das Dichten des Daches möglich gemacht hatte. Denn die 5000 Euro für Dachdeckerleistungen hatte der Verein nicht. Das Geld beantragte er aus Lotto-Mitteln. Diese Aktion lief über den Landtagsabgeordneten Helmut Barthel. Der erklärt: „Das Land als Lizenzgeber bekommt von der Lotto GmbH eine Konzessionsabgabe. Die wird auf die Ministerien aufgeteilt und von dort an Projekte vergeben, die gemeinwohlorientiert sind.“

Die drei Männer erlebten auch am Donnerstag, wie etliche der täglich 40 bis 50 Kunden suchend durch die Räume gingen, um vor Weihnachten noch Kleinigkeiten zu erstehen. Die Bedürftigen kommen nicht nur aus Ludwigsfelde und den Ortsteilen, sondern auch aus Teltow, Zossen oder Trebbin. „Wir haben einen Radius von rund 50 Kilometern“, sagt Vogel. Und freut sich, dass mit dem Besuch einige Ideen auf den Tisch kommen, wie der Verein mit seinen Projekten in der Region noch bekannter gemacht werden kann, um vor allem weitere Mitstreiter zu finden. Doch wie das Haus langfristig gesichert werden kann, bleibt ungewiss. Vogel sagt: „Eine Heizperiode schafft das Haus vielleicht noch. Aber spätestens im Sommer 2019 muss hier was passiert sein, sonst muss ich die Verantwortung ablehnen.“

Von Jutta Abromeit

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