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Künstler am Strand

Bildhauer und Retter in der Not Künstler am Strand

Das aus Eichenholz geschaffene Maskottchen Kalli heißt seit kurzem die Gäste im Strandbad Kallinchen willkommen. Geschnitzt wurde die Figur von Harald Müller. Er arbeitet in seiner zweiten Saison als Rettungsschwimmer am Motzener See. Von Beruf ist der 54-Jährige Bildhauer. Müller lebt und schafft seit 1993 in der Ateliergemeinschaft Töpchin.

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Rettungsschwimmer Harald Müller hat alle Badegäste gut im Blick.

Quelle: frank pechhold (2)

Kallinchen . Bademeister und Bildhauer, Harald Müller ist beides. Von seinem Beobachtungsturm aus hat der Töpchiner den von ihm geschnitzten Eisvogel Kalli gut im Blick. Das Kallinchener Maskottchen heißt seit kurzem jeden Badegast am Eingang zum Strandbad herzlich willkommen.

Kalli ist kein komischer Vogel, sondern steht abgekürzt für Kallinchen. „Er ist so etwas wie eine Identifikationsfigur für das Dorf“, sagt Müller. Deshalb habe ihn Ortsvorsteher Reinhard Schulz mit dem Schnitzwerk beauftragt. Als Vorlage diente eine Grafik, die einen bunt gefiederten, schillernden Eisvogel zeigt. „Auf Farbe habe ich bei meinem Kalli ganz bewusst verzichtet.“ Insofern stehe das eichenholzbelassene Kunstwerk für Natur pur am Motzener See. „Das ist eines der saubersten Badegewässer in Brandenurg.“

Harald Müller gestaltete das Maskottchen Kalli

Harald Müller gestaltete das Maskottchen Kalli

Quelle: Pechhold

Dass er einmal als Rettungsschwimmer am Motzener See arbeiten würde, hätte sich der studierte Bildhauer noch vor wenigen Jahren nicht träumen lassen. Lange lebte Harald Müller in großen Städten wie Paris, Lyon, Helsinki. Letzter Wohnort vor der Wende war West-Berlin. Nach dem Fall der Mauer genoss er die neue Freiheit, Land und Leute in Brandenburg zu erkunden. Gemeinsam mit anderen Künstlern wie Ralf Sander und Sieghard Auer gründete er 1993 die Ateliergemeinschaft Töpchin auf einem vormals von der Sowjetarmee militärisch genutzten Gelände. Fünf Kilometer Luftlinie von Kallinchen entfernt wandelten die Künstler mitten im Wald ein marodes Gebäude in Wohnateliers um. Das riesige Gelände zwischen Moor und Feld ist einerseits Idylle und andererseits ständige Herausforderung.

„Manchmal ist es echt nicht einfach, von der Kunst zu leben“, sagt Harald Müller. Um solche Durststrecken zu überwinden, arbeitete er bereits als Segellehrer bei der Firma Teamgeist am Wolziger See in Blossin. Schon damals reifte in ihm der Wunsch, Rettungsschwimmer zu werden, um seinen Segelschülern notfalls noch besser helfen zu können. Also hielt sich Müller mit Schwimmen fit. Erst vor zwei Jahren machte der 54-Jährige seinen Rettungsschwimmer-Schein bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) am Hölzeren See in Gräbendorf. „Am vorletzten Wochenende habe ich den Test bei der DLRG wiederholt und wieder das Gold-Abzeichen bekommen“. Das gibt ihm die beruhigende Gewissheit, fit genug zu sein, um Menschen retten und deren Gesundheit erhalten zu können, wenn es ernst wird.

Wie schnell so eine Situation eintreten kann, das musste Müller voriges Jahr in seiner ersten Saison als Rettungsschwimmer erleben. Damals verunglückte ein 22-Jähriger so schwer, das er von der Hüfte abwärts gelähmt ist. „Diesen Tag werde ich nie vergessen.“ Seit diesem schlimmen Vorfall spreche er Badegäste viel schneller darauf an, es mit Spiel und Spaß im Wasser nicht zu wild zu treiben. „Viele Leute meinen, ich sitze hier den ganzen Tag auf meinem Beobachtungsturm und mache mir einen lauen Lenz“, sagt Harald Müller. Dabei streift sein Blick die ganze Zeit angespannt über das weitläufige Gelände und den mit Bojen begrenzten Badebereich im See, um Unfälle zu verhindern. „In der Mittagspause bin ich froh, wenn ich mal eine halbe Stunde weggucken darf.“ Während seines Dienstes werde er oft von Eltern angesprochen. „Die sind froh, dass noch ein paar mehr Augenpaare auf ihre badenden Kinder gerichtet sind. Deshalb habe ich das Gefühl, ich werde gebraucht.“

Mehr Infos: www.herrmueller.eu

Von Frank Pechhold

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