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Künstlerin Obinja lebt in Märkisch Wilmersdorf

Im Haus der Stille für Besinnung und Bildung Künstlerin Obinja lebt in Märkisch Wilmersdorf

Diana Obinja ist Künstlerin, eine, die in der russischen Avantgarde längst angekommen war. Eines ihrer bekanntesten Werke ist das Diptychon von Plötzensee – ein zweiteiliges Bild im Originalrahmen aus einem Nazi-Gefängnis, das dem Papst 2011 im Berliner Olympiastadion überreicht wurde. Nun hat sie sich in Märkisch Wilmersdorf (Teltow-Fläming) niedergelassen.

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Die russische Künstlerin Diana Obinja lebt und arbeitet in Märkisch Wilmersdorf.

Quelle: Jutta Abromeit

Märkisch Wilmersdorf . Sie gehörte 1992 zu den ersten Stipendiaten von Schloss Wiepersdorf. Das Fenster, das Papst Benedikt XVI. 2011 im Berliner Olympiastadion überreicht wurde – ein Fenster der Täter und Opfer – ist ihr Werk. Diana Obinja schuf das zweigeteilte Bild in einem Original-Metallrahmen des Gefängnisses Plötzensee, in dem die Nazis 2891 Menschen hinrichteten. Bekannt wurde das Fenster daher als Diptychon von Plötzensee.

Vor gut einem Jahr verließ die Russin mit jüdischen Wurzeln Berlin. Sie lebt und arbeitet nun in Märkisch Wilmersdorf. Sie nennt ihr Refugium, einen verfallenden Hof nahe der Kirche, „Haus der Stille für Besinnung und Bildung“. Das mit der Stille klappt punktuell, zwischen zwei Flugzeugen am Himmel und dem Läuten der Kirchenglocken. Das mit der Bildung klappt pausenlos: Wenn die 52-Jährige ihre Besucher nicht selbst fragt nach deren Woher und Wohin, dann vermittelt sie es, unaufdringlich, manchmal zaghaft, manchmal begeistert in gegenseitigem Fragen, Zuhören, Empfinden. Immer aber authentisch.

Angekommen in der russischen Avantgarde

Da ist 1976 der Sprung von Odessa nach Westberlin mit der Familie, als die Eltern aus der Sowjetunion näher bei Verwandten in der DDR sein wollen. Dann müssen die beiden Ingenieure 1983 ihr einziges Kind ziehen lassen – Diana beginnt in Florenz Malerei zu studieren, an der ältesten Kunstakademie der Welt. „Aber es war alles alt, verschroben, von Renaissance erdrückt. Ich wollte Kunst lernen, wir mussten Gipsfiguren abzeichnen“, sagt sie. Die große Kunst tritt anders in ihr Leben. Sie lernt Italienisch, als wäre es ihr mitgegeben. Sie lernt von Schülern Kandinskys und Malevichs, wird geprägt von Luigi Veronesi, Pierro Dorazio und Giuseppe Frischia. „Dass ich mit ihnen feiern und diskutieren durfte... Damit war ich bei der russischen Avantgarde angekommen.“

Die Künstlerin arbeitet in Brandenburg an ihren neuen Werken

Die Künstlerin arbeitet in Brandenburg an ihren neuen Werken: Dies wird ein Altar für eine psychosomatische Klinik in Berlin.

Quelle: Jutta Abromeit

Diese Begegnungen sind ein kostbares Gut für sie. „Daraus schöpfe ich noch heute“, erzählt sie mit einem Blick in ihr Inneres. Spürt intensiven Erlebnissen nach, intensiven Begegnungen. Die heißen Rom oder Mailand, Bauhaus oder Musik. „Musik – die tiefen Töne...“ Auch wenn sie Deutsch, Englisch, Spanisch oder Portugiesisch versteht – „Worte sind eigentlich nicht meine Sprache. Musik ist die höchste Sprache, da fließen alle Sprachen rein, Musik ist universal. Wenn sie authentisch ist, erreicht sie das Herz.“ Ihr eigenes Herz ließ sie selbst Töne aneinanderreihen. Da war sie 21 und schwanger. Es wurde eine Musik zu einer Installation.

Altarraum für eine Klinik aus umgestürzten Bäumen

Seither ist sie viel umgezogen, hat vieles gemacht. Einen Altarraum für eine Klinik gestaltet, mit einer Pappel, die zwischen Potsdam und Berlin umgestürzt war. „Für ein Werk bringe ich keinen Baum um“, sagt sie. Und sie erzählt: „Wenn ich irgendwo weggehe, dann habe ich abgeschlossen, dann liegt das hinter mir.“

Abgeschlossen hat sie Versuche in unzähligen Techniken, aus denen Werke wurden: Sie gießt in Sand ausgelaugte Blätter in Kunstharz, sandstrahlt Holz, schaut wie Farbe auf ungewöhnlichem Grund wirkt, fotografiert, schafft Gefäße der Gnade für die neugestaltete romanische Zisterzienster-Kirche in Weitenhagen bei Greifswald. Sie stellt großformatige Bilder, apokalyptische Visionen, in der Berliner Zionskirche aus. Für eine RBB-Sendung war sie jüngst in Berlin auf Engel-Suche.

Eine Arbeit mitten an der Hauswand

Eine Arbeit mitten an der Hauswand.

Quelle: Jutta Abromeit

Einmal kam das italienische Fernsehen Rai zu ihr, vor der Kamera ging sie über ihre Grenzen. Als die Dreharbeiten zu Ende sind, fragt sie den Kameramann: „Was ist Ihre Geschichte, wie haben Sie mich so weit gebracht?“ Die Familien-Erlebnisse des Mannes – der Großvater stand als Häftling an den Gaskammern eines KZs – bringt sie kaum über die Lippen, sie weint. Unvorstellbar, was sie erfuhr, was sich Menschen antaten. „Solche Bilder lassen mich nicht mehr los“, sagt sie.

„Haben wir aus dem Zweiten Weltkrieg nicht gelernt?“

Auch wegen dieser Bilder interessiert sie sich für das Erstaufnahmelager Wünsdorf. Sie wünscht sich, dass flüchtende Menschen aus aller Welt aufgenommen, nicht abgewiesen werden. „Haben wir aus dem Zweiten Weltkrieg nicht gelernt?“

Leidet Diana Obinja nicht an Verletzungen von Menschen untereinander, ist sie ein fröhliches Naturell, ein energiegeladenes. Ein gläubiges. Mit einem eigenem Raum der Stille unterm eigenen Dach. Und sie sieht die Welt anders als die meisten Menschen. „Mit Wesen. Die sind überall. Deshalb mache ich mir am Anfang eines Auftrags auch keine Sorgen mehr – es fügt sich immer besser, als ich vorher dachte.“

Von Jutta Abromeit

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