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Kürbiskernernte mit Schauwert

Wiepersdorf Kürbiskernernte mit Schauwert

Kürbiskernöl aus der Flasche kennt jeder. Wie das würzige Öl dort hineinkommt, wissen die wenigsten. Auf einem Acker bei Wiepersdorf kann man in diesen Tagen diese Bildungslücke schließen.

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Kürbisse – soweit das Auge reicht. Für den einen sieht es romantisch aus, für den anderen ist es ein harter Job.

Quelle: Uwe Klemens

Wiepersdorf. Ein seltenes Bild bot sich dieser Tage auf einem Acker zwischen Wiepersdorf und Hohenseefeld. Tausende leuchtend gelbe Kürbisse warteten auf die Erntemaschine. Wie viele, weiß man nicht einmal bei der NGH Agrar Nonnendorf GmbH, wo man es in diesem Jahr erstmals mit dem hierzulande noch seltenen großflächigen Anbau der einjährigen Feld- und Gartenfrucht versucht hat.

Ein Kürbis hat bis zu 1000 Kernen

Abgesehen hat man es dabei nicht auf das Fruchtfleisch der bis zu zehn Kilogramm schweren Früchte, sondern auf die darin enthaltenen, je nach Pflanze bis zu 1000 Kerne, die der Gewinnung von Kürbiskernöl dienen. „Die Kürbisse, die wir dafür verwenden, eignen sich nicht zum Verzehr, sondern werden nach der Ernte als guter Dünger für die nächste Anbaufrucht untergepflügt“, sagt der in Nonnendorf für den Gemüseanbau zuständige Betriebsleiter Dirk Warmuth.

Erntehelfer Dirk Speier hat nach einem Erntetag zahlreiche Kilometer absolviert und entfernt Krautreste und Steine aus der Stachelwalze

Erntehelfer Dirk Speier hat nach einem Erntetag zahlreiche Kilometer absolviert und entfernt Krautreste und Steine aus der Stachelwalze

Quelle: Uwe Klemens

Der in diesen Tagen auf dem 56 Hektar großen Schlag eingefahrene Ertrag kann sich sehen lassen – er liegt pro Hektar bei mehreren Tonnen. Das größte Problem bei der Ernte waren die Niederschläge der vergangenen Wochen, sodass die Ernte mehrmals verschoben werden musste. „Dem Kürbis an sich ist es egal, ob es trocken oder nass ist, aber bei aufgeweichtem Acker würden Traktor und Erntemaschine im Boden versinken“, schildert Robert Barberka, der mit stoischer Ruhe eines der beiden eingesetzten Gespanne Reihe für Reihe im Schritttempo über den Schlag chauffiert.

Schaulustige an der Stachelwalze

Die Tatsache, dass immer mal wieder auch Schaulustige vorbei kommen, um sich die Sache aus der Nähe anzuschauen, beweist, wie selten die Kürbiskernernte hierzulande noch ist. Eine Stachelwalze kreist wenige Zentimeter über dem Boden und spießt die Früchte auf, die über einen Rost dann in den Schredder fallen und anschließend in einer großen Siebtrommel geschleudert werden. Während die Kerne im Bunker bleiben, fällt das gehäckselte Fruchtfleisch zurück auf den Acker. Ist der Bunker voll, wird die glitschige Masse ins Begleitfahrzeug gepumpt und zur Weiterverarbeitung abtransportiert.

Ist der Bunker voll, wird die glitschige Masse ausgepumpt

Ist der Bunker voll, wird die glitschige Masse ausgepumpt.

Quelle: Uwe Klemens

Die nächsten Arbeitsschritte sind das Waschen und Trocknen. „Das machen wir in unserem Betrieb in Peitzendorf“, sagt Barberka, dessen Agrargenossenschaft zu den Partnerbetrieben der Nonnendorfer gehört.

Von Peitzendorf aus gehen die Kerne nach Österreich, das als Hauptanbau- und -verarbeitungsland der Kürbisölgewinnung zählt. Dort werden die Kerne dann geröstet, vermahlen, anschließend gepresst und gelangen dann als würziges Salat- und Speiseöl in die Verkaufsregale.

Früher geschlagen, heute gepresst

Kürbiskernöl wird seit 300 Jahren gewonnen. Bis Mitte der 1970er Jahre hinein war es nur in Österreich bekannt.

Der Name „Ölschläger“ verrät, wie das Öl traditionell gewonnen wurde. Der ausgepresste „Ölkuchen“ wird als Tierfutter und Dünger verwendet.

Das Öl ist in der Ernährungsindustrie, aber auch in der Pharmazie und Kosmetik begehrt.

„Der Anbau von Kürbissen ist ein echtes Nischenprodukt“, lautet die Einschätzung der Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming, Silvia Fuchs. Sie kennt in ihrem Zuständigkeitsbereich keinen weiteren Betrieb, der sich damit beschäftigt. „Dass es sich für die Nonnendorfer anscheinend lohnt, liegt sicher auch daran. Würde es jeder machen, wäre das sofort am Preis spürbar.“ Die Nonnendorfer selbst betreiben den Anbau derzeit zwischen Linthe und Hohenseefeld auf insgesamt vier Schlägen mit einer Gesamtanbaufläche von knapp 150 Hektar.

Wenn in rund einer Woche die Ernte abgeschlossen ist, gehört Traktorist Robert Barberka zu denen, die drei Kreuze machen. Mehrere Wochen jeden Tag Kürbisreihe für Kürbisreihe abzufahren, ist ganz schön anstrengend. „Zum Glück träume ich nachts noch nicht davon“, sagt er.

Von Uwe Klemens

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