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Teltow-Fläming Kulturministerium finanziert Chorleiter
Lokales Teltow-Fläming Kulturministerium finanziert Chorleiter
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05:18 25.02.2017
Der Gesangverein Lyra aus Luckenwalde singt unter der Leitung von Volker Reichert. Er ist Musikpädagoge und nebenberuflicher Chorleiter. Quelle: Iris Krüger
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Dahmeland-Fläming

Das Land Brandenburg hat 100 000 Euro für die Förderung von Chören bereitgestellt. Die Vereine können sich nun auf einen Zuschuss von bis zu 400 Euro im Jahr freuen. Damit will das Land Chorleiterinnen und Chorleiter anteilig finanzieren und so das kulturelle und gesellschaftliche Leben fördern.

Der Chorleiterzuschuss ist auf Bitten des Landesmusikrats gewährt worden, der sich seit mehr als 20 Jahren dafür einsetzt. „Wir haben uns immer gefragt, weshalb es eine solche Übungsleiterpauschale im Sport gibt, nicht aber in der Musik“, sagt die Generalsekretärin des Rats, Konstanze Sander. Dass die Förderung jetzt vom Kulturministerium gewährt wird, sei ein Erfolg, „eine ganz großartige Sache“ – aber auch nur der Anfang.

Freude über Förderung

Viele Chöre bezahlen beachtliche Summen für eine Dirigentin oder einen Dirigenten. Einige Tausend Euro Jahreshonorar sind keine Seltenheit. Finanziert werden sie fast immer aus Mitgliedsbeiträgen und – im besten Fall – Eintrittsgeldern und Honoraren aus Auftritten. Da könne man heutzutage aber nicht mehr so viel aushandeln und sei froh, wenn man überhaupt etwas bekomme, sagt Susanne Hönicke, Vorsitzende des gemischten Chors Großbeeren. Deshalb freue sie sich über die Förderung, das sei eine tolle Sache.

Bei Rainer Schulze, Vorsitzender des Männerchors Zeuthen, stößt die angekündigte Förderung auf Skepsis. „Wir zahlen 3000 Euro im Jahr für den Chorleiter.“ Es sei lächerlich, mit dem angebotenen Betrag eine Chorleitung finanzieren zu wollen, sagt Schulze.

Pauschale ist Anerkennung

Natürlich ist Konstanze Sander klar, dass sich mit 400 Euro nicht das Jahreshonorar eines qualifizierten Chorleiters bezahlen lässt, auch nicht zur Hälfte. „Viele Chorleiter werden zu niedrig bezahlt. Eigentlich müsste man einen Stundensatz von 30 Euro ansetzen, davon sind wir weit entfernt“, sagt sie. Aber die Pauschale solle zumindest eine Anerkennung für die Leiter sein und gleichzeitig ein Leistungsanreiz. „Denn es geht ja dabei nicht nur um den Spaß. Wir wollen auch, dass sich die Qualität der Chöre verbessert.“

Wer den Zuschuss beantragt, muss nachweisen, dass Auftritte stattfinden, dass der Chorleiter vertraglich gebunden ist und dass er auch eine Mindestqualifikation hat. Das könne ein abgeschlossenes Musikstudium sein, eine Kantorenausbildung oder aber ein abgeschlossener Chorleiterlehrgang, wie ihn Musikakademien in mehreren Bundesländern anbieten, sagt Konstanze Sander. „Es gab auch Anfragen von Chorleitern, die bisher gar kein Geld bekommen und die auch keine Ausbildung haben. Da fragt man sich dann schon, weshalb der Chor nicht einen Mitgliedsbeitrag von seinen Mitgliedern einnimmt, mit dem dann auch der Chorleiter honoriert wird.“ Solange das nicht der Fall ist, werde auch keine Förderung gewährleistet.

Kritik an Formalitäten

Rainer Schulze kritisiert diese Formalitäten. „Der ganze Papierkrieg ist viel zu viel. Von jedem Sangesbruder brauchen wir Unterschriften, vom Chorleiter sämtliche Nachweise“, sagt er. Ob er einen Antrag einreicht, sei daher noch nicht klar. Susanne Hönicke, Vorsitzende des gemischten Chors Großbeeren, ist der Meinung, dass man sich von dem ganzen Paperkram nicht abschrecken lassen dürfe. Es sei klasse, dass auch mal etwas für Kunst und Kultur gemacht werde. „So schaffen wir es vielleicht, uns ein hochwertiges Instrument anzuschaffen oder außer der Reihe neue Noten zu kaufen.“

Einige Chöre in der Region werden bereits von Kommunen gefördert, darunter auch der gemischte Chor Königs Wusterhausen. Dieser erhält vierstellige Summen von Stadt und Land. Aber die Kosten für den Chorleiter sind stattlich. „Daher freuen wir uns immer, wenn wir gefördert werden“, sagt Vorsitzender Karl Sauer. Etwas über 5000 Euro zahle der Chor dem Leiter jährlich.

Eine Menge Arbeit

Für einen Chorleiter stecke aber auch immer eine Menge Arbeit dahinter, sagt Susanne Hönicke. Es sei heutzutage durchaus schwierig, einen Chorleiter zu finden. „Die sind nicht so dicht gesät.“ Sie ist froh darüber, dass ihre Chorleiterin nun schon seit vielen Jahren dabei ist.

Die Qualifikation der Leiter ist in den Brandenburger Chören ganz unterschiedlich. Manche arbeiten nebenberuflich, etwa auf Übungsleiterbasis, und solche, die einen festen Chorleitervertrag haben und sich in manchen Fällen mit der Leitung mehrerer Chöre ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Höhe des Honorars ist dabei abhängig von den Anforderungen eines Chors und der Qualifikation des Leiters – also davon, ob ein Chor nur Kirchenlieder singen oder sich an Neuinterpretationen versuchen möchte, ob der Chorleiter ein studierter Chorleiter oder einfach nur in einem musikalischem Elternhaus groß geworden ist.

Anträge bis Ende März stellen

Volker Reichert ist Vorsitzender und nebenberuflicher Chorleiter des Gesangvereins Lyra Luckenwalde. Hauptberuflich arbeitet er als Musikpädagoge. „Hier im Osten sind die meisten Chorleiter auf Übungsleiterbasis beschäftigt. Aber Viele machen die Chorleiterausbildung beim Chorverband“, sagt er.

Um die Förderung zu erhalten, müssen Chöre bis zum 31. März entsprechende Anträge beim Landesmusikrat stellen. Voraussetzung sind neben der Mindestqualifikation des Chorleiters mindestens 16 Mitglieder und öffentliche Auftritte.

In Zukunft will sich der Landesmusikrat dafür einsetzen, dass auch Laienorchester eine Dirigentenpauschale erhalten. Außerdem werde man sich bemühen, einen Chorleiterlehrgang in Brandenburg anzubieten. „Damit diejenigen, die sich qualifizieren wollen, nicht immer so weit fahren müssen“, sagt Konstanze Sander.

Von Johannes Zimmermann und Oliver Fischer

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