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Kunstexperimente im Schloss

Workshop in Genshagen Kunstexperimente im Schloss

Drei Künstler haben acht Wochen lang im Schloss Genshagen residiert und dort ihre Kunstwerke geschaffen. Nun haben sie sie der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter anderem lauschten die Besucher mit verbundenen Augen einem Musikstück.

Genshagen. Lauter Herzschlag dröhnt aus den Boxen. Mit verbundenen Augen lauscht das Publikum den immer schneller werdenen Klangfolgen. Florent Colautti bedient das „E- String.“ So nennt der Musiker aus Paris seine Erfindung. Ihre Töne sind hörbar gemachte Amplituden, gesteuert auf einem Tablet-Computer.

Florent Colautti bildet gemeinsam mit dem Musiker Benjamin Althammer aus Berlin und Katarzyna Guzowska aus Warschau, den dritten Jahrgang des „Georges Sand-Frédéric Chopin“ Residenzprogramms der Stiftung Genshagen. Acht Wochen haben die Künstler auf dem dortigen Schloss experimentiert. Am Dienstagabend öffneten sie die Türen ihrer Ateliers, um dem Publikum an ihrer Performance teilnehmen zu lassen. Dass die Künstler sich dabei wie zu Hause fühlen sollten, nahmen sie sehr wörtlich, wie Alice Lorch, Organisatorin des Programms für die Stiftung, berichtet: „Sie haben gleich zu Beginn das Schloss umgeräumt.“ Dabei seien auch Dinge verrückt worden, die in der Stiftung als unantastbar galten. Etwa die Sitzordnung im großen Saal, oder das Piano, das immer links im Saal stehen soll. Die Künstler waren Tag und Nacht im Schloss. „In der ersten Nacht haben wir noch auf die Gespenster gewartet“, scherzt Colautti.

Für sein Sprachexperiment, das er am Dienstag zeigte, ließ er Mitarbeiter der Stiftung Korrespondenz zwischen Georges Sand und Frédéric Chopin lesen – im Original und in der Sprache, die sie nicht beherrschen. Die Idee hierzu sei ihm während einer Konferenz gekommen, die in deutsch gehalten wurde, er aber kein Wort verstand. „Trotzdem ist immer eine Musik in der Sprache, auch wenn man sie nicht versteht“, sagt Colautti.

Auch Videokünstlerin Katarzyna Guzowska hat sich das Personal der Stiftung vorgenommen. Sie hat einen Film gemacht, der die Beziehung zwischen Kunst und Arbeit sucht. „Ich habe mehr Vertrauen zu mir selbst gewonnen“, sagt Guzowska. Sie lobt das Konzept des Residenzprogramms. „Wir hatten keinen Druck hier, eine Abschlusspräsentation zu zeigen“, erklärt sie. So habe die Arbeit sehr frei gestaltet werden können.

Als das Publikum in den Saal von Benjamin Althammer kommt, finden sie den bildenden Künstler stoisch an einem Schreibtisch, vor ihm ausgebreitet Fotomaterial, Stative, Entwickler. Dann trägt er aus einem Lexikon die Definition von Arbeitstechniken vor, die Arbeit als eine Summe von verschiedenen Handgriffen beschreibt. Gegenüber ein Bildschirm. Die Fotografien im Raum hat er mit einer selbstgebauten Kamera angefertigt, der „Althammer 6.“ Ihm geht es vor allen Dingen darum, Arbeitsschritte transparent zu machen. Auch Kunst sei Handwerk, so Althammer. Auch er schätze, die sonst ungewohnte Abgeschiedenheit des Anwesens. Sonst sind sie die hektischen Großstädte gewohnt. In die Stille konnte aber auch so manche Diskussion geführt werden. Auch Auseinandersetzungen seien fruchtbar gewesen. Das gehöre zum künstlerischen Prozess, findet er.

Von Krischan Orth

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