Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 5 ° Schneeregen

Navigation:
Kunstvolle Schilder fürs Zossener Gedenkjahr

Künstler und Schüler bauen Wegweiser nach Kunstvolle Schilder fürs Zossener Gedenkjahr

Im Ersten Weltkrieg fertigten Kriegsgefangene kunstvolle, mit Schnitzereien verzierte Straßenschilder und Wegweiser. Ein Wegweiser wird nun von einem Künstler, einem Handwerker und einigen Schülern nachgebaut.

Voriger Artikel
Schüler entwickelt Computer-Chip
Nächster Artikel
Online-Klicks für Blankenseer Spielplatz

Der Künstler Hagen Ludwig und Schüler der Wünsdorfer Oberschule erschaffen einen Wegweiser neu.

Wünsdorf. In der Vergangenheit haben Wünsdorf und Zossen vielleicht die schönsten Straßenschilder und Wegweiser der Region gehabt. Reich mit Schnitzereien verzierte Tafeln und ganze Bildwerke standen an Kreuzungen.

Es waren russische Kriegsgefangene, die im Ersten Weltkrieg dort ihre Kunstfertigkeit im Stil des orthodoxen Kirchenschmucks beweisen mussten. Doch keiner ihrer Wegweiser hat sich erhalten und nur wenige Fotos existieren. Wünsdorfs bisheriger Ortsvorsteher Dieter Jungbluth hatte im vergangenen Herbst die Idee, einen besonders prächtigen Wegweiser wieder zu errichten. Mit Mitteln des Ortsbeirats und mit ehrenamtlicher Hilfe eines Holzkünstlers, eines Tischlers und von Wünsdorfer Schülern wird das Projekt nun durchgeführt.

Fast wie mit ausgebreiteten Armen zeigt der 2,30 Meter hohe Wegweiser einen muslimischen Mann und darunter einen Stamm, der mit preußischem Adler, Krone und sogar einem kleinen Stahlhelm dekoriert ist. 1915 wurde er an der Straße von Wünsdorf nach Töpchin aufgestellt.

Der Wünsdorfer Künstler Hagen Ludwig bearbeitet seit einiger Zeit ein Stück Lindenholz und schafft daraus die Büste mit dem Antlitz des Muslims ‒ eine künstlerische Herausforderung. "Ich arbeite sonst anders herum und lasse mich von der Form des Holzes inspirieren. Hier ist das Resultat vorgegeben", sagt er. Doch der Künstler kopiert nicht einfach. "Im Original ist das Gesicht des Mannes wesentlich finsterer. Das wollte ich nicht bedienen. Er schaut nun freundlich, aber auch nachdenklich. Ich finde, diese Grundaussage trifft unsere jetzige Weltsicht besser", begründet er diese künstlerische Freiheit im Umgang mit dem Erscheinungsbild des Mannes. Auch auf einige der Verzierungen will er verzichten. "Wenn die Büste geölt ist, betont die Maserung den Kleidungsverlauf. Da braucht es gar keinen zusätzlichen Schmuck", sagt Ludwig.

Der 74-jährige Willi Voss hat 60Jahre Berufserfahrung als Tischler, die er seit drei Jahren Schülern der Wünsdorfer Oberschule in einer wöchentlichen Holz-Arbeitsgemeinschaft weiter gibt. Einige Fledermaus- und Nistkästen im Stadtbild sind ihm und seinen Schülern zu verdanken. Auch die "Arme" des Wegweisers mit den Ortsnamen Wünsdorf und Töpchin werden zurzeit von seiner Schülergruppe hergestellt. Lukas Thunert (13 Jahre), Nico Sachse und Nathalie Weber (beide 16) bearbeiten das Lindenholz mit einer Fräse, sodass die ungewöhnlich geformten Buchstaben wie beim Original aus dem Holz herausragen. "Das ist eine neue Technik für die Kinder, da müssen sie etwas genauer arbeiten", erklärt Voss. Für die beiden älteren Schüler ist es die letzte Holzarbeit vor dem Ende ihrer Schulzeit. Die Geschichte hinter dem Werk ist ihnen noch nicht bewusst, aber sie sind ein bisschen stolz. "Das ist ein Stück für die Allgemeinheit und jeder kann es sehen", sagt Nico.

Wenn die Schüler ihre Arbeit in den Sommerferien beendet haben, soll die Figur zusammengefügt und spätestens zum Ende des Zossener Gedenkjahres "1914 bis 1989" im November im Foyer des Wünsdorfer Bürgerhauses aufgestellt werden. Auf einer emaillierten Erinnerungstafel an der Seite wird dann den 16000 Kriegsgefangenen des Halbmond- und Weinberglagers im Raum Zossen und ihrer Kunstfertigkeit gedacht.

Von Peter Degener

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg