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Ladendiebe immer professioneller

Von der Rasierklinge bis zum HD-TV Ladendiebe immer professioneller

Mal sind es Einzeltäter, die Rasierklingen stehlen, mal sind es professionelle Banden, die reihenweise teure Fernseher abtransportieren: Die Adventszeit ist nicht nur für Händler die wichtigste Zeit des Jahres, auch Ladendiebe haben im Gedränge der Geschäfte jetzt besonders leichtes Spiel. Die Region Dahmeland-Fläming ist aber kein Schwerpunkt.

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Ladendiebe schlagen besonders gern im Trubel der Weihnachtstage in den Geschäften zu.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Die Adventszeit ist nicht nur für Einzelhändler die wichtigste Zeit des Jahres. Wenn das Gedränge im Laden groß ist und die Verkäufer alle Hände voll zu tun haben, können Ladendiebe besonders dreist zuschlagen. In der Region Dahmeland-Fläming war die Zahl der Anzeigen mit rund 960 im Jahr 2014 zwar recht stabil. Zu schaffen macht den Händlern aber die zunehmende Professionalisierung von Diebesbanden.

„Von der Zahl der Anzeigen her ist die Adventszeit zwar kein Diebstahl-Schwerpunkt“, sagt Olaf Schulze von der Polizeiinspektion Dahme-Spreewald. „Aber zehn Leute im Laden sind natürlich leichter im Blick zu halten als 100.“ So erklärt sich vielleicht dieser Fall, der sich vor wenigen Tagen im Ludwigsfelder Kaufland abspielte: Dort versuchten mehrere Diebe, einen großen Flachbildfernseher durch eine leere Kasse zu bugsieren. Zur Tarnung packten sie ein paar Waren in Tüten und taten so, als hätten sie den Fernseher auch bezahlt. Ein aufmerksamer Mitarbeiter bemerkte den Diebstahl.

Der gesamte Schaden, der durch Diebstahl entsteht, fällt den Geschäften allerdings erst bei der abschließenden Jahresinventur auf. Zum Beispiel, wenn anstatt der Fernseher nur noch deren Verpackungen im Regal stehen. „Die zunehmende Professionalität der Banden macht uns zu schaffen“, erklärt Christine Minkley, beim Handelsverband Berlin-Brandenburg zuständig für Südbrandenburg. „Die spähen vorher genau aus, wo sind Kameras und wo sind Hindernisse wie Drehkreuze.“

Wenn die Diebe zuschlagen, verwickeln häufig mehrere Täter die Verkäufer in Gespräche, während ihre Komplizen die Waren abtransportieren. „Darum sieht man zum Beispiel preisintensive elektronische Artikel beim Discounter immer häufiger in Glasvitrinen“, berichtet Christine Minkley.

Der Handel versuche stets, mit den Dieben Schritt zu halten: „Sicherheit ist für die Händler ein großes Thema und gehört zum Tagesgeschäft“, erläutert Christine Minkley. Mitarbeiter würden deshalb auch regelmäßig geschult und dabei auf die neuesten Tricks der Diebe aufmerksam gemacht. Kameras oder elektronische Diebstahlsicherungen würden zudem den aktuellen Erfordernissen angepasst. In der Adventszeit werden die Kassen häufiger geleert, um die Gefahr von Raubüberfällen zu verringern.

Abgesehen von der gewerbsmäßigen Bandenkriminalität ist Ladendiebstahl ein komplexes Phänomen: „Das zieht sich durch alle sozialen Schichten und alle Altersgruppen“, sagt Olaf Schulze von der Polizei-Inspektion Dahme-Spreewald. Für Kinder und Jugendliche seien Ladendiebstähle häufig auch eine Art Mutprobe, zum Beispiel, um zu einer Clique gehören zu können. „Aber wenn jemand wenig Geld hat und merkt, es hat ein oder zweimal geklappt, tut er es vielleicht wieder“, sagt Olaf Schulze. Dabei sei Armut selten der Grund für Diebstahl, die meisten Leute hätten eigentlich das nötige Geld. „Wenn zum Beispiel ältere Leute etwas stehlen, kann dahinter auch Einsamkeit stecken. Dann wünscht man sich vielleicht sogar, erwischt und angesprochen zu werden.“

Gestohlen werde alles, von der Rasierklinge über Kaffee und Lebensmittel bis zu teurer Unterhaltungselektronik. Eine deutschlandweite Studie kam jüngst zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte aller Täter zwischen 21 und 40 Jahren alt ist, fast ebensoviele sind polizeibekannt. In 80 Prozent der Fälle handelte es sich laut der Studie um Einzeltäter, 62 Prozent davon männlich, 38 Prozent weiblich. Für ganz Deutschland schätzt der Handel den Schaden auf jährlich fast vier Milliarden Euro, darin enthalten sind auch Diebstähle von Mitarbeitern, von Zulieferern und Ausgaben für Sicherheit. In ganz Brandenburg entstand dem Handel 2014 ein Schaden von mehr als einer halben Million Euro.

Bei den großen Supermärkten und Einkaufszentren in der Region wird die Gefahr unterschiedlich eingeschätzt. „Wir liegen da ziemlich im Rahmen“, sagt zum Beispiel Sven Schulze, der Manager des Wildauer A10-Centers. „Es gibt zwar immer wieder Vorfälle auch mit Banden, aber das gibt es überall.“ Wo viel Betrieb sei, gebe es auch organisierte Kriminalität. Eine besondere Statistik führt das Center-Management aber nicht, die Sicherheit sei Sache der einzelnen Händler.

Zentrale Ladendetektive gibt es auch im Rangsdorfer Südringcenter nicht. Vom dortigen Marktkauf ist zu erfahren, dass man mit Ladendieben keine übermäßigen Probleme habe. Wachsame Mitarbeiter sorgten dort für Sicherheit. Andere Firmen gehen mit den Thema diskreter um: Die Pressestelle der Handelskette Real etwa wollte mit der MAZ nicht über das Thema sprechen.

SIEHE AUCH : Die miesen Tricks der Taschendiebe

Von Martin Küper

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