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Laien bringen Biografien auf die Bühne

Seniorentheater Laien bringen Biografien auf die Bühne

Eine Mutter hat jeder, doch wie erinnert man sich an sie, wenn sie nicht mehr ist? Genau das wollen die Theaterpädagoginnen Sharon On und Laura Söllner herausfinden – gemeinsam mit den Laienschauspielern jenseits der 60. Am Dienstag probten sie erstmals für das Stück „Räume unserer Mütter“ im Klubhaus Ludwigsfelde.

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Auf der Bühne in Erinnerungen an die Mutter schwelgen: Carola Schultz (l.) und Astrid Korsch.

Quelle: Josefine Sack

Ludwigsfelde. Eigentlich feiert das Stück „Räume unserer Mütter“ erst im November Premiere. Nahezu bühnenreif war jedoch schon die erste Kennlernprobe für das biografische Theaterprojekt – und das obwohl sich weit weniger Laiendarsteller angemeldet hatten als von den Organisatorinnen erhofft.

Fünf Ludwigsfelder Seniorinnen waren am Dienstagvormittag der Einladung der beiden Theaterpädagoginnen Sharon On und Laura Söllner ins Klubhaus Ludwigsfelde gefolgt. Bis zur Sommerpause finden dort ab sofort jeden Dienstag die Theaterproben statt.

Gebürtige Israelin hatte die Idee

Die Idee zu dem biografischen Projekt hatte Sharon On. Die gebürtige Israelin wohnt seit ein paar Jahren im Ludwigsfelder Ortsteil Genshagen. Von Anfang an war ihr aufgefallen, dass in der Stadt viele Senioren leben. Als ihre eigene Großmutter starb, sei sie mit vielen Fragen zurückgeblieben, erzählt sie. „Der Zugang zu einer vergangenen Welt war für immer verschlossen“, sagt On.

Die Initiatorin Sharon On und Laura Söllner

Die Initiatorin Sharon On und Laura Söllner.

Quelle: Josefine Sack

Eine Mutter und Großmutter habe jeder, doch wie erinnert man sich an sie, wenn sie nicht mehr sind? Genau das wollen Sharon On und Laura Söllner herausfinden – gemeinsam mit den Teilnehmern des Projekts. „Ihre Geschichten sind für uns Schätze, die besonders im Alltag nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen wie sie es vielleicht verdienen“, ergänzt Laura Söllner.

Sechs Monate Vorbereitung

Sechs Monate Vorbereitung planen die Theaterpädagoginnen, die sich während des Studiums an der Universität der Künste in Berlin kennenlernten, bis zur großen Premiere. Egal ob mit oder ohne Theatererfahrung – gesucht werden noch Mitstreiter jenseits der 60. Denn für ihr Projekt hatten On und Söllner ursprünglich mit zehn bis zwölf Teilnehmern gerechnet, die jeweils einen kleinen Raum mit einer prägenden Erinnerung an die Mutter gestalten sollten. In kleinen Gruppen streifen die Besucher des Abends durch diese Räume und treffen dort auf die Darsteller, die sie mit in ihre Erinnerungen nehmen. Auf welche Weise – das sollen die Laienschauspieler in den Proben lernen.

Teilnehmer gesucht!

Für das Projekt „Räume unserer Mütter“ werden noch Teilnehmer gesucht. Mitmachen können Senioren, die Lust haben, sich mit ihrer Kindheit zu beschäftigen. Theatererfahrung ist nicht nötig.

Gefördert wird das Projekt von der Plattform Kulturelle Bildung Brandenburg sowie der Bildungs-, Jugend-, Kultur- und Sportstiftung Teltow-Fläming der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam.

Die nächste offene Probe ist am kommenden Dienstag, 7. Juni, 10 bis 13 Uhr, im Klaubhaus Ludwigsfelde. Anmeldung über die Akademie der 2. Lebenshilfe unter Tel. 03378/87 97 14.

Um einander kennenzulernen, forderten Sharon On und Laura Söllner die Seniorinnen zu Beginn der Schnupperprobe auf, den anderen jeweils drei Fakten aus dem eigenen Leben zu berichten – eine Tatsache sollten die Frauen dabei frei erfinden. Eine Teilnehmerin gab an, bereits zweimal geschieden zu sein, dabei lebt sie bis heute mit ihrem ersten Mann zusammen. Eine andere erfand den großen Bruder, den sie nie gehabt hatte. Obwohl es meist nicht lang dauerte, bis die kleinen Lügen enttarnt wurden, bewies die Übung eins: Improvisationstalent haben die Laienschauspielerinnen.

Dialog mit Erinnerungen

Nachdem die Frauen in Zweiergruppen den Raum, also ihre künftige Bühne, mit geschlossenen Augen erkundet hatten, durften sie in Erinnerungen schwelgen und einen besonderen Moment mit der Mutter rekapitulieren. Die Herausforderung lag darin, diesen in Form eines Dialogs präsentieren: Dafür sollte eine der Teilnehmerinnen jeweils in die Rolle der Mutter der anderen schlüpfen. Vom Schlittenunfall, der Überraschung für die Mutter, die immerzu an der Nähmaschine arbeitete, den guten Ratschlägen und tröstenden Worten bei Liebeskummer – die Erzählungen berührten, sorgten für so manchen Schmunzler und machten neugierig auf weitere Anekdoten aus längst vergangener Zeit.

Was die Theaterpädagoginnen an der Arbeit mit den Laiendarstellern fasziniert? „Es sind so viele Geschichten mit Herz dabei“, sagt Sharon On. Bei den Teilnehmerinnen handle es sich um gestandene Damen, die viel erlebt haben: „Sie sind fertige Figuren und Menschen mit interessanten Geschichten“, ergänzt sie.

Und was sagen die Frauen nach der ersten Probe? „Über Mütter reden, was kann es Schöneres geben?“, ist Carola Schultz überzeugt. Die Pensionärin hofft auf „tolle Erfahrungen“. Im Gegensatz zu Carola Schultz ist Astrid Korsch neu in Ludwigsfelde: Für sie ist das Theater eine gute Gelegenheit, um „sich einzuleben“ und „Kontakte zu knüpfen“.

Von Josefine Sack

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