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Teltow-Fläming Das schnelle Internet kommt mit Verspätung
Lokales Teltow-Fläming Das schnelle Internet kommt mit Verspätung
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20:29 15.08.2018
Im Bundesprogramm zum Breitbandausbau im ländlichen Raum stehen 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Quelle: Foto: Peter Kneffel/DPA
Königs Wusterhausen

Endlich schnelles Internet: Bei mehreren Tausend Bürgern und Unternehmen in den Kreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald steht dieser Wunsch auch im Jahr 2018 noch ganz oben. Obwohl längst millionenschwere Förderungen vom Bund und dem Land Brandenburg angekündigt wurden, herrscht in einigen Orten weiter digitale Steinzeit.

Dass das nicht nur kleine, abgelegene Dörfer betrifft, beweist die jüngste Kritik von Königs Wusterhausens Bürgermeister Swen Ennullat (FWKW). In einem Schreiben an zwei große Telekommunikationsunternehmen bemängelt er den stockenden Ausbau der Anschlüsse und Leitungen für zeitgemäßes Internet.

Rückblick: Im November 2016 übergab Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (Podium 2.v.l., SPD) den vorläufigen Fördermittelbescheid an den Landkreis Dahme-Spreewald. Quelle: Frank Pawlowski

Noch immer würden zahlreiche Unternehmen und Privathaushalte im Gebiet der 37.000-Einwohner-Kommune nur über einen langsamen Breitbandanschluss verfügen, so Ennullat. Das könne sich der Standort nicht leisten. „Hier sind auch die Versorger gefordert, das schnelle Internet allen Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen“, erklärte er.

Auch IHK kritisiert schlechte digitale Infrastruktur

Unterstützung erhält Ennullat von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. „Es ist schon viel zu viel wertvolle Zeit auf dem notwendigen Weg in eine Gigabit-Gesellschaft verloren gegangen“, sagt Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger. Es sei kontraproduktiv, Unternehmen zur Anwendung neuer Technologien zu ermutigen, wenn die notwendige digitale Infrastruktur nicht zur Verfügung stünde.

Seit 2015 unterstützt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ländliche Regionen mit einem millionenschweren Förderprogramm beim Breitbandausbau. Ausgereicht wurde von den Mitteln allerdings erst ein Bruchteil. Die vielen weißen Flecken zeigt der offizielle Breitbandatlas im Internet: Von dem Ziel, 95 Prozent aller Haushalte mit einem Internetanschluss von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu versorgen, sind sowohl Dahme-Spreewald als auch Teltow-Fläming weit entfernt.

Schnelles Internet für Ludwigsfelde: Weil es sich für die Telekom wirtschaftlich lohnt, wurde bereits Ende 2016 die Kernstadt mit Glasfaser versorgt. Quelle: Jutta Abromeit

So liegt die geforderte Bandbreite etwa nur bei der Hälfte der Kreisstadt Luckenwalde an. Auch im boomenden Speckgürtel herrscht an vielen Stellen Optimierungsbedarf. Schlecht versorgt sind zudem Zeesen, das Baruther Gewerbegebiet Bernhardsmüh, große Flächen in Wünsdorf und zahlreiche Dörfer im Süden.

Viele der weißen Flecken stehen seit mehreren Jahren nach Bedarfsanalysen auf Listen der Landkreise. Für Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald stehen insgesamt fast 30 Millionen Euro Fördermittel zum Ausbau von Leitungen und Anschlüssen in Aussicht. In Dahme-Spreewald war bisher geplant, spätestens bis Ende 2018 mindestens 95 Prozent der Haushalte mit schnellem Internet versorgt und knapp 19 Millionen Euro investiert zu haben.

Fördermittel stecken in der Warteschleife

Als wir 2016 den vorläufigen Bescheid hatten, waren wir noch guten Mutes“, sagt der Breitbandbeauftragte des Kreises, Gerhard Janßen, „doch wir mussten feststellen, dass es ein unglaublich kompliziertes Verfahren ist.“ Statt 2018 ist nun Ende 2020 das Ziel, nicht weil Baufirmen ausgebucht oder die Kosten zu hoch sind, sondern weil die finanzielle Beihilfe vom Bund in der Warteschleife steckt. „Im September rechnen wir nach zwei Jahren endlich mit dem finalen Fördermittelbescheid“, sagt Janßen.

Dann soll ein Vertrag mit einem Telekommunikationsunternehmen geschlossen werden – samt verbindlicher Frist für die Fertigstellung. Der Landkreis ist dann nicht mehr dafür zuständig, die nötigen Baufirmen rechtzeitig zur Hand zu haben, sondern kann höchstens noch in baurechtlichen Fragen unterstützen.

Gerhard Janßen ist Chef der Wirtschaftsförderungsgesllschaft Dahme-Spreewald und Breitbandbeauftragter des Landkreises. Quelle: Gerlinde Irmscher

Weitere 5625 Haushalte im ganzen Kreis Dahme-Spreewald sollen mit dem Projekt ans schnelle Netz angebunden werden. „Das betrifft vor allem kleine Weiler und Ortschaften mit weniger als zehn Haushalten, in denen ein Ausbau für große Firmen selbst nicht wirtschaftlich wäre“, sagt Janßen. Denn das Verlegen und Anschließen von einem Meter Kabel kann bis zu 17.000 Euro teuer sein.

Weil die Kosten jede Rendite um ein Vielfaches übertreffen würden, war das Bundesprogramm 2015 gestartet worden. Doch die Bewilligungen, Analysen und Prüfungen ziehen sich hin. „Seit knapp einem halben Jahr liegt der endgültige Antrag beim Bund und wird von Prüfinstanz zu Prüfinstanz gereicht, bis es in einem Monat soweit sein soll“, erklärt Janßen.

Auch Teltow-Fläming wartet auf Fördermittel

Weil das Verfahren zeit-, kosten- und personalaufwendig ist, sieht der Status quo im Nachbarkreis Teltow-Fläming ähnlich aus. Auch hier flossen bisher keine Fördermittel. Am Monatsanfang ging allerdings eine große Ausschreibung zu Ende. Mehr als 5000 Haushalte und 84 Unternehmen sollen mit zukunftsfähigen Internetanschlüssen versorgt werden. Die Adressliste ist lang und reicht von kleinen Straßen in Dahme über Ortsteile von Baruth und Trebbin bis zu Gewerbegebieten in Großbeeren und Blankenfelde-Mahlow.

In Teltow-Fläming bemisst man die Grundversorgung allerdings anders als im Nachbarkreis. Hier sei die EU-Definition maßgeblich, erklärt der Breitbandbeauftragte Marcel Penquitt. Zu dem Ziel, alle Haushalte mit mindestens 30 Mbit/s zu versorgen, fehlen aktuell nur noch sechs Prozent.

Marcel Penquitt ist beim Landkreis Teltow-Fläming zuständig für den flächendeckenden Ausbau von Breitband. Quelle: Frank Nessler

Weil man im Kreis bereits früher in aufwendige Ausbauarbeiten investierte, ist man mit dem neuen Förderprogramm nun zurückhaltend. „Es kommt eindeutig zu spät“, sagt Penquitt, „dass Glasfaser die Technologie der Zukunft ist, war lange vorher klar.“ In vielen Gebieten – ländlich aber auch städtisch – seien dem Kreis jahrelang die Hände gebunden gewesen.

„100 Prozent zu versorgen, wird wohl nie möglich“

„Unser Problem war bisher immer, dass die meisten Städte mit einem Anschluss mit knapp sechs Mbit pro Sekunde bereits angeschlossen waren“, erläutert Penquitt, „natürlich ist das langsam, aber es galt nicht als unterversorgt.“ Dass die Mindestbandbreiten ständig nur stückchenweise erweitert wurden, habe den Aufwand für Kommunen und Kreis erhöht, sagt er.

Fördermittel hat der Landkreis dennoch beantragt, für knapp 5000 abgelegene Haushalte und über 80 Unternehmen sowie zahlreiche Schulen. Fast 15 Millionen Euro vom Land und dem Bund erwartet Penquitt. 650.000 Euro muss der Kreis selbst beisteuern. Auf den finalen Zuwendungsbescheid hofft der Breitbandbeauftragte bis spätestens April 2019. Wann die Arbeiten abgeschlossen und die Einwohner endlich flächendeckend am schnellen Netz sind? Marcel Penquitt vermag noch kein Datum zu nennen – aber er gibt eine Prognose ab: „Die 100 Prozent komplett zu versorgen, wird aufgrund der ländlichen Struktur wohl nie möglich sein.“

Von Victoria Barnack

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