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Lehrerin auf Umwegen

Königs Wusterhausen Lehrerin auf Umwegen

Der Quereinstieg ins Lehramt ist seit einigen Jahren durch akuten Lehrermangel für Menschen möglich geworden, die beruflich aus ganz anderen Bereichen kommen. Alexa Möder von der Herder-Oberschule in Königs Wusterhausen hat mit der MAZ über ihren etwas anderen Weg ins Lehramt gesprochen.

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Glücklich als Lehrerin: Alexa Möder unterrichtet an der Herder-Oberschule Mathe, Englisch und Deutsch als Fremdsprache.

Quelle: Christina Koormann

Königs Wusterhausen. Am Anfang ihres Berufslebens hatte Alexa Möder zwar den Weg ins Lehramt eingeschlagen, sich aber umorientiert, weil sie sich diesen Job nicht mehr für sich vorstellen konnte. Dann kam es jedoch ganz anders als gedacht.

Frau Möder, was braucht man Ihrer Meinung nach, um ein guter Lehrer zu sein?

Alexa Möder: Man muss geduldig sein, Empathie haben, sich individuell auf das Klientel einlassen, das vor einem sitzt. Man muss in der Lage sein, Strukturen zu setzen, Dinge durchzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.

Haben Sie das gelernt?

Halb. Ich habe Lehramt studiert, das Studium aber abgebrochen. Eigentlich wollte ich nie wieder unterrichten. Aber jetzt bin ich doch noch Lehrerin geworden. Seit eineinhalb Jahren unterrichte ich Mathe, Englisch und Deutsch als Fremdsprache – als Quereinsteigerin.

Und, wie geht es Ihnen mit dem Job?

Er macht mir Spaß. Ich mag es, den Unterricht vorzubereiten. Ich glaube aber, dass es für mich schwieriger ist als für die, die es richtig gelernt haben. Ich muss viel nachholen, das ist eine Doppelbelastung. Manchmal habe ich auch schlaflose Nächte und hoffe, dass alles so läuft wie geplant. Um mein Studium doch noch abzuschließen, habe ich mich wieder an der Uni eingeschrieben und besuche parallel Kurse.

Sie sind an Ihrer Schule nicht die einzige Quereinsteigerin. Aus welchen Bereichen kommen die „neuen“ Lehrer denn noch?

Aus allen Bereichen: Erzieher sind darunter, Sportwissenschaftler, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, Elektrotechniker. Aber es wird nicht jeder einfach so vor eine Klasse gestellt. Für die Quereinsteiger gibt es einen Crashkurs und einen Vorbereitungsdienst, pädagogische Grundlagen müssen nachgeholt und nachgewiesen werden.

Glauben Sie, dass man auch ohne Lehramtsstudium den Lehrerberuf meistern kann?

Es gibt Leute, die machen Abitur, studieren Lehramt, werden dabei im Idealfall von ihren Eltern unterstützt, gehen ins Referendariat – und obwohl alles reibungslos gelaufen ist, sind sie im falschen Job. Ich glaube, mir hat es sehr geholfen, dass ich vorher einen anderen Weg gegangen bin, dass ich viel gesehen und gemacht habe und dabei viel Lebenserfahrung sammeln konnte. Wichtig ist, dass man offen ist, ein freundliches Wesen hat, gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeitet und bereit ist, sich dafür auch weiterzubilden. Durch meinen Weg habe ich einen ganz neuen Respekt vor dem Lehrerberuf bekommen, deshalb tue ich mir jetzt auch noch einmal das Studium an.

Was hatten Sie ursprünglich beruflich denn vor?

Ich wollte nach dem Abi mit Kindern arbeiten und habe mich für Grundschulpädagogik eingeschrieben. Über viele Semester bin ich aber gar nicht in Kontakt mit Schülern gekommen. Deshalb habe ich einen Job als Nachhilfelehrerin angenommen – und gemerkt, dass ich das gar nicht konnte. Dass mir die Autorität und das Selbstvertrauen für diesen Beruf fehlten, dass mir die Verantwortung viel zu groß war. Und als Nachhilfelehrerin stand ich nur vor zwölf Schülern – wie sollte es erst werden, vor einer Klasse mit 30 Schülern zu stehen? Es hatte sich im Kopf eingebrannt: Ich kann das nicht. Ich konnte mir ein Leben als Lehrerin nicht mehr vorstellen.

Wie ging es weiter?

Ich habe mein Studium abgebrochen, bin für ein Jahr nach England gegangen, habe dort meinen Partner kennengelernt und bin mit ihm anschließend nach Australien gezogen. Dort habe ich als Barista gearbeitet, später als Buchhalterin in der Firma meines Mannes. 2015 kam ich aus privaten Gründen zurück nach Deutschland.

Wie kam es dazu, dass Sie wieder an der Schule gelandet sind?

Ich habe zweimal die Woche ehrenamtlich im Bürgertreff und einer Begegnungsstätte mit Kinderhort gearbeitet. Weil dort auch Kinder waren, die bald eine deutsche Schule besuchen sollten, habe ich angefangen, ihnen Deutsch beizubringen. Drei rumänische Kinder kamen an die Herder-Oberschule. Sie haben dort von mir erzählt, und eines Tages kontaktierte mich die Schulleiterin, um mich zu fragen, ob ich dort Deutsch als Fremdsprache unterrichten wolle.

Haben Sie gezögert?

Der Bedarf war einfach da. Und die Sprachvermittlung hat mir Spaß gemacht. Im November 2015 begann ich meinen Unterricht für Schüler aus dem europäischen Raum, Polen, Rumänien, Tschetschenien. Die größere Aufgabe als die Sprache zu vermitteln war, sie auch kulturell zu integrieren. Deshalb habe ich ihnen auch Einblicke in die deutsche Kultur gegeben und war gleichzeitig für alle ein bisschen Mama.

Wie ging es danach für Sie an der Schule weiter?

Nach einem Jahr wurde mein Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, und ich wurde neben meinem Deutschkurs auch in dem Projekt „Schule-Jugendhilfe 2020“ eingesetzt. Darin kommen Schüler zusammen, die soziale und emotionale Störungen haben, die langsamer lernen oder Schulverweigerer sind. Diese Schüler habe ich in Mathe und Englisch unterrichtet. Zusätzlich habe ich auch einen Mathe-Förderkurs gegeben und Schülern bei den Prüfungsvorbereitungen geholfen. Weil zum neuen Schuljahr vier neue 7. Klassen kamen, wurden neue Lehrer gebraucht. Jetzt bin ich fest angestellt, mit Mathe, Englisch und Deutsch als Fremdsprache.

Welche Nachteile sehen Sie für Quereinsteiger?

Natürlich müssen die verfügbaren Stellen zuerst mit Lehrämtlern besetzt werden. Ich verdiene momentan auch weniger als andere Lehrer, das stört mich aber nicht. In höheren Klassenstufen darf ich auch keine Abschlussprüfungen abnehmen, weil mir die Qualifikation fehlt.

Inwiefern hat sich Ihr Blick auf den Lehrerberuf geändert?

Ich bin da reingewachsen. Und ich bin entspannt dabei. Ich glaube, das liegt daran, dass ich zuvor etwas anderes gemacht habe. Das Selbstvertrauen kommt mit dem Alter, man entwickelt sich, wird ein anderer Mensch. Man weiß, wer man ist, weiß, was man kann, und lässt sich deshalb nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Und ich glaube, es liegt an der Schule, am Schülerklientel. Sicher ist das Unterrichten anstrengend, aber der Job gibt mir viel zurück. Es ist schön, wenn die Leute im Flur Hallo sagen und mit ihren Problemen zu mir kommen. Ich kann den Schülern viele Dinge erklären, weil ich sie selbst erlebt habe.


Von Christina Koormann

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