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„Licht machen, Lärm machen, Leute anrufen“

Einbrechern den Kampf ansagen „Licht machen, Lärm machen, Leute anrufen“

Die Haupturlaubszeit ist auch bei Einbrechern beliebt. Sie suchen dann gezielt nach Häusern, deren Bewohner augenscheinlich für mehrere Tage oder Wochen verreist sind. Tatsächlich gibt es aber ziemlich viele Möglichkeiten, einen Einbrecher von seinem Vorhaben abzubringen. Wir haben mit einem Polizisten darüber gesprochen.

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Olaf Lehnhardt, Leiter der Prävention in Luckenwalde, empfiehlt die Nachbarschaftshilfe.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Dahmeland-Fläming. Der Präventionspolizist Olaf Lehnhardt von der Polizeiinspektion in Luckenwalde spricht im Interview über Hauseinbrüche und Möglichkeiten der Sicherung.

MAZ: Herr Lehnhardt, warum häufen sich die Einbruchsfälle in der Region?

Olaf Lehnhardt: Ein Hauptgrund ist, dass es weniger Nachbarschaftshilfe gibt. Wenn man in den Urlaub fährt und vortäuscht, dass man zuhause ist, hat der Täter es schwer. Nachbarn sollten möglichst zu unregelmäßigen Zeiten ins Haus gehen, Licht machen, den Briefkasten leeren, die Jalousien hoch- und runterfahren. Wenn die Jalousien elektrisch so programmiert werden, dass sie immer um 16.22 Uhr hochgehen, merkt der Täter das. Auch einen Anrufbeantworter empfehle ich nicht. Die Täter spähen über einen längeren Zeitraum aus, ob man zu Hause ist, wann man zur Arbeit, zum Einkaufen fährt. Auch auf Facebook sollte man nicht ankündigen, dass es in den Urlaub geht. Das ist ein großer Fehler!

Wann haben Einbrecher es besonders leicht?

Lehnhardt: Am häufigsten kommt es vor, dass Fenster und Terrassentür nicht ausreichend gesichert sind. Oftmals haben die Bewohner dort keine Pilzköpfe – wenn ein Fenster aber mit acht dieser Schrauben gesichert ist, dauert es mehr als 15 Minuten, das zu knacken. Ohne Pilzköpfe sind es nur 20 oder 30 Sekunden. Andere Einwohner haben zwar auf Pilzköpfe beim Hausbau geachtet, haben aber das falsche Gegenstück. Zu empfehlen sind auch verschließbare Fenstergriffe. Die Täter bohren oft ein Loch oberhalb des Fensters und öffnen das Fenster dann mit einem Draht. Wenn es verschlossen ist, geht das natürlich nicht. Unsere Devise lautet: Wir wollen den Tätern das Arbeiten beibringen, denn das wollen sie nicht.

Was ist beliebtes Diebesgut?

Lehnhardt: Geld, EC-Karten, teures Parfüm. Vor kurzem wurde bei einer Familie eingebrochen, auf deren Küchentisch ein 20-Euro-Schein lag. Den haben die Täter nicht mitgenommen – scheinbar befürchteten sie, dass dieser präpariert ist. Laptops sind nicht mehr so gefragt. Vor allem die Täter aus dem nördlichen Bereich benutzen die öffentlichen Verkehrsmittel und müssen dann schnell fliehen können.

Hintergrund

Im Landkreis Teltow-Fläming gab es im Jahr 2014 196 Wohnungseinbrüche – nur vier weniger als 2013. 2011 waren es noch 149, 2012 schon 262.

Die Aufklärungsquote der Polizei ist gestiegen. So konnten im Jahr 2014 23 Prozent aller Wohnungseinbrüche aufgeklärt werden, 2011 waren es noch 13,11 Prozent.

109
der 196

verübten Einbrüche im Jahr 2014 geschahen tagsüber in der Zeit von sechs bis 21 Uhr.

Im Landkreis Dahme-Spreewald wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 117 Wohnungseinbrüche registriert. Hier sind die Einbruchszahlen rückläufig: Im ersten Halbjahr 2014 zählte die Polizei noch 176 Einbrüche. 2013 waren es im ersten Halbjahr 153, 2011 sogar nur 48.

In den Flughafengemeinden Schönefeld und Blankenfelde-Mahlow zählte die Polizei im ersten Halbjahr 2015 22 Einbrüche, im ersten Halbjahr 2014 waren es noch 37.


Dass die Einbruchszahlen in der Region sinken, freut auch Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizei in der Direktion Süd. Die Polizei habe in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Aktionen auf den Rückgang hingearbeitet, sagt sie. So sei etwa die Zusammenarbeit zwischen Polizisten aus Brandenburg und der Hauptstadt intensiviert worden. Außerdem habe die Polizei enorm viel Präventionsarbeit geleistet.

Wichtige Tipps und Informationen bietet die Polizei auf www.polizei-beratung.de und www.k-einbruch.de. Dort kann man auch ein virtuelles Haus ansehen, an dem gezeigt wird, was beim Einbruchsschutz zu beachten ist.

In Zossen nutzen bereits mehrere Familien künstliche DNA. An der Wittlicher Straße und der Paderborner Straße wurden sogar Warnschilder aufgestellt. So wissen potenzielle Diebe, dass sie sich mit einem Einbruch in der Region keinen Gefallen tun. Eine Packung kostet etwa 80 Euro und reicht für rund 80 Gegenstände.

Spezielle Sicherheitsfolien für Fenster gibt es im Internet und in Baumärkten.

Wie kann man seine Wertgegenstände am besten schützen?

Lehnhardt: Man hat die Möglichkeit, seine Sachen mit einer künstlichen DNA zu markieren. Das ist ein Mittel, in dem Mikrochips enthalten sind. Die Polizei hat eine spezielle Lampe, mit der sie Wertgegenstände anleuchten und auf diese DNA überprüfen kann. Mittels der Pin können wir den Besitzer ermitteln. Wenn wir zum Beispiel ein Auto kontrollieren, erkennen wir so Diebesgut. Ich empfehle außerdem, Fenster mit einer zusätzlichen Sicherheitsfolie zu bekleben. Diese hat die Wirkung einer Pkw-Frontschutzscheibe. Man muss schon sehr oft draufschlagen, um sie kaputt zu kriegen. Ich erinnere mich an eine Familie, die sich versehentlich ausgesperrt hatte und durchs Fenster zurück ins Haus wollte. 17 Mal haben sie die Axt geschwungen, ehe die Folie nachgab.

Wie verhält man sich am besten, wenn ein Einbrecher im Haus ist?

Lehnhardt: Ich empfehle für diesen Fall immer dringend „die drei L“: Licht machen. Lärm machen. Leute anrufen, also die Polizei. Die Täter wollen nicht gesehen werden, wenn sie merken, dass jemand zuhause ist, verschwinden sie. Es gab einen Fall, da kam ein Täter durch die Terrassentür. Der Bewohner des Hauses war auf der Couch eingeschlafen. Als der Einbrecher ihn sah, ist er sofort abgehauen.

Was gibt es sonst noch an abschreckenden Maßnahmen?

Lehnhardt: Es gibt spezielle Alarmgeräte für Fenster und Türen, die schrill piepen, wenn diese geöffnet werden. Jede gute Idee ist willkommen – denn jeder Einbruch ist einer zu viel. Geschädigte, insbesondere Frauen, können einen Einbruch und seine Folgen nur schwer wieder vergessen.

Von Anne-Kathrin Fischer

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