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Logistik-Branche boomt rund um den BER

Speditionen und Versandhändler Logistik-Branche boomt rund um den BER

Früher hat sich die Post um Logistik gekümmert, vielleicht noch Speditionen oder Umzugsunternehmen. Seit das Internet aber den weltweiten Handel per Mausklick ermöglicht hat, ist die Logistikbranche aber eine der stärksten Wachstumsbranchen überhaupt. Davon profitiert die Dahmeland-Fläming-Region in besonderem Maße.

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40 Meter hoch und 120 Meter lang ist das Hochregal, in dem Sofas, Schränke und ganze Wohnwände zu Hunderten gelagert werden.

Quelle: Oliver Fischer

Schönefeld.
Küchen, Waschmaschinen und Wohnwände kommen und gehen. Die einzige Konstante bei Möbel Höffner ist das Hochregal, in dem seit fast 25 Jahren alles gelagert wird, was verkäuflich ist oder schon verkauft wurde. Jede Spanplatte, jede Schraube, jeder Kühlschrank, jede messingblinkende Stehlampe.

Zwölf Reihen purer Gigantismus

40 Meter hoch ist das Regal, 120 Meter lang, zwölf Reihen purer Gigantismus. Jede dieser Reihen hat ihren eigenen Kran, jeder dieser Kräne fährt vollautomatisch vor und wieder zurück, versenkt tonnenschwere Paletten irgendwo in den Tiefen des Stahlgestells und holt sie Tage später ebenso automatisch wieder hervor. Die Kunden, die im Internet einen Schrank bestellt oder im Geschäft eine Küche erworben haben, nennen das Möbelkauf. Bei Höffner hat man ein anderes Wort dafür: Logistik.

Logistik ist Organisation, Ordnung, Transport. Bestellungen aufnehmen, Waren ausgeben, Dinge besorgen, Dinge verteilen. In den Achtzigerjahren kümmerten sich darum Speditionen, Umzugsunternehmen und die Post. Heute ist Logistik eine der am stärksten wachsenden Branchen überhaupt, kaum ein Wirtschaftszweig ist mehr ohne denkbar.

Logistik hat Höffner zu einem Händler von nationalem Rang gemacht

Um Interessierten einen Einblick zu geben, was hinter dem Begriff steckt, hat die Branche den Tag der Logistik ins Leben gerufen. Gastgeber dieses Tages war am Donnerstag Möbel Höffner in Waltersdorf. Aus diesem Anlass führten die Mitarbeiter dort Hunderte von Besuchern d

Zahlen und Fakten zur Logistik

123 Unternehmen, die Güter im Straßenverkehr befördern, hat das Landesamt für Statistik in seinem jüngsten Unternehmensregister im Landkreis Dahme-Spreewald gezählt. Im Landkreis Teltow-Fläming waren es 148. In dieser Zahl sind aber längst nicht alle Unternehmen erfasst, die sich mit Logistik beschäftigen.

2165 Unternehmen mit Logistikbezug führt etwa die Industrie-und Handelskammer Cottbus für ihren Kammerbezirk auf, der neben Dahme-Spreewald noch die Landkreise Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und die kreisfreie Stadt Cottbus umfasst. Darunter fallen weltweit agierende Firmen wie die DHL, aber auch kleine Einmann-Unternehmen.

9000 Menschen beschäftigt allein Möbel Höffner an den bundesweit 19 Standorten. Damit ist das Unternehmen hinter Ikea – das ebenfalls ein Möbelhaus in Waltersdorf betreibt – der zweitgrößte Möbelhändler Deutschlands. Allein die Hälfte der Mitarbeiter sind mit Logistik befasst. Jahresumsatz von Höffner: fast zwei Milliarden Euro.

42 500 Quadratmeter Lagerfläche hat das Lidl-Logistikzentrum, das gerade im Güterverkehrszentrum Großbeeren eröffnet wurde. Damit ist es größer als der Hauptterminal des Flughafens Berlin-Brandenburg.

80 Unternehmen haben ihren Sitz im GVZ, fast alles sind Logistiker.

Die Technologie des Hochregallagers ist zwar nicht mehr brandneu, Siemens hat die Anlage kurz nach der Wende in Waltersdorf installiert, aber sie beeindruckt immer noch. Immerhin hat sie Höffner einst von einem relativ kleinen Möbelhändler zu einem Logistikkonzern von nationalem Rang gemacht. Rund 1000 Warenlieferungen verlassen heute das Lager täglich, genauso viele kommen im gleichen Zeitraum wieder herein. Lastwagenweise werden Möbel angeliefert, sie werden umgeladen, in einem von etwa 27 000 Regalfächern verstaut, später müssen sie wiedergefunden, kommissioniert und zum Kunden gebracht werden. 50 Mitarbeiter sind für den Ablauf zuständig. Hinzu kommen 500 Mann, die die Möbel in den Kundenwohnungen aufbauen.

Es ist ein gigantischer Aufwand, aber auch ein gigantisches Geschäft – von dem die ganze Region profitiert. Das Güterverkehrszentrum Großbeeren, in dem fast ausschließlich Logistikfirmen ansässig sind, beschäftigt inzwischen fast 7000 Menschen. Und die Gemeinde Schönefeld gibt dank ihrer Lage an zwei Autobahnen, zwei Bundesstraßen und einem Flughafen allein 81 Logistikfirmen eine Heimat.

Firmen bringen Steuermillionen nach Schönefeld

Darunter befinden sich Branchenriesen wie die Post, DHL, Dachser, Lufthansa, Unitax und Verdion. Letzterer hat gerade wieder Millionen investiert und eine Halle in der Größe von drei Fußballfeldern in die Gemeinde gestellt. Diese Firmen sind mitverantwortlich dafür, dass Schönefeld zu den reichsten Gemeinden Brande

„Die Firmen kommen zu uns, weil wir den Platz haben, der in Berlin nicht zu finden ist“, sagt Bürgermeister Udo Haase (parteilos). Er verschweigt aber auch nicht, dass gerade die Logistiker die Gemeinde vor große Herausforderungen stellen. Allein acht Millionen Euro investiert Schönefeld in diesem Jahr in das Waltersdorfer Straßennetz. Die Mitarbeiter müssen zudem irgendwo wohnen, oder zumindest morgens anreisen können. „Auch die Belastungen für die Feuerwehr sind immens“, sagt Haase. Früher habe die Feuerwehr vielleicht 20 Einsätze pro Jahr gehabt, heute seien es 200 allein aufgrund von Unfällen. Trotzdem bemühe man sich um weitere Ansiedlungen, so Haase.

Möbel Höffner in Waltersdorf war Gastgeber des Tages der Logistik

Möbel Höffner in Waltersdorf war Gastgeber des Tages der Logistik.

Quelle: Oliver Fischer

Und die Interessenten stehen auch schon in den Startlöchern, der Markt scheint derzeit fast grenzenlos. „Das ist auch kein Wunder“, sagt Höffner-Geschäftsführer Thomas Dankert. Schließlich greifen fast vier Millionen Berliner auf die Logistik im Speckgürtel zurück. „Früher haben die Ziegeleien aus dem Umland Berlin versorgt, heute ist es die Logistik.“

Osteuropa als bedeutender Markt

Aber Kunden und Auftraggeber sitzen nicht nur in Berlin. Die Lkw-Flotte von Höffner deckt ganz Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ab, Polen und andere osteuropäische Länder sind bedeutende Märkte, die Hauptstadtregion vermarktet sich sogar als „Mittelpunkt Europas“.

Waren aus Großbeeren, Ludwigsfelde oder Schönefeld gehen zum Teil um die ganze Welt. Das alles erfordert ein Höchstmaß an Technologie – aber trotzdem noch menschliche Arbeitskräfte, und zwar in zunehmender Zahl, wie Thomas Dankert sagt. Die zu bekommen, sei eine große Aufgabe. „Eine der größten, vor denen wir stehen.“

Klaus-Dieter Martens

Klaus-Dieter Martens

Quelle: Oliver Fischer

„Der Begriff Logistik hat sich verändert“

Klaus-Dieter Martens ist Geschäftsführer des Verbands Verkehr und Logistik Berlin und Brandenburg.

Herr Martens, welchen Stellenwert hat der Süden von Berlin für die Logistik-Branche von Berlin und Brandenburg?

Klaus-Dieter Martens: Einen riesigen. Das Güterverkehrszentrum in Großbeeren ist das größte seiner Art in Brandenburg, und wir gehen davon aus, dass sich auch Schönefeld mit der Flughafeneröffnung noch weiter entwickeln wird. Wir haben viele Anfragen von Luftfrachtspeditionen, die sich dort ansiedeln wollen.

Die Region scheint wie gemacht für Logistik. Wieso eigentlich?

Martens: Zum einen ist die Industrie im Süden sehr stark konzentriert. Zum anderen ist die Anbindung gut. Logistiker müssen schnell vor Ort sein und schnell wieder weg kommen. Da ist das südliche Berliner Umland mit Autobahnen, Bahnschienen, Wasserstraßen und Flughafen optimal aufgestellt. Im Übrigen haben aber längst nicht alle Logistiker eine eigene Fahrzeugflotte. Viele, auch durchaus große Firmen, beschäftigen Subunternehmer.

Das alleine erklärt aber noch nicht den immensen Aufschwung, den die Logistik in den vergangenen 20 Jahren genommen hat. Immerhin arbeiten in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald inzwischen weit mehr als 10 000 Menschen in der Branche.
Martens: Das hängt mit der Vernetzung zusammen. Man kauft heute weltweit ein, also müssen Waren auch weltweit geliefert werden. Aber auch der Begriff Logistik hat sich verändert. Früher verstand man darunter Speditionen, heute sind es ganze Wirtschaftsketten. Händler wie Aldi, Lidl oder Zalando haben alle riesige Logistikzentren in Großbeeren, und solche Zentren sind deutlich personalintensiver als reine Speditionen.

Wird sich der Aufschwung der Branche fortsetzen?

Martens: Wir gehen davon aus, aber das hängt von der wirtschaftlichen Lage ab. Wenn auf der Welt ein großer Markt einbricht, spürt man das bei uns sofort.

Interview: Oliver Fischer

Von Oliver Fischer

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