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Luckenwalde Glockenläuten: Lärm oder Wohlklang?
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Glockenläuten: Lärm oder Wohlklang?
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00:21 29.07.2018
Die Jakobikirche in Luckenwalde während einer Renovierungsphase. Quelle: Margrit Hahn
Luckenwalde

Nach jahrelanger Ruhephase konnte der Förderverein die Glocken der Jakobikirche mit einem raffinierten Zusammenspiel denkmalgeschützter Mechanik und moderner Technik wieder zum Leben erwecken. Viele Luckenwalder freuen sich darüber – allerdings gibt es auch heftige Kritik daran.

Vortrag mit anonymer Diskussionsmöglichkeit

Um mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen bot die Kirchengemeinde eine Informations- und Diskussionsrunde mit einem Vortrag von Pfarrer Ulrich Kappes über die Uhr am Mittwochabend an. Anschließend konnten die Besucher ihre Meinungen und Fragen anonym auf Zettel schreiben, die dann von den Pfarrerinnen Julia Daser und Stephanie Hennings vorgetragen wurden.

Vortrag und Diskussion zum neuen Geläut der Jakobikirche am Mittwochabend. Quelle: Antonia Engel

Den Förderverein und die Gemeinde erreichte dabei sowohl viel Lob für ihr Werk als eben auch Kritik. „Das Geläut ist schon von Häufigkeit her sehr grenzwertig“, lautete eine Beschwerde über den viertelstündlichen Turmuhrenschlag und das sakrale Geläut jeweils um 12 und 18 Uhr.

315 Glockenschläge: Ist das nicht zuviel?

Letzteres bezeichnete ein Luckenwalder, der in Schichtarbeit tätig ist, als Lärmbelästigung. Er maß sogar eine Lautstärke von 56 bis 80 Dezibel. Damit liegt die Kirche zwar noch unter dem unter dem gesetzlichen Grenzwert, doch es ist einigen Anwohnern einfach zu laut. Einige Kritiker haben sogar die Zahl der sakralen Glockenschläge gezählt: 315 – sei das nicht zu viel?

Dabei wäre in Kappes Augen der sanfte Anschlag des Viertelstundenschlages, der für große Kirchen die Norm ist, und auch die um zwei Stunden verlängerte Nachtruhe von 21 bis 7 Uhr ein Kompromiss. „Ich verstehe nicht, wie Sie das als Lärm empfinden können“, sagte er und mutmaßte, dass der Ärger durch die jahrelange Ruhephase entstand. Umso stolzer könne man nun über das Läuten sein.

In der Nähe einer Kirche muss man mit Glockenläuten rechnen

Einige Anwohner hätten sich im Vorfeld ein Gespräch gewünscht. Es ging nicht jedem um das Abstellen, sondern vor allem um das Reduzieren der Lautstärke des Glockengeläuts. Sie sehen ihre Wohn- und Schlafqualität deutlich verschlechtert.

Doch es gab Widerspruch. Man müsse mit Glockenläuten rechnen, wenn man in ihre Nähe einer Kirche zieht, sagten andere Anwohner – unter ihnen Wolfgang Schiller, unmittelbarer Nachbar der Jakobikirche. Er sei froh über den Klang der Glocke, sagte er.

Religionsausübung hat Vorrang vor Ruhebedürfnis

Doch für die Kritiker ist das Gebimmel nicht nur zu laut, sondern auch nicht zeitgemäß. Auf den Aufruf zum Gebet könne man verzichten finden sie und fragen sich, wen man damit überhaupt erreichen würde. Doch sei das sakrale Geläut nicht vorrangig ein Aufruf, die Hände zu falten und zum Himmel zu schauen, so Pfarrerin Henning, sondern es ist eine Erinnerung an Gottes Gegenwart im hektischen Alltag und für Kappes „unsere Art nach außen zu wirken“.

Während Kritiker auf ihr Gewohnheitsrecht pochten, stellte Kappes das Grundrecht der freien Religionsausübung heraus. Demnach stehen sakrale Klänge über dem individuellen Ruhebedürfnis.

Anwohner: „Eine Kirche die nicht läutet, lebt nicht.“

Dafür erhielt der Pfarrer Rückendeckung. Einige Anwohner wünschten sich sogar, den ungewohnten, aber für sie schönen Klang auch nachts zu hören. „Es ist schon schade, dass man sich da schnell daran gewöhnt. Denn dann hört man es nicht mehr“, sagte Jens Bärmann. Und Rudolf Haase stellte fest: „Eine Kirche die nicht läutet, lebt nicht.“

Von Antonia Engel

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