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Luckenwalde Leerstandskonferenz sucht Ideen gegen Leere
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20:37 11.10.2018
Die Leerstandskonferenz tagte am Donnerstag in der ehemaligen Generatorenhalle des Alten E-Werks in Luckenwalde. Quelle: Hartmut F. Reck
Luckenwalde

Luckenwalde ist nicht allein. Es gibt viele Orte mit großen Industriebrachen in Ostdeutschland, deren einstige Fabriken leer stehen. Ein Film des MDR „Orte der Arbeit“ zeichnete ein Bild der Tristesse, wo einst Motorräder, Kosmetik oder Seidenblumen „Made in GDR“ hergestellt wurden. Der Film wurde am Mittwochabend bei der öffentlichen Impulsveranstaltung zur 7. Leerstandskonferenz in der Bibliothek im Bahnhof, eines der Luckenwalder Referenzobjekte im Kampf gegen den Leerstand und den Zerfall, gezeigt. „Dieser Film hätte auch in Luckenwalde gedreht werden können“, meinte Stadtplanungsamtsleiter Peter Mann.

Verfall verhindern

Aber nicht nur auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stehen Produktionsstätten ungenutzt herum. Auch in Westdeutschland sucht man nach einer sinnvollen industriellen oder gesellschaftlichen Nachnutzung, oder zumindest Zwischennutzung, um dem Verfall Einhalt zu bieten. Ein gelungenes Beispiel stellte am Donnerstag der Bürgermeister von Kolbermoor in Oberbayern, Peter Kloo (SPD), vor. Ihm ist es mit einer Bürgerinitiative und einem Investor gelungen, das Gelände einer riesigen Industriespinnerei, die 1993 dicht machte, neu zu entwickeln.

Peter Kloo (SPD) ist Bürgermeister von Kolbermoor in Oberbayern. Ihm gelang es mit einer Bürgerinitiative und einem Investor, eine geschlossene Industriespinnerei zu neuem Leben zu erwecken. Er ist Referent auf der Leerstandskonferenz in Luckenwalde. Quelle: Hartmut F. Reck

Zuvor hatte seine Luckenwalder Amtskollegin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) die etwa 130 Teilnehmer der Konferenz in der ehemaligen Generatorenhalle des Alten E-Werks begrüßt und ihre Stadt kurz vorgestellt; vom Beginn der Industrialisierung über die architektonische Blütezeit der 1920er Jahre, den Niedergang in der Nachwendezeit bis zum städtischen Engagement sich gegen diese Entwicklung zu stemmen.

Luckenwalde hat sich neu erfunden

„Diese Stadt hat sich nicht aufgegeben“, so Herzog-von der Heide, „sie hat sich neu erfunden.“ Es sei inzwischen ein steigendes Interesse an der Stadt zu verzeichnen. „Menschen werden angezogen, die an Luckenwalde glauben, die Umnutzung zu Wohnraum ist wieder ein Thema, sogar Künstler haben die Stadt entdeckt“, sagte die Bürgermeisterin stolz.

Das Alte E-Werk in Luckenwalde ist Tagungsort der Leerstandskonferenz. Quelle: Hartmut F. Reck

Das beste Beispiel dafür ist der Veranstaltungsort selbst. Der Künstler Pablo Wendel führte die Konferenzteilnehmer durch sein E-Werk, an dessen Transformation er arbeitet. Gleich nebenan im Alten Stadtbad gab es dann ein „performatives Brainstorming“ zur Frage, was man aus dem Stadtbad machen könne.

Originelle Ideensammlung für das Alte Stadtbad. Quelle: Hartmut F. Reck

Dazu hatten Mitarbeiter der Nonconform-Ideenwerkstatt als verkleidete Bademeister in einem Planschbecken Ideen gesammelt. Und das ganz im Sinne der Bürgermeisterin, die die Konferenzteilnehmer aufforderte: „Bereichern Sie uns mit Ihren Spinnereien!“

Roland Gruber ist Architekt, Geschäftsführer der Nonconform Ideenwerkstatt GmbH mit Sitz in Wien und Berlin und Initiator der Leerstandskonferenz. Quelle: Hartmut F. Reck

„Diese Stadt hat irgendwas“, sagte der Architekt, Nonconform-Chef und Erfinder der Leestandskonferenzen, Roland Gruber. „Es gibt keinen besseren Ort für diese Konferenz als Luckenwalde“, meinte der Österreicher anerkennend. Dabei gab es schon sechs solcher Konferenzen in seiner Heimat, wo vor allem der ländlichen Raum vom Leerstand betroffen ist. Diese Konfernz nun ist die erste in Deutschland.

Studenten aus Deutschland und Österreich

Damit hat Gruber eine ganze Reihe von Studenten diverser Fachrichtungen aus allen Bundesländern der beiden Republiken nach Luckenwalde gelockt. Sie mussten sich mit Motivationsschreiben um eine kostenlose Teilnahme an der Konferenz bewerben. Dort können sie noch bis Freitag Ideen für Luckenwalde entwickeln, sich aber auch von diesem Ort inspirieren lassen. Etwa bei der Stadtwanderung am Donnerstagabend zu den Beispielen der Baukultur und Vorzeigeprojekten der Stadt, wie Bahnhof, Güterbahnhof, Gewerbehof und neue Feuerwache.

„Was leer steht, muss bleiben“

„Auch ich habe immer an diese Stadt geglaubt“, betonte Landeskonservator Thomas Drachenberg, der vor 20 Jahren über die Baugeschichte Luckenwaldes promovierte. Für ihn dürfe man „erst gar keine Leere in den Köpfen entstehen lassen“. Und: „Was leer steht, muss bleiben!“ Als gelungenes Beispiel nannte er das vom Schandfleck zur intakten Ruine entwickelte Schloss in Dahme.

Von Hartmut F. Reck

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