Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Luckenwalde Operation ohne Risiko – am Schweinefleisch
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Operation ohne Risiko – am Schweinefleisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:14 12.10.2018
Die Ärzte Ullrich Fleck (r.), Frank Schischke (3.v.r.) und Jan Dornbusch (l.) sowie zwei Assistenzärzte beim Operieren mit 3D-Technik. Quelle: Foto: Wenke
Luckenwalde

Weiterbildung und praktisches Training sind für medizinische Operateure ein Muss, insbesondere für junge Assistenzärzte. Doch am lebenden Patienten darf man sich nicht den kleinsten Fehler erlauben und „Trockenübungen“ sind wenig effektiv. „Wir bieten hier praxisnahe Bedingungen ohne Risiko“, sagt Ullrich Fleck, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Luckenwalder DRK-Krankenhaus. Ein Dutzend Ärzte aus Luckenwalde und Treuenbrietzen nahmen am Freitag dort an einer praktischen Weiterbildung teil.

Der 3-D-Monitor. Quelle: Elinor Wenke

Hand angelegt wurde an zerteiltem Schweinefleisch, um möglichst lebensnahe Bedingungen zu bieten. „Auch wenn es seltsam klingt, das Schwein ist dem Menschen medizinisch gesehen sehr ähnlich“, erklärt Ullrich Fleck. Um eine echte OP mit Blutfluss zu simulieren, wird das Gewebe mit einer gefärbten Flüssigkeit durchströmt. Das wissenschaftliche Knowhow stellten zwei Unternehmen aus der Pharma-Branche zur Verfügung.

Operiert wurde an zwei Tischen minimalinvasiv, das heißt in der sogenannten Schlüssellochtechnik, welche die Patienten weniger belastet. Sogar dreidimensionale OP-Technik mit Kamera stand zur Verfügung. Die Mediziner müssen dafür spezielle Brillen tragen, um am 3D-Monitor das Geschehen zu verfolgen. Zwei junge Assistenzärzte aus Venezuela gingen mit Skalpell, Schere und Präparierklemme an Galle und Leber eines Schweins ans Werk.

Über die Schulter geschaut

Erfahrene Operateure wie Chefarzt Ullrich Fleck oder Oberarzt Frank Schischke schauten ihnen über die Schulter und gaben fachlichen Ratschlag. „Sie machen das sehr souverän“, lobte Fleck, „und sollte tatsächlich etwas schief gehen, ist es heute kein Drama.“

Aber auch gestandene Mediziner wie Jan Dornbusch, Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, übten sich am tierischen Patienten. „Man lernt nie aus und muss sich ständig weiterbilden“, so Dornbusch, der die mehrstündige Veranstaltung zum ersten Mal im Krankenhaus organisiert hatte. „Wir müssten unsere jungen Ärzte sonst weit weg und aufwendig zur Weiterbildung schicken“, erklärte er.

Oberarzt Jan Dornbusch (l.) und Chefarzt Olaf Schega übten Naht-Techniken. Quelle: Elinor Wenke

Olaf Schega, Chefarzt der Thorax-Chirurgie im Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen, nutzte ebenfalls den OP-Tisch für ein praktisches Training. „Hier kann ich spezielle Naht-Techniken und Knoten üben“, sagte er. „So kann man beispielsweise gesundes Gewebe per Hand wieder an gesundes Gewebe annähen“, erklärte der Chefarzt weiter. Seine Fachabteilung ist eines von insgesamt zehn thorax-chirurgischen Zentren in Deutschland.

Auch die beteiligten Unternehmen zeigten sich zufrieden. „Wir haben das Equipment und dank der guten Zusammenarbeit mit Veterinären auch das benötigte organische Material“, sagte Bernd Kiefert, Mitarbeiter eines Berliner Pharma-Unternehmens. „Und wir bringen die Ausstattung ins Haus, so dass die Ärzte in ihrer gewohnten Routine arbeiten und sich gleichzeitig weiterbilden können.“

Von Elinor Wenke

Mit 105 Jahren ist Otto Hübner der älteste Luckenwalder.

12.10.2018

Mit einer Leerstandskonferenz will die Stadt Luckenwalde aus Austragungs- und Betroffenheitsort Ideen gegen die Leere in den Industrieruinen sammeln. Es geht aber auch gegen die Leere in den Köpfen.

11.10.2018

Für die Radsportler der Luckenwalder Sportgemeinschaft SG Stern soll im Seelenbinder-Stadion ein neues Gerätelager für 105.000 Euro entstehen. Den Großteil des Geldes stellt die Stadt zur Verfügung.

10.10.2018