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Luckenwalde Zainab aus Afghanistan wird in Luckenwalde behandelt
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17:17 13.03.2019
Zainab aus Afghanistan hier mit Schwester Ilka (l.) und Viola Adam im Luckenwalder Krankenhaus. Quelle: foto: Margrit Hahn
Luckenwalde

Wenn die neunjährige Zainab die Schwestern auf der Kinderstation des Luckenwalde mit ihren dunkelbraunen Rehaugen anschaut, können ihr diese kaum einen Wunsch abschlagen. Das Mädchen aus Afghanistan wird seit September 2018 im Luckenwalder Krankenhaus behandelt. Sie war zu Hause die Treppe heruntergefallen und wurde in ihrer Heimat dreimal am Bein operiert – doch ohne durchschlagenden Erfolg. Und dort konnte man nichts mehr für sie tun, ihr drohte der Verlust des Beines. Zainabs Vater hatte sich deswegen 2017 an die Organisation „Kinder brauchen uns“ gewandt. Der Verein koordiniert seit 2002 humanitäre Hilfe und sucht deutschlandweit nach Krankenhäusern, die Kinder kostenlos behandeln. Die Bedingung ist, dass sich Gastfamilien finden, die die kleinen Patienten während ihres Aufenthalts betreuen.

Ein Herz und eine Seele auch mit Schwester Kathrin. Quelle: Margrit Hahn

„Wir haben uns vor einiger Zeit schon um Asma gekümmert, die ebenfalls aus Afghanistan kam und in Luckenwalde medizinisch versorgt wurde“, erzählt Viola Adam aus Luckenwalde. Ihr Mann Frank arbeitet beim DRK als Technischer Leiter der Region Brandenburg und kannte das Schicksal der Kinder. Adams hatten im vergangenen Jahr nachgefragt, ob auch Zainab in Luckenwalde behandelt werden könnte und erhielten grünes Licht. Erst dann wurde die Neunjährige nach Deutschland geholt.

„Sie kam mit einer chronischen Knochenentzündung des linken Oberschenkels nach Luckenwalde und musste mehrmals operiert werden“, sagt der ehemalige Chefarzt Thomas Kolombe. Vier Monate trug sie einen Fixateur.

Inzwischen hat sich schon einiges an Spielzeug angesammelt. Quelle: Margrit Hahn

Viola Adam ist Lehrerin am Luckenwalder Friedrich-Gymnasium. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Sylvia kümmert sie sich täglich um das Mädchen. Sie lesen ihr vor, malen und basteln mit ihr und haben sie Weihnachten zu sich nach Hause eingeladen. Inzwischen spricht die Kleine sehr gut deutsch. Die Schwestern der Station haben sie zweimal ins Kino eingeladen; Silvester verbrachte sie mit Schwester Kathrin auf der Station. Zudem durfte sie auf dem Krankenhausgelände ein Beet anlegen.

Koffer waren gepackt

Am vergangenen Sonnabend sollte Zainab eigentlich wieder nach Hause fliegen. Viola Adam hatte schon das Ticket gebucht und die Koffer gepackt. Das Mädchen war glücklich, dass es endlich wieder zu seiner Familie kommen sollte. Doch dann gab es schlechte Nachrichten. Ein Stück des toten Knochens hatte eine Entzündung hervorgerufen. Und so muss Zainab weiterhin im Luckenwalder Krankenhaus bleiben. Viola Adam schaffte es aber sie aufzumuntern. „Dann erlebst du hier noch das Osterfest. Wir bemalen Ostereier und der Osterhase kommt“, versprach sie.

Nach dem Osterfest möchte Zainab unbedingt wieder zurück in ihre Heimat Afghanistan. Quelle: Margrit Hahn

Ihr Krankenhausbett würde Zainab sowieso am liebsten mit in ihre Heimat nehmen. „Zuhause schlafe ich mit meinem Eltern und mit meinen sechs Geschwistern auf der Erde“, berichtet sie. Als sie vor einem Jahr ankam, trug sie nur einen Schlafanzug und Plastiklatschen und war abgemagert. Inzwischen hat sie fünf Kilogramm zugenommen. Ihr Kleider- und Spielzeugschrank ist gut gefüllt.

Zainabs Schicksal bewegt auch andere: Vor einiger Zeit wurde Klara, eine Schülerin des Gymnasiums, auf der Kinderstation behandelt. Sie war schockiert, dass Zainab solange von ihrer Heimat und den Eltern weg ist. Wieder in der Schule berichtete sie ihren Mitschülern über Schicksal der Neunjährigen. Daraufhin organisierten die Schüler einen Kuchenbasar für sie.

Trost für Bettnachbarin

Als sie vor einiger Zeit eine Zimmergenossin bekam, fing diese an zu weinen, weil die Mutter für kurze Zeit den Raum verlassen hatte. Zainab versuchte sie zu trösten. Doch das Mädchen hörte nicht auf zu weinen. Daraufhin stellte Zainab klar, dass die Mama gleich wiederkommt. „Was soll ich denn sagen, meine Mama ist auch nicht da – und die kommt auch nicht. Die ist weit weg in Afghanistan“, erklärte sie der Bettnachbarin, worauf diese verdutzt schaute und das Weinen vergaß.

Schulgeld bezahlen

Alles was sie erlebt, hält Viola Adam mit dem Handy fest. Das Fotoalbum geht dann mit auf die Reise. Viola Adam will sich erkundigen, ob Zainab in Afghanistan in die Schule gehen kann. Bisher war das nicht der Fall. Sie und ihre Geschwister müssen arbeiten, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Adams würden gern das Schulgeld für das Mädchen bezahlen. Zainab möchte später Krankenschwester werden. Sie weiß, dass dies nur möglich ist, wenn sie die Schule besucht.

Von Margrit Hahn

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