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Rudi Dutschkes Pulli hinter Glas

Witwe des Studentenführers zu Besuch in Luckenwalde Rudi Dutschkes Pulli hinter Glas

In Luckenwalde liegt wahrscheinlich einer der bekanntesten Pullover Deutschlands. Im Heimatmuseum ist Rudi-Dutschkes-Ringel-Sweatshirt hinter einer Glasvitrine ausgestellt. Am Montag war Dutschkes Witwe im Museum. Sie hatte ihrem Mann den Pulli einst geschenkt, obwohl das Kleidungsstück eigentlich für sie vorgesehen war.

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Gretchen Dutschke und Roman Schmidt vor dem legendären Ringelpullover.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. „Bekanntester Pulli Deutschland“ steht unter dem Ringelpullover in der Vitrine des Luckenwalder Heimatmuseums. Er sei von Rudi Dutschke, heißt es stets dazu. Das ist aber nur die halbe Wahrheit; die ganze brachte am Montag Gretchen Dutschke-Klotz, die 70-jährige Witwe von Rudi Dutschke, ans Tageslicht. „Den Pullover hatte mir meine Mutter zu meinem 18. Geburtstag gestrickt“, berichtete sie bei einem Museumsbesuch. Weil aber „ihrem Rudi“ der schwarz, braun und olivgrün geringelte Pullover so gut gefiel, trug er ihn meistens – sowohl auf Demonstrationen, bei Versammlungen und im Fernsehinterview mit Günter Gaus. Der Pullover wurde zu seinem Markenzeichen.

Gretchen Dutschke, die nach einem langen Amerika-Aufenthalt 2009 nach Deutschland zurückgekehrt ist, wohnt jetzt in Berlin in einer Wohngemeinschaft. Und mit ihren WG-Mitstreiterinnen stattete sie dem Heimatmuseum einen Besuch ab. So kam es auch zum Wiedersehen mit ihrem Schwager Manfred Dutschke, der die Frauen vom Bahnhof abholte und ihnen die Stadt zeigte – unter anderem die Stele für Rudi Dutschke an der Kreuzung von Theater- und Breiter Straße.

Als Anfang der 1990er Jahre in Luckenwalde eine Ausstellung über Rudi Dutschke gezeigt werden sollte, suchte Museumsleiter Roman Schmidt neben Fotos und Dokumente nach besonderen Ausstellungsstücken. Und die brachte ihm Helmut Dutschke, der Bruder von Rudi. „Ich weiß noch genau, dass er damals zwei prallgefüllte Aldi-Tüten in der Hand hielt. Aus einer schaute der Ringelpulli raus“, berichtet Schmidt. Neben dem Pullover befand sich darin eine Lederjacke sowie das Manuskript der Doktorarbeit mit Original-Korrekturen, ein silberfarbener Kugelschreiber, mit dem Dutschke die Arbeit geschrieben hatte, und sein erster Ausweis von West-Berlin. Die Sachen kamen damals aus Amerika von Gretchen Dutschke. Die Familie hatte sich entschlossen, dass diese persönlichen Sachen an den familiären Ursprung zurückkommen sollten – nach Luckenwalde.

Der legendäre Studentenführer

Rudi Dutschke wurde 1940 in Schönefeld (Nuthe-Urstromtal) geboren und zog dann mit den Eltern und drei Brüdern nach Luckenwalde.

1958 hielt er am Gymnasium seine erste öffentliche Rede. Er sprach sich gegen eine Wiederbewaffnung Deutschlands und die Rekrutierungsmaßnahmen der Nationalen Volksarmee aus.

Seine Abiturnote wurde daraufhin auf 3 herabgesetzt und er konnte nicht mehr Journalistik studieren.

Im Sommer 1961 kurz vor dem Mauerbau ging er nach West-Berlin und wiederholte dort sein Abitur.

In West-Berlin führte er im Sozialistischen Deutschen Studentenbund Proteste unter anderem gegen den Vietnamkrieg und gegen autoritäre Strukturen an. Er wurde zu einer Symbolfigur der 68-er Bewegung.

Als Anarchist angefeindet, wurde er 1968 durch ein Attentat schwer verletzt. Nach teilweiser Genesung war er ab 1971 Universitätsdozent in Aarhus (Dänemark) und starb am 24.Dezember 1979 an den Spätfolgen des Attentats. Er hinterließ Ehefrau Gretchen und drei Kinder.

Die Frauen waren begeistert vom Luckenwalder Museum. Gretchen Dutschke, die nie wieder geheiratet hatte, schrieb sich ins Gästebuch des Museum ein und lobte den sehr lebendigen Geschichtsvortrag von Roman Schmidt.

Ingrid Tillman aus Hawaii, die derzeit eine Freundin in der Berliner WG besucht, kennt Rudi Dutschke noch persönlich. „Ich habe ihn 1968 in Göttingen erlebt. Wir haben damals gegen den Vietnamkrieg demonstriert und er hielt dort einen Vortrag“, sagt sie, „er war der politische Held meiner Studienzeit.“

Von Margrit Hahn

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