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Luckenwalder Bäckerei schließt nach 186 Jahren

Ehepaar Fincke verabschiedet sich aus dem Brötchengeschäft Luckenwalder Bäckerei schließt nach 186 Jahren

Donnerstagnacht steht Werner Fincke zum letzten Mal in seiner Backstube, um Kuchen, Brötchen und andere Leckereien zu backen. Wenn es nach Werner und Bärbel Fincke gegangen wäre, hätten sie gern noch bis April nächsten Jahres ihre Bäckerei weiterbetrieben, bis zum 45-jährigen Bestehen.

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Luckenwalde. In Luckenwalde endet nach 186 Jahren eine Backtradition. Weil das Gebäude am Luckenwalder Markt verkauft wurde und saniert werden soll, verabschiedet sich ein Traditionsbäcker einige Monate früher als geplant.

Der Konditormeister Werner Fincke und seine Frau Bärbel übernahmen ihr Geschäft vor 44 Jahren. Werner Fincke war damals mit 22 Jahren der jüngste Konditormeister in der Stadt. Dabei stammte er aus einer Fleischerfamilie des Nachbarhauses und durchbrach mit der Aufnahme des süßen Handwerks die eigene Familientradition. Um 1970 überhaupt eine Gewerbegenehmigung zu bekommen, musste er neben Kuchen und Torten auch Brot und Brötchen backen. "Als wir anfingen, gab es in Luckenwalde noch 22 Bäcker", sagt Fincke.

Seit die Kunden wissen, dass am 7. Juni das Geschäft geschlossen wird, ist der Ansturm groß. Vor allem die beliebten Brötchen, aber auch Kuchen und Gebäck gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Werner Fincke erinnert sich noch gut daran, dass nach der Wende in der Branche regelrechte Euphorie herrschte, was die verlockenden Zutaten aus dem Westen anging. "Letztendlich haben sich aber unsere altbewährten Produkte durchgesetzt", sagt der Konditormeister, der in der kommenden Woche seinen 67.Geburtstag feiert. Auch künftig will er hin und wieder backen, vor allem Stollen und Gebäck für die Weihnachtszeit. "Das wird eine Umstellung, den Haushaltsofen zu bedienen. Da habe ich jetzt schon Bammel. Hier bei meinem großen Ofen, da wusste ich immer, was Sache ist", stellt er fest.

Inzwischen sieht der zweifache Vater und Opa den Ruhestand eher mit einem lachenden als mit einem weinenden Auge. Eins weiß er mit Sicherheit - ein Langschläfer wird er nie. Nicht mal sonntags, wenn er ausschlafen könnte, bleibt er länger im Bett.

Am meisten freut sich das Ehepaar darauf, Zeit für die Familie und für Hobbys zu haben. Neben Gartenarbeit, Radtouren und Spaziergängen wollen sie mal wieder in den Urlaub fahren. "Es gibt in Deutschland so viele schöne Ecken, die wir noch nicht gesehen haben", sagt Bärbel Fincke. Ihr wird der Kontakt zu den Kunden fehlen. Sie sah in den Jahren mehrere Generationen aufwachsen. "Es war schön, wenn Mutter und Oma ins Geschäft kamen, um eine Puddingschnecke zu kaufen und festgestellt haben, dass sie diese als Kind schon gern aßen."

Dass die eigenen Kinder die Bäckerei nicht übernehmen würden, stand schon lange fest. Sowohl die Tochter als auch der Sohn haben sich beruflich anders orientiert.

 

Bäcker-Generationen

In der Chronik der Stadt Luckenwalde von 1930 ist zu lesen, dass Bäckermeister Wilhelm Nitsche im Jahr 1828 am Markt 21 in Luckenwalde eine Bäckerei gegründet hatte.

Als Spezialitäten gingen damals Roggenbrot, Rheinisches Schwarzbrot sowie Schlüter- und Grahambrot über den Ladentisch.
Später übernahm dessen Sohn Wilhelm, darauf sein Enkel Heinrich die Geschicke der Bäckerei. Die Familie hatte über Generationen auch in diesem Haus gewohnt.

Dass die Tradition an diesem Standort weitergeführt wurde, ist Werner und Bärbel Fincke zu verdanken.

 

Von Margrit Hahn

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