Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Luckenwalder Krankenschwester im Weltkrieg

Rotkreuz-Museum Luckenwalder Krankenschwester im Weltkrieg

Im Rotkreuz-Museum Luckenwalde ist ein neuer Ausstellungsbereich über Krankenschwestern im Zweiten Weltkrieg zu sehen. Erzählt wird sie am Beispiel von Klara Meyer, einer Rotkreuz-Schwester, die in diversen Lazaretten die Schrecken des Krieges erlebte – und in Erinnerung behielt.

Voriger Artikel
Fördermillionen für Schulsanierungen
Nächster Artikel
Multimedia-Künstler aus Zeuthen

Museumsleiter Rainer Schlösser (l.), DRK-Kreischef Harald Albert Swik und Theresia Gruschka vor der neuen Ausstellung.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Drei Kreuze sind in einer neuen Ausstellungsvitrine im DRK-Museum Luckenwalde zu entdecken: Das Kruzifix trug die gläubige Katholikin Klara Meyer stets mit sich. Für das Deutsche Rote Kreuz arbeitete sie während des Zweiten Weltkriegs als Krankenschwester, um für das Überleben der verwundeten Soldaten zu kämpfen. Und über allem Tun prangte das Hakenkreuz, das Symbol der Nationalsozialisten, die den Zweiten Weltkrieg entfacht hatten und viele Millionen Kriegstote und -verletzte zu verantworten haben.

Zwischen Pflichterfüllung und Kriegsschrecken

Die Rotkreuz-Schwester Klara Meyer (1907 bis 1999) erlebte die Zeit von 1941 bis 1945 zwischen Pflichterfüllung, persönlichem Ethos und den persönlich erlittenen Schrecken des Krieges. Aus ihrem Nachlass hat das Rotkreuz-Museum in Luckenwalde nun eine neue Vitrine gestaltet in dem Raum, der die Zeit des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert.

Klara Meyer, die ursprünglich aus Oberschlesien stammte, hat die letzten 20 Jahre ihres Lebens von 1979 bis 1999 bei ihrer Tochter und deren Familie in Luckenwalde verbracht. Zu ihren stets gehüteten Erinnerungsstücken gehörte ein kleiner Koffer, der sie während der gesamten Kriegszeit begleitete. Darin befand sich ihre blau-weiß gestreifte Schwesterntracht samt Rotkreuz-Brosche am Kragen, weißer Schürze und weißer Haube. Daneben waren ihr Kruzifix, zwei Unterrichtsbücher über Krankenpflege, damalige Ausweispapiere und ein Fotoalbum aus ihrer Rotkreuzzeit.

Spitzname „Schwester Schnell“ von den Soldaten

Sogar eine Kriegsverdienstmedaille samt Urkunde gehört dazu und ein Blechspielzeug, das Schwester Klara wohl noch stolzer gemacht hatte als der Blechorden. Denn das kleine Rennauto wurde ihr von verwundeten Soldaten überreicht, die ihr den Spitznamen „Schwester schnell“ gegeben hatten, „weil sie immer gleich zur Stelle war, wenn sie gebraucht wurde“, erzählt ihre Tochter Theresia Gruschka.

Sie hat den Nachlass ihrer Mutter zu Rainer Schlösser, dem Leiter des Rotkreuz-Museums, gebracht, der dafür extra eine Vitrine freiräumte. Dort sind nun eben jene Ausstellungstücke zu sehen, die Klara Meyer so lange in dem kleinen Koffer aufbewahrte. Neben der Vitrine steckt eine zwölfseitige Broschüre, in der Erinnerungen von Theresia Gruschka an ihre Mutter und deren Rotkreuzzeit nachgelesen werden können.

Je länger der Krieg, desto schlimmer die Verletzungen

„Das alles gibt uns einen guten Einblick, wie es den Rotkreuz-Schwestern während des Krieges erging“, sagt Harald-Albert Swik, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Fläming-Spreewald. Und deren Erlebnisse waren meist schrecklich. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr versehrte Soldaten kamen in die Lazarette und desto schwerer waren ihre Verletzungen. „Meine Mutter erzählte von Amputationen von Gliedmaßen nach Erfrierungen“, berichtet Theresia Gruschka. Besonders schwere Fälle waren die so genannten Panzerverbrannten.

Ihre Mutter habe so manchem jungen Soldaten während der Nachtwache die Augen zugedrückt. Die überlebenden Soldaten hätten oft versucht, ihre Genesung hinauszuzögern, um nicht bald wieder kämpfen zu müssen. So habe einer seine fast verheilte Wunde am Oberschenkel wieder aufgerissen.

Simulanten kamen direkt zurück an die Front

Wenn aber solche Selbstverletzungen bekannt wurden, erhielten diese Soldaten nach ihrer Genesung keinen Heimaturlaub und wurden gleich wieder an die Front geschickt, weiß Theresia Gruschka aus den Erzählungen ihrer Mutter. Besonders schlimm waren Schwester Klaras Erlebnisse in der Nähe von Dresden, wo sie die Bombenangriffe im Februar 1945 miterlebte.

Nach dem Kriegsende schied Klara Meyer aus dem Dienst des Roten Kreuzes und der Armee aus. Ihre Erinnerungen aber blieben und werden nun im Rotkreuz-Museum wach gehalten. Es ist eine Einrichtung des DRK-Kreisverbandes Fläming-Spreewalde, der selbst schon über 150 Jahre alt ist.

Info: Bis zum 8. April 2016 ist das Luckenwalder Rotkreuz-Museum wegen Krankheit geschlossen. Individuelle Besuchstermine können unter Telefon 0 33 71/62 57 11 vereinbart werden

Von Hartmut F. Reck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg