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Luckenwalder Trinkwasser mit Blei verseucht

Gesundheitsrisiko Luckenwalder Trinkwasser mit Blei verseucht

Das Trinkwasser von tausenden Haushalten in Luckenwalde ist mit Blei belastet. Das bestätigte die Stadt auf CDU-Anfrage. Demnach gibt es 600 Hausanschlüsse aus dem 19. und 20. Jahrhundert mit Bleirohren. Diese können die seit 2013 geltenden Grenzwerte nicht erfüllen. Immerhin sollen die betroffenen Bürger jetzt informiert werden.

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Blei im Wasser ist eine Gesundheitsgefährdung.

Quelle: dpa

Luckenwalde. Im Luckenwalder Stadtgebiet gibt es zahlreiche Trinkwasserleitungen die durch Blei belastet sind. Betroffen sind rund 600 Anschlüsse – und damit einige tausend Luckenwalder. Bis in die 1970er Jahre wurden Bleirohre in der Stadt verlegt. Über Messwerte zur Bleibelastung wollen weder Stadt noch die Nuthe Wasser- und Abwasser-GmbH (Nuwab) auf Anfrage bislang Auskunft geben.

In der Luckenwalder Innenstadt liegen teilweise alte Bleileitungen

In der Luckenwalder Innenstadt liegen teilweise alte Bleileitungen.

Quelle: Margrit Hahn

Mit der neuen Trinkwasserverordnung vom 28. November 2011 wurde der Grenzwert für Blei von 0,025 mg/l auf 0,01 mg/l gesenkt. Der Gesetzgeber ließ eine Übergangsfrist bis zum 30. November 2013 mit dem Grenzwert von 0,025 mg/l gelten. Diese Regelung sollte den Wasserversorgern die Möglichkeit geben, alle vorhandenen Bleirohre auszutauschen. Blei gilt als Nerven- und Blutgift. Wegen seiner neurotoxischen Effekte ist Wasser aus Bleirohren für Schwangere, Säuglinge und Kinder bis zu sechs Jahren ungeeignet.

600 Trinkwasseranschlüsse mit Bleirohren

Sven Petke (CDU) fragte in der jüngsten Stadtverordnetensitzung nach, ob im Trinkwasserbereich im Verantwortungsbereich der Nuwab noch Bleirohre vorhanden seien. Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide erklärte, dass die Hauptleitungen für die städtische Wasserversorgung keine Bleirohre enthalten. Es gebe allerdings Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende um 1900 mit etwa 600 Trinkwasseranschlüssen aus Blei.

Betroffene Straßenzüge

Ackerstraße, Alex-Sailer Straße, Am Anger, Am Wall, Anhaltstraße, Auf dem Sande, Auguststraße, Bahnhofstraße, Baruther Straße, Beelitzer Straße und Tor, Bergstraße, Berkenbrücker Chaussee, Berliner Straße, Brahmbuschstraße, Brandenburger Straße, Breite Straße, Buchtstraße, Burg, Bussestraße, Carlstraße, Dahmer Straße, Dessauer Straße, Feldstraße, Fontane Straße, Forststraße, Frankenfelder Straße, Frankenstraße, Galmer Straße, Gartenstraße, Geraer Straße, Gottower Straße, Grabenstraße, Große Weinberg Straße, Grünstraße, Haag, Heidestraße, Heinrich Zille Straße, Holzstraße, Jänickendorfer Straße, Jüterboger Straße und Tor, Käthe Kollwitz Straße, Kleine Weinbergstraße, Kurze Straße, Lindenallee, Markt, Mauerstraße, Mittelstraße, Mozartstraße, Mühlenstraße, Mühlenweg, Neue Baruther Straße, Neue Beelitzer Straße, Neue Busse Straße, Neue Parkstraße, Parkstraße, Petrikirchstraße, Poststraße, Potsdamer Straße, Puschkin Straße Rosa-Luxemburg-Straße, Rudolf-Breitscheid Straße, Schillerstraße, Schützenstraße, Spandauer Straße, Steinstraße, Stiftstraße, Theaterstraße, Trebbiner Straße, Triftstraße, Upstallweg, Wiesenstraße, Woltersdorfer Straße, Zahner Straße, Ziegelstraße, Zinnaer Straße.

Auf Nachfrage von Christoph Guhlke (CDU), ob betroffene Bürger über das Problem informiert seien, entgegnete die Bürgermeisterin, dass  die Eigentümer, bei denen Bleileitungen vermutet werden, angeschrieben werden. Ihr zufolge wird die Nuwab die Rohre vom Hauptanschluss bis zum Wasserzähler austauschen. Der Eigentümer muss die bauliche Maßnahme gemäß Satzung dulden. Leitungen im Haus muss er selbst auszutauschen. Die Nuwab werde den mögliche Zeitraum des Rohraustauschs mit den Eigentümern abstimmen.

Kritik an Trinkwasserversorger

„Ich kritisiere deutlich, dass man uns das Problem, das hunderte bis tausende Luckenwalder betrifft, bisher verschwiegen hat“, beschwert sich Petke. Es habe genügend Sitzungstermine gegeben. Aufsichtsratsvorsitzender Ingo Reinelt sei bereits im März in Kenntnis gesetzt worden, so Petke weiter: „Die Bürgermeisterin hat dafür Sorge zu tragen, dass Gesetze eingehalten werden und dass keine Gesundheitsgefahren im Trinkwasser für die Kunden der Nuwab drohen.“

Betroffene Straßenzüge

Betroffene Straßenzüge.

Quelle: Margrit Hahn

Er hat dem Rathaus inzwischen einen Fragenkatalog zugeschickt. Darin möchte er unter anderem wissen, welche Hausanschlüsse mit einer Trinkwasserleitung aus Blei ausgestattet und wie viele Einwohner, die unter den betroffenen Adressen gemeldet sind, jünger als drei Jahre sind. Kritisch sieht der CDU-Mann auch das Verhalten der Nuwab. „Die Trinkwasserverordnung sehe schon seit Jahren ein Absenken des Bleigrenzwertes vor. „Mit dem Grenzwert von 0,01 mg Blei pro Liter wurden Bleirohre als Trinkwasserleitung unbrauchbar und mussten gegen Rohre aus besser geeigneten Werkstoffen ausgetauscht werden“, so Petke: „Warum unterließ die Nuwab den Austausch?“

Nuwab will bis Ende 2017 Bleirohre austauschen

Die Nuwab erklärte schriftlich, dass in den vergangenen Jahren „kontinuierlich im Zusammenhang mit Investitionsmaßnahmen in großem Umfang eine Auswechslung derartiger Grundstücksanschlüsse vorgenommen wurden“. Die Firma, deren Gesellschafter Luckenwalde und Nuthe-Urstromtal sind, bestätigt, dass laut Trinkwasserverordnung „ein Minimierungsgebot für chemische Stoffe“ besteht. „Vor diesem Hintergrund wird die Nuwab bis zum Ende des Jahres 2017 alle Grundstücksanschlüsse von der Hauptleitung bis zum Wasserzähler, die Komponenten aus Blei enthalten, austauschen“, kündigt das Unternehmen an.

Von Margrit Hahn

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