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Teltow-Fläming Fall Scholl wird als TV-Krimi verfilmt
Lokales Teltow-Fläming Fall Scholl wird als TV-Krimi verfilmt
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15:12 11.06.2015
Anja Reich (l.) signierte unter anderem für Sylvia Rebenstock (r.) in der Daimler-Oberschule ihr Buch „Der Fall Scholl“. Quelle: Jutta Abromeit
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Ludwigsfelde

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren empfing der Ludwigsfelder Bürgermeister Heinrich Scholl in der Gottlieb-Daimler-Oberschule Bundeskanzler Gerhard Schröder– einer von Scholls größten politischen Auftritten.

Am Montagabend erlebte diese Schule eine ganz andere Premiere: Die Journalistin Anja Reich las in der Aula das erste Mal aus ihrem gerade erschienenen Buch „Der Fall Scholl“. Und der wegen Mordes an seiner Frau Verurteilte saß fast mit im Saal, unter den 200 Zuhörern.

So fragte ein Vertrauter im Auftrag des lebenslang inhaftierten Scholl nach der von Ermittlern untersuchten, doch dann entsorgten DNA-Probe. Ohne die sei eine unabhängige Prüfung nun gar nicht mehr möglich. Die Autorin, ganz Journalistin, wusste von den Auftragsfragen: „Ist dann abgearbeitet, was Ihnen Herr Scholl aufgetragen hatte?“

Interview mit der Autorin Anja Reich

Jetzt ist nach dem langen Prozess und Ihren anderthalb Jahren Recherche inklusive Ihrer Besuche im Gefängnis beim Verurteilten das Buch auf dem Markt– haben Sie mit dem Fall Scholl abgeschlossen?

Das hatte ich, als das Buch fertig war. Aber ich merke, dass es überhaupt noch nicht vorbei ist. Das merke ich an diesem Abend, an den Fragen, die gestellt wurden, bei Frau Marx in der Buchhandlung. An so vielem ist zu spüren, dass die Anspannung bei allen Beteiligten hier noch sehr groß ist. Da kommen noch sehr, sehr viele Emotionen hoch. Und was wirklich passiert ist, das kann sowieso niemand sagen, das könnte nur Herr Scholl selbst.

Immer wieder kommen in der Stadt Behauptungen auf, Heinrich Scholl wäre über Ihre Gespräche hinaus an dem Buch beteiligt, ob juristisch oder finanziell. Ist da was dran, gibt es irgendeine Vereinbarung zwischen ihm und Ihnen oder mit dem Verlag?

Nein, gar nicht. Diese Rederei ärgert mich sehr. Ich verstehe nicht, woher so was kommt. Heinrich Scholl ist in keiner Weise an der Herausgabe des Buches beteiligt, er musste weder sein Einverständnis geben oder irgendetwas freigeben. Nur seine Zitate habe ich natürlich, wie bei allen anderen auch, autorisieren lassen.

Wie kam es bei Ihnen an, dass es zur Lesung hier fast ausschließlich noch einmal um den Prozess, weniger um Ihre Recherchearbeit und Ihr Buch ging?

Das wundert mich deshalb kaum, weil ich vor der Veranstaltung erfahren hatte: Einige Leute im Publikum werden tatsächlich die Fragen stellen, die Heinrich Scholl ihnen mitgegeben hatte. Da ist er sich treu geblieben – er gibt nie auf.

Interview: Jutta Abromeit

Daniel Oertel, Programmleiter im Verlag Ullstein extra, erzählt, wie es zu diesem Buch kam: „Ich las die fabelhafte Prozessreportage und suchte den Kontakt zur Autorin. Da kam ihr Exposé zu diesem Buch.“ Der Stoff überzeugte Lektor Oertel sofort. Nun freut er sich: „Die erste Auflage von  5000 Exemplaren ist fast weg.“

Nach dem vorerst lokalen Interesse hofft er auf die neuen Bundesländer und die Spiegel-Bestsellerliste. Die MAZ erfährt bei Oertel: Filmemacher interessieren sich für die Story:. „Nächste Woche haben wir Gespräche mit drei Produktionsfirmen, die fürs Fernsehen arbeiten.“

Die Gespräche im Saal zum Fall Scholl drehen sich auch nach den Leseproben und beim Signieren der Bücher noch um das „War er’s oder war er’s nicht?“ So, wie die veranstaltenden Buchhändlerinnen Sabine Marx und Hannelore Schmitz es derzeit im Geschäft erleben. Immer und immer wieder Fassungslosigkeit. Bei Anja Reich über Aufstieg und Fall Heinrich Scholls, über das, was seine Karriere mit der Ehe machte. Buchleser sagen: „Es ist und bleibt ein Drama, für beide.“ Für die Autorin bleibt die Stadt mit ihren Menschen „ganz spannend. Da sind rund um Heinrich Scholl noch so viele Geschichten“. Verkauft wird im Moment die über den Mord. „Noch nie haben wir in den ersten Tagen eines neuen Buches so viele Exemplare verkauft wie von diesem“, sagt Sabine Marx. Noch am ersten Tag orderte sie nach.

Von Jutta Abromeit

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