Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ludwigsfelde Autos, Züge, Flugzeuge – eine Stadt wehrt sich
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Autos, Züge, Flugzeuge – eine Stadt wehrt sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:59 13.09.2018
Normaler Berufsverkehr auf der Potsdamer Straße in Ludwigsfelde, obendrüber der Autobahn-Südring mit zuletzt täglich rund 71000 Fahrzeugen. Quelle: Foto: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Immer mehr Menschen, immer mehr Firmen – das kann in der Industriestadt Ludwigsfelde nicht zu weniger Verkehr und weniger Lärm führen. Das wissen auch Stadtverordnete und Verwaltungsmitarbeiter, das wird auch im neuen Lärmaktionsplan deutlich. Den beschloss die Mehrheit der Stadtverordneten in dieser Woche bei zwei Gegenstimmen.

Die EU-Umgebungslärmrichtlinie war im Jahr 2002 erlassen worden.

Ihr Ziel: „Schädliche Auswirkungen, einschließlich Belästigungen, durch Umgebungslärm zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern.“

Die Stadt Ludwigsfelde hat im 2009 die erste Stufe eines Lärmaktionsplanes erarbeitet und beschlossen; er befasste sich ausschließlich mit Straßenlärm.

Wegen ihrer Lärm-Mehrfach-Belastung schrieb die Stadt diesen Aktionsplan 2013 mit einer zweiten Stufe fort. Heraus kam ein flächendeckendes Lärmschutz- und Lärmminderungskonzept.

Einwände von Bürgern zur dritten Stufe und ihre Berücksichtigung oder Nichtberücksichtigung sind in Protokollen festgehalten.

Außerdem gehört zu diesem Beschluss, dass die Stadt den 117 Seiten starken Aktionsplan zu ihrem lärmpolitischen Leitbild erklärt und sich an seine Maßnahmen gebunden fühlt. Da sind gegen das Problem Straßenlärm zum Beispiel zulässige Höchstgeschwindigkeiten zu reduzieren, auf die Potsdamer Straße lärmarmen Asphalt aufzubringen, mehr Schallschutz für die Autobahntrasse quer durch die Stadt zu erreichen, Geschwindigkeiten zu kontrollieren, Kreisverkehre an Knoten zu bauen oder mehr Straßengrün zu pflanzen.

Über Lärmminderung beim Schienenverkehr muss die Stadt mit der Deutschen Bahn verhandeln, bei der Lärmaktionsplanung im Flughafen-Umfeld agiert sie zusammen mit anderen Kommunen.

Brummi-Dauerbelastung auf dem südlichen Berliner Autobahnring Höhe Genshagen Quelle: Jutta Abromeit

Vorgegeben sind Lärmaktionsplan-Stufen mit einer EU-Richtlinie von 2002. Danach müssen Kommunen alle fünf Jahre eine Lärmkartierung und Lärmminderungsmaßnahmen vorlegen. Größtes Manko daran: Jeder Lärm einer Quelle wird separat betrachtet. Das trifft Ludwigsfelde mit Autobahn-Trasse, Bundesstraße 101, etlichen Landesstraßen, zwei ICE-Bahnstrecken und dem Flugverkehr besonders hart. In manchen Stadtvierteln kann kaum noch jemand bei offenem Fenster schlafen.

Wer sich den neuen Plan gegen Lärm genau anschaut, findet Zahlen, die die Dimension dieser Aufgabe verdeutlichen: An der Autobahn-Dauerzählstelle Genshagen wurden 2016 im Durchschnitt 71.000 Fahrzeuge täglich registriert, davon 17.000 Schwerlaster. Auf dem B 101-Abschnitt nördlich der Autobahn wurden 2015 täglich 30.600 Fahrzeuge registriert, mehr als 4000 Schwerlaster; 2010 waren es 26.700 mit 3000 Schwerlastern. Insgesamt rollen auf allen Hauptverkehrsstraßen der Stadt jährlich mehr als drei Millionen Fahrzeuge durch Ludwigsfelde.

Berliner Autobahnsüdring bei Ahrensdorf Richtung Abfahrt Ludwigsfelde West Quelle: Jutta Abromeit

Außerdem wird ausführlich dargelegt, dass an Autobahn-Dauerzählstellen die Höchstgeschwindigkeiten massiv überschritten werden, auch von Lkw-Fahrern. Dazu heißt es: „Besonders problematisch sind die zusätzlich entstehenden Pegelspitzen durch besonders schnell fahrende Fahrzeuge. Diese treten gehäuft in den Abend- und Nachtstunden auf, wo der Schutzbedarf der Bevölkerung besonders hoch ist.“

Stau an der Autobahnbaustelle Ludwigsfelde Ost/Genshagen. Solange es in Ludwigsfelde, einem Verkehrsknoten mit dem Berliner Autobahn-Südring und Bundessstraße 101, mit Landesstraßen und Zollamt, keinen Autohof gibt, parken Brummifahrer, Trucks und Lieferfahrzeuge auch in Wohngebieten Quelle: Jutta Abromeit

Außerdem ist zur Auswertung neuer Zahlen und Werte gegenüber den vorangegangenen beiden Stufen im Abschnitt Immissionsbelastung/ Betroffenheiten zu lesen, es werde deutlich: An bestimmten Straßen ist eine signifikante Zahl von Anwohnern Lärmpegeln ausgesetzt, die gesundheitsrelevante Prüfwerte überschreitet. 216 Ludwigsfelder sind ganztags Lärm von mehr als 65 Dezibel ausgesetzt, 284 müssen nachts zwischen 55 und 60 Dezibel ertragen. Laut der Auswertung konzentrieren sich die Lärm-Geplagten nördlich der Potsdamer Straße zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Anton-Saefkow-Ring.

Von Jutta Abromeit

Zu einem Unfall zwischen zwei Pkw ist es am Donnerstag auf der L795 in Ludwigsfelde gekommen. Zwei Personen wurden dabei verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

13.09.2018

Die Investorenfamilie Von dem Knesebeck will zwölf Reihenhäuser mit Garagen dort bauen, wo schon Fontane wandelte. Nun antwortet der Stadtrat Ludwigsfelde auf neue Petitionen aus dem Ort.

13.09.2018

Aller Firmenstreit ist beendet – 33 barrierefreien Wohnungen am Fuchsweg in Ludwigsfelde sollen im Sommer 2019 endlich fertig sein.

12.09.2018